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Immer mehr Kioske in Hildesheimer Innenstadt: Was sich die neuen Betreiber erhoffen – und was etablierte Läden zum Zuwachs sagen

Hildesheim - Seit Anfang des Jahres gibt es mindestens drei neue Kioske im Herzen Hildesheims – die Betreiber erhoffen sich einen Vorteil durch ihre zentrale Lage. Die Neugründungen bleiben dabei nicht unbemerkt. Was Wirtschaftsförderer und alteingesessene Kioske zu den Neuen sagen.

Der Aladdin Kiosk ist neu im ehemaligen Photo-Storm-Geschäft im Hohen Weg. Foto: Robin Pardey

Hildesheim - Wer durch die Hildesheimer Innenstadt läuft, kann in immer mehr Kiosken einkaufen. Seit Anfang des Jahres sind mindestens drei im Herzen der Stadt neu hinzugekommen – darunter der Aladdin Kiosk im ehemaligen Photo-Storm-Geschäft im Hohen Weg. Ganz fertig sei der Laden noch nicht, sagt Inhaber Firas Kheder, der bereits einen gleichnamigen Imbiss in der Dammstraße betreibt. „Einen Kaffee bekommt man hier schon, aber es sollen noch belegte Brötchen hinzukommen.“ Zudem plant Kheder, Themenregale mit Produkten aus anderen Ländern einzurichten. Für den Laden im Hohen Weg habe er sich vor allem wegen der guten Lage und den großen Schaufenstern entschieden, er hoffe auf viel Laufkundschaft.

Seit Anfang des Monats ebenfalls neu in der Innenstadt: der Royal Kiosk in der Dammstraße. „Wir sind noch nicht so bekannt. Und wegen der Baustelle hier haben es manche Kunden schwer, zu uns zu kommen“, sagt Inhaber Saad Alothman. Er betreibe den Laden als Nebenverdienst und habe aktuell vor allem viele jüngere Kundinnen und Kunden auf der Suche nach Getränken, Zigaretten oder Snacks, sagt er.

Zustimmung bei den Freundlichen Hildesheimern

Bei der Werbegemeinschaft der Kaufleute Die Freundlichen Hildesheimer, die sich der Aufwertung der Innenstadt und der Bekämpfung der Leerstände widmet, sind die Neuzugänge gern gesehen: „Jeder, der sich in diesen Zeiten daran beteiligt, ein Teil dieser Innenstadt zu sein oder zu werden, wird von uns herzlichst aufgenommen“, sagt die Vorsitzende Senab Özkan. „Es gibt mehrere Städte, in denen es wunderbar funktioniert, dass ähnliche Konzepte nebeneinander harmonieren.“ Wieso also, fragt Özkan, solle das nicht auch in Hildesheim klappen? Ähnlich sieht es Eckhard Homeister von der städtischen Wirtschaftsförderung: „Die Deckung eines bestehenden Bedarfs kann nicht falsch sein“, sagt Homeister. „Wir möchten ja mehr Wohnen in der Innenstadt. Dann sollte es auch die Möglichkeit geben, sich an vielen Orten mit Mitteln des täglichen Bedarfs zu versorgen.“ Kioske, meint Homeister, seien weder Segen noch Fluch, sondern vor allem eine Chance.



Stellen die Neuzugänge denn eine Konkurrenz für alteingesessenen Kioske dar? Auffällig seien die Neuen zwar schon, findet Cem Eris. Der 47-Jährige betreibt den C&M Kiosk an der Ecke Alter Markt/Burgstraße, nicht weit von einer der Neugründungen entfernt. Doch eine Konkurrenz, wegen der er oder andere alteingesessene Kioskbetreiber sich sorgen müssten, sieht Eris nicht: „Wenn wir nicht gerade in derselben Straße sind, dann können wir ganz entspannt sein.“ Denn ein Kiosk ziehe seine Kundschaft immer aus der unmittelbaren Nachbarschaft – der Straße, dem Block. Der C&M Kiosk locke zum Beispiel viele wartende Kundinnen und Kunden der Klawitter-Logopädie und des Hundefriseurs Schnipp&Schnapp an, die direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite liegen. „In einem Kiosk gibt es die Möglichkeit, Zeit zu überbrücken“, sagt Eris. Und die Kundschaft könne eben noch schnell an Getränke, Snacks oder Obst kommen, was insbesondere die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Altenheime schätzten. So habe es der C&M Kiosk seit seiner Gründung im Jahr 1996 geschafft, zu einem festen Anlaufpunkt im Viertel zu werden.

Kioske als Möglichkeit, den Arbeitsmarkt zu betreten

Über die Gründe, warum es nun immer mehr neue Kioske in der Stadt gibt, kann Eris nur mutmaßen. „Ich glaube, dass viele Betreiber es als eine entspanntere Möglichkeit ansehen, den Lebensunterhalt zu bestreiten.“ Zumindest entspannter, als die Arbeit in einem Imbiss mit seinen zahlreichen Hygieneauflagen, fügt er hinzu. Und falls es die neuen Betreiber mit ihrem Kiosk richtig ernst meinten, könne das Geschäft durchaus funktionieren, findet Eris. Denn der Betrieb eines Kiosks sei gerade auch für solche Menschen eine „super Alternative“, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind und deshalb Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt hätten, meint der 47-Jährige: „Die schaffen sich ihren Job dann halt einfach selbst.“

Hayat Burgac vom Kiosk an der Steingrube ist da skeptischer. Auch sie betreibt, zusammen mit ihrem Mann Ali Burgac, seit Jahrzehnten ihren Betrieb gegenüber des Scharnhorstgymnasiums. Die Arbeit in einem Kiosk sei durchaus „hartes Brot“, findet Burgac. „Von außen sieht es oft einfach aus“, sagt die 60-Jährige, „aber das ist es nicht.“ Hohe Nebenkosten für die Betriebsräume, körperliche Arbeit wie das Schleppen von Kisten und mitunter unfreundliche Kundinnen und Kunden – all das sei Alltag in einem Kiosk, sagt Burgac. Sie bezweifelt, dass sich alle neuen Betreiber dessen bewusst sind.

Mit Freundlichkeit einen Kundenstamm aufbauen

Als Konkurrenz für ihren Betrieb sieht allerdings auch sie die neuen Angebote nicht. Denn ihren Kiosk betreibe sie mit ihrer Familie bereits seit 1995. „Den Laden kennt jeder. Ich habe feste Kunden, die jeden Tag kommen.“ Und für diese „Freundschaften“, wie Burgac es ausdrückt, lohne sich die Arbeit dann eben doch. Das sei im Übrigen auch das Wichtigste, was einen Kiosk ausmache, findet die Betreiberin: „Man muss freundlich sein.“ Nur so baue man seine Kundschaft auf – und nur so laufe dann auch das Geschäft.

Von Robin Pardey und Milan Bauseneik

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