Hildesheim/Heinde - Der Wasserstand der Innerste ist am Dienstagmorgen wieder rasant gestiegen – am Pegel in Heinde von 259 Zentimeter um 5.30 Uhr bis auf 347 Zentimeter um 10 Uhr, womit die erste von drei Meldestufen erreicht war. Am Nachmittag sank das Wasser dann wieder deutlich unter das erste Meldestufenniveau. Laut einer Prognose des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bleibt es vorerst beim Abwärtstrend (Stand 21.30 Uhr).
Niedersachsenweit erwartet die Behörde bis zum Mittwochmorgen dennoch weitere Anstiege der Pegelstände über Meldestufenniveau. Dass dabei die Meldestufe 3 erreicht wird, wie zuletzt beim Weihnachtshochwasser, sei zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, sagte NLWKN-Sprecher Fabian Buß auf HAZ-Nachfrage.
Sturmtiefs vom Atlantik
Grund für den erwarteten Anstieg in den kommenden Tagen sind mehrere Sturmtiefs, die auf ihrem Weg vom Atlantik nach Skandinavien für unbeständiges Wetter in Norddeutschland sorgen, führte Buß weiter aus. Die dadurch steigenden Temperaturen sowie ein ab Dienstagabend einsetzender Regen würden im Harz zu Tauwetter führen; bis Mittwoch werden deshalb Regen- und Schmelzwassermengen von 45 bis zu 60 Liter Wasser pro Quadratmeter erwartet. Zudem seien im Unterlauf der Aller und der Fuhse die Wasserstände an mehreren Pegeln seit dem Weihnachtshochwasser noch nicht wieder unter das Meldeniveau gesunken. Die Folge: „Die Böden sind noch immer so nass, dass sie kaum Wasser aufnehmen können“, sagte Buß.
Die Meldestufen 2 und 1 könnten deshalb an einigen Stellen des niedersächsischen Binnenlands erreicht werden, insbesondere im Bereich von Leine, Aller und Oker. Bordvolle Abflüsse und Ausuferungen auf landwirtschaftliche oder Forstflächen sind damit möglich. In Greene bei Einbeck hatte die Leine am Dienstagmittag bereits die zweite Meldestufe leicht überschritten. Und auch am Pegel in Poppenburg erreichte der Wasserstand des Flusses gegen 15 Uhr erneut die erste Meldestufe. Laut NLWKN-Prognose dürften die Stände am Mittwoch ähnlich hoch bleiben.
Diese Wege sind gesperrt
Spürbare Auswirkungen für die Menschen in Hildesheim und der Region hat der aktuelle Anstieg bislang zwar noch nicht. Allerdings sei es der Stadt deshalb noch nicht wieder möglich, den Innerste-Radweg oder den Hohnsen-Rundweg freizugeben, sagte Stadtsprecher Helge Miethe der HAZ. Beide Wege sind seit dem Weihnachtshochwasser gesperrt. Wer den Innerste-Radweg in Richtung Domäne Marienburg nutzen möchte, kommt spätestens ab Höhe des FC Concordia nicht mehr weiter. In die andere Richtung ist der Weg zwischen dem Johanniswehr und dem Vereinshaus der Hildesheimer Schützengesellschaft von 1367 nicht passierbar. Dahinter ist er laut der Stadt in Richtung Himmelsthür aber nutzbar.
Die Stadtpolitik will das Thema Hochwasser am kommenden Montag im Ausschuss für Feuerschutz, Innere Angelegenheiten und Digitalisierung diskutieren. Die Gruppe aus CDU/Unabhängigen und FDP will sich von der Feuerwehr berichten lassen, wie die Einsätze im letzten Hochwasser gelaufen sind, und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI haben das Thema ebenfalls auf die Tagesordnung gesetzt. Die Mehrheitsgruppe will erfahren, welche Institutionen beteiligt waren, wie die Koordinierung erfolgt ist, welche Aufgaben und Anstrengungen von der Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehren erforderlich waren und wo es noch Optimierungsbedarf gibt.
