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Kritik an der Stadt Hildesheim: Warum sich Geschäftsleute in der Dammstraße im Stich gelassen fühlen

Hildesheim - Gesperrte Brücke, Umleitungen und leere Straßen: In der Dammstraße hat sich der Verkehr nach wie vor nicht normalisiert. Wie es Hildesheimer Geschäftsleuten nach etwa zwei Jahren Baustelle ergeht.

Handel und Gastronomie kämpfen mit der komplizierten Situation in der Dammstraße. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Während in der Hildesheimer Innenstadt auch nach Weihnachten viele Menschen in den Geschäften unterwegs sind, fließt in der Dammstraße größtenteils noch immer kein Verkehr seit Mai 2022. Für die Geschäfte und Gastronomie ist es schon die zweite Weihnachtszeit inmitten einer Baustelle gewesen.

Doch kein Problem für Rocio Ahrens von Torten Phantasien: „Ich finde es klasse.“ Sie habe keine Laufkundschaft und Bestellungen würden per Internet trotzdem eingehen. „Und es ist so schön leise“, so die Konditorin. Einen weiteren Vorteil bringe die Baustelle zudem mit sich: Parkplätze direkt vor der Tür – in normalen Zeiten auf der Dammstraße kaum denkbar. Ahrens wünscht sich dauerhaft weniger Verkehr in der Straße.

So wirkt sich die Baustelle aus

Doch sie weiß durch ihre Nachbarn auch um Kehrseiten. Katja Dammann musste ihren Fahrradladen in diesem Jahr schließen – unter anderem wegen der Baustelle. Auch andere Handelsleute leiden unter den Arbeiten.

„Kein Mensch weiß, was passiert oder gibt uns mal konkret Auskunft“, kritisiert Christian Nagel die Stadt. Durch die Fenster seines Spirituosengeschäfts „Our Rum & Spirits“ kann er die gegenüber liegenden Arbeiten auf der Brücke genau beobachten.

So hat Nagel sich sein Geschäft nicht vorgestellt, als er sich im April 2021 dazu entschied, sein Gasthaus im Brühl zu schließen. Weil das Rumgeschäft schon seit 2018 gut läuft und er mit der Gastronomie abschließen wollte, kam ihm der freie Laden in der Dammstraße 33 für den Verkauf gelegen. „Ich dachte, dass viele an der Ampel direkt vor dem Geschäft halten müssen und aufmerksam werden“, erklärt Nagel. Der Plan fruchtete zunächst – doch nach etwa einem Jahr ist aufgrund der Baustelle damit Schluss.

„Wäre ich nicht bei einer anderen Firma angestellt, wäre ich pleite“, so Nagel. Er könne den Laden zwar noch halten, würde aber nicht einen Cent verdienen. Zu dem Geschäft gehören auch drei Parkplätze. „Die konnte ich über ein Jahr nicht mal nutzen.“

„Keine richtige Alternative“

Bei der Stadt hat er sein Leid bereits geklagt und einen Pop-up-Store in der City angeboten bekommen. Dort gebe es aber nicht den gleichen Platz für sein Tasting und er müsste seine Spirituosen zwischen den Standorten hin und her transportieren. „Ich habe keine richtige Alternative zu den Räumen hier“, findet Nagel, der bereits seine Kosten reduziert hat.

Mit dem Wunsch nach einer konkreten Planung und einer besseren Aufklärung steht er nicht allein. Im Restaurant „Die Insel“ würden Gäste zwar nicht wegbleiben, man habe sich mit der Lage arrangiert – aber: „Ich wünsche mir eine bessere Kommunikation von Stadtseite, die auch die Händler und Gastronomen mit einbezieht“, so Betreiber Marcel Neubauer. Bisher bekomme er die Informationen zur Baustelle aus der HAZ – von der Politik käme sonst nicht viel. „Man fühlt sich etwas vernachlässigt.“

„Verkehrsnetz ist eine Katastrophe“

Und: Gäste, die nicht mehr so mobil sind, müssen Umwege fahren. „Das Verkehrsnetz ist eine Katastrophe“, findet Nagel. Er hat vor seinem Laden ein Schild aufgestellt, damit Kunden nicht von Radfahrern erfasst wird.

Und Salar Sabryali von Aladdin Grill & Bistro hofft auf ein größeres Entgegenkommen der Stadt. Das Geschäft sei 2023 deutlich schlechter geworden. Das Ausliefern der Speisen dauere durch die Sperrung und den Stau auf der Kaiserstraße viel länger. Aber: „Die Kundschaft hat Verständnis, die wissen Bescheid.“ Bisher ist jedenfalls von einer Schließung des Ladens keine Rede.

Von Rike Schmieding

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