Es geht voran

Invaders-Footballer sind froh über das neue Container-Dorf – kritisieren aber die Stadt Hildesheim

Hildesheim - Geplant haben die Hildesheimer Erstliga-Footballer mit 500.000 Euro – die Stadion-Sanierung ist aber teurer geworden. Die Stadt halte sich bei der Förderung des hiesigen Spitzensports nach wie vor zurück, so Invaders-Vize Johannes Krupp. (mit Kommentar)

Hildesheim - Auf das erste Heimspiel der Saison 2024 in der 1. German Football League muss Aufsteiger Hildesheim Invaders noch bis zum 1. Juni warten, doch schon jetzt wird der Rasen des Stadions am Philosophenweg fit gemacht. Der war zuletzt die Achillesferse des Homefields – buckelig, hart und mit zahlreichen Mulden versehen: nicht gerade Erstliga-tauglich.

Komplett fertig ist dagegen jetzt das Container-Dorf mit den zahlreichen Funktionsräumen oberhalb der Haupttribüne. Die Container selbst standen zwar schon während der Aufstiegssaison 2023, in vielen fehlte aber noch die Inneneinrichtung – unter anderem bei den Toiletten. Bislang mussten mobile WC angemietet werden.

Das stille Örtchen

Johannes Krupp, stellvertretender Vorsitzender der Invaders, schließt im Stadion am Philosophenweg einen der Container auf: das Stille Örtchen für die Herren. Drinnen sind vier Kabinen mit Klo-Schüsseln installiert worden, gegenüber vier Urinale. „Nagelneu und natürlich unbenutzt“, so Krupp grinsend. Im Vorraum gibt es Waschbecken. Dasselbe gilt für die Damen-Toiletten, nur ohne Pissoirs.


Und so sieht es in den Containern auf dem Homefield der Invaders aus – hier geht es zur Bilder-Galerie.


Die 19 Container stehen auf einer Fläche von 324 Quadratmetern. Eigentlich wollte man Platz sparen und zweigeschossig bauen. „Das ging aber aufgrund der Statik nicht. Das Gewicht, das von oben auf die unteren Gehäuse und den Untergrund gedrückt hätte, wäre zu groß gewesen“, erklärt Krupp. So entstand neben- und hintereinander ein Komplex von 18 Containern – bis auf eine Ausnahme. In der Mitte des Ensembles durfte auf einer der 18 Quadratmeter großen Metallboxen eine andere gestellt werden.

Drei Zimmer mit Fenstern

Zu dem oberen Container führt eine Außentreppe, in dem Container sind gleich drei Zimmer mit Fenstern eingerichtet: Ein Raum ist für die Kommentatoren gedacht, die die Invaders-Heimspiele über Sportdeutschland.tv übertragen, und der zweite für einen der Trainer der Heimmannschaft, der die Partie so von oben aus beobachten und dann per Funk seine Eindrücke an den Headcoach ans Spielfeld schicken kann. Das dritte Zimmer wird während der Punktspiele ein Trainer des gegnerischen Teams beziehen.

320.000 Euro hat das Container-Dorf gekostet. Weitere 330.000 gingen für die anderen Baumaßnahmen bei der Stadion-Sanierung drauf. Geplant waren zunächst Investitionen von insgesamt rund 500.000 Euro. „Das Ganze ist dann doch teurer geworden“, so Krupp.

Wir haben hier sehr viel eigene Mittel und die unserer Unterstützer investiert

Johannes Krupp, Invaders-Vize

Mit einem Zuschuss von 100.000 Euro beteiligte sich der Landessportbund an der Maßnahme, 20.000 Euro gab die Stadt Hildesheim – den Löwenanteil mussten die Invaders sowie ihre Gönner und Sponsoren also selbst aufbringen. Krupp: „Wir haben hier sehr viel eigene Mittel und die unserer Unterstützer investiert.“

Kritik an der Stadt

Es gibt hier kein klares Bekenntnis zum Spitzensport

Johannes Krupp, Invaders-Vize

Nach wie vor halte sich die Stadt grundsätzlich bei der Förderung des Hildesheimer Leistungssports sehr zurück, so der Invaders-Vize weiter. „Es gibt hier kein klares Bekenntnis zum Spitzensport. Beispielsweise erhalten alle anderen Teams aus der 1. German Football League von ihren heimischen Kommunen regelmäßig kräftige Finanzspritzen – wir bekommen von der Stadt nichts.“

Johannes Krupp zieht einen Vergleich zur Kultur in Hildesheim. „Das tfn, das Museum und andere Einrichtungen werden mit Millionenbeträgen unterstützt. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?“ Auch der Spitzensport – ob nun die Footballer, die Grizzlys-Volleyballer oder die Eintracht-Handballer – sei ein Aushängeschild „und ein Kulturgut“.

Flutlicht wird saniert

Für die Invaders steht bereits die nächste große Investition an. Sie haben einen Bauantrag gestellt, um das Flutlicht auf ihrem Trainingsgelände an der Zeppelinstraße zu sanieren. Das dürfte wieder einen sechsstelligen Betrag verschlingen. „Hier können wir jede Fördersumme gebrauchen“, sagt Krupp – und: Die Zeppelinstraße sei immer noch ein unbeleuchteter Acker ohne Infrastruktur. „Aber der Platz ist für uns die Grundlage für ein richtiges Vereinsleben.“ Seit Jahren trainieren die Footballer auf den Plätzen anderer Vereine in Stadt und im Landkreis. Krupp weiter: „Das schlaucht und geht ans Portemonnaie. Hier müssen wir dringend vorankommen, damit wir auch infrastrukturell zum Bundesliga-Niveau aufschließen. Das ist unsere große Herausforderung.“

Zurück zum Container-Dorf im Stadion am Philosophenweg. Das ist im Gegensatz zum Trainingsplatz fertig. Unter anderem sind in den 19 Metallboxen zwei 72 Quadratmeter große Umkleiden für die Mannschaften mit jeweils vier Duschen, eine Schiedsrichter-Kabine ebenfalls mit Dusche, ein Regie-Raum für die Übertragungstechnik, eine Küche für das Catering und Abstellräume untergebracht.

Das Dorf und die anderen Baumaßnahmen im Stadion bringen uns richtig nach vorn

Johannes Krupp, Invaders-Vize

„Das Dorf und die anderen Baumaßnahmen im Stadion bringen uns richtig nach vorn“, so Krupp. Entstanden ist nämlich auch ein zusätzlicher Parkplatz, außerdem ist die Tribüne erweitert worden. Handwerker verlegten auf dem Gelände hunderte Meter Kabel neu und installierten eine Pumpe für die Wasserversorgung des Komplexes.

Übrigens dürfen sich auch die VIPs der Invaders bald auf mehr Komfort am Philosophenweg freuen. In der Mitte der Haupttribüne lassen die Footballer für ihre Edel-Fans demnächst unter einer Dachkonstruktion feste Sitzreihen mit Sitzschalen montieren.


Kommentar: Die Stadt sollte das Geld endlich gerechter verteilen

Johannes Krupp hat sich etwas getraut. Der Vereins-Vize der Hildesheim Invaders sagte jetzt das öffentlich, was nicht wenige schon lange denken: „Die Stadt Hildesheim gibt kein klares Bekenntnis zum Spitzensport ab“ – und Krupp meint damit keineswegs nur Lippen-Bekenntnisse.

Die Invaders spielen wieder in der 1. Liga. Alle anderen Klubs aus der German Football League 1 von Berlin über Kiel bis ins Allgäu werden von ihren heimischen Kommunen finanzkräftig unterstützt. Dagegen können die Invaders, aber auch andere Hildesheimer Spitzensportler lange auf derartige Hilfen warten.

Der Sport ist relevant

Okay, die Stadt hat kein Geld. Doch wenn sich im Museum oder dem Stadttheater mal wieder eine finanzielle Lücke auftut, zahlt die Stadt – da fließen dann Millionen. Alles freiwillige Leistungen. Tatsächlich fehlt an dieser Stelle die Verhältnismäßigkeit.

Vergangenen Samstag pilgerten mehr als 2000 Fans zum Erstliga-Spiel der Grizzlys-Volleyballer in die Volksbank-Arena, die Partien der Invaders-Footballer sind ebenfalls meist ausverkauft, und die Eintracht-Handballer haben einen Zuschauerschnitt von mehr als 1500. Soll heißen: Der hiesige Sport ist relevant, mindestens ebenso relevant wie die Kultur.

Und wenn die Grizzlys in Berlin auflaufen oder die Einträchtler in Wilhelmshaven tragen sie den Namen Hildesheim obendrein in die ganze Republik. Es wird Zeit, dass der Rat und die Verwaltung das Geld endlich gerechter verteilt.

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