Nach zehn Jahren Planung

Jetzt ist klar: Kein Bahnübergang für das Hildesheimer Ostend

Hildesheim - Die DB Netz versagt der Stadt einen Bahnübergang, der das Ostend mit der Goethestraße verbinden soll – und das nach zehn Jahren Planung. Dafür sind jetzt plötzlich zwei Tunnel im Gespräch. Was das für die Zukunft des Projekts bedeutet.

Zwischen dem Ostend und der Goethestraße sollte es eigentlich bald einen Bahnübergang geben. Diesem Plan hat die DB Netz jetzt allerdings eine Absage erteilt. Foto: Chris Gossmann (Archiv)

Hildesheim - Baudezernentin Andrea Döring ist „recht verzweifelt“, als sie sich Ende Oktober aus dem Termin mit dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und der DB Netz verabschiedet. Denn die Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn hat jetzt endgültig klargemacht: Einen Bahnübergang vom Ostend in die Goethestraße, wie ihn die Stadt den Quartiersbewohnern lange versprochen hatte, wird es nicht geben. Das hat die Verwaltung am Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität öffentlich gemacht.

Bis zu diesem Punkt hatte es in der Planung für den Bahnübergang bereits ein großes Hin und Her gegeben; 2013 hatte die Stadt erste Gespräche mit der Deutschen Bahn geführt, dann gab es Schwierigkeiten, die Anwohnerinnen und Anwohner in der Goethestraße mit ins Boot zu holen, und schließlich wurde ein zunächst 2019 anvisierter Baustart immer weiter nach hinten verschoben – jetzt also das Aus.

Stadt will Entschädigung von der Bahn – so stehen die Chancen

„Wir haben zehn Jahre daran gearbeitet“, betont Döring. „Die Klarheit vorher hätte uns eine Menge Zeit und Arbeit gespart“, moniert sie und will jetzt sogar prüfen lassen, ob der Stadt aus dem ergebnislosen Schlagabtausch mit der DB Netz etwaige Entschädigungsansprüche entstehen. Immerhin hat das Projekt nicht nur eigenes Personal gebunden, die Stadt hatte auch externe Auftragsbüros für die Entwurfsplanung beauftragt. Die Chance, dass die DB Netz für die unnützen Ausgaben aufkommt, ist allerdings gering, das räumt die Baudezernentin am Mittwoch dann auch selbst ein: „Wegen der Kreuzungsvereinbarung ist das wahrscheinlich nicht möglich.“

Die Nachricht von der Absage der DB Netz hat auch unter den Ausschussmitgliedern heftige Reaktionen ausgelöst. Tobias Eckardt (SPD) findet die Nachricht vom gescheiterten Bahnübergang niederschmetternd. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Dennis Münter (CDU) nannte die Absage eine bittere Nachricht für die Stadt, insbesondere aber für die „Häuslebauer, Investoren und Wohnungsbaugesellschaften im Ostend.“ Denen fehle jetzt nicht nur eine Wegeverbindung, sie hätten die dafür eingeplanten Kosten im Endeffekt bereits mitbezahlt. „Wir haben das denen versprochen und im Grunde das ganze Gebiet danach geplant“, so Münter. Die Stadt müsse jetzt sehen, wie sie mit dem Thema umgeht.

Eine neue Hoffnung

Eine Hoffnung für die Menschen im Ostend, doch noch halbwegs schnell zu Fuß oder mit dem Fahrrad ins Zentrum zu gelangen, gibt es allerdings noch. So hat die DB Netz der Stadt laut Döring versichert, eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer in Richtung Goethestraße mitzutragen, sollte diese denn politisch gewünscht sein. Dass diese Möglichkeit bestehe, sei nichts neues, sagt Döring. „Die Unterführung ist schon früh von der Bahn als Alternative angesprochen worden.“ Allerdings hätte diese auch von Anfang an höhere Kosten bedeutet und da plangleiche Übergänge laut Eisenbahngesetz erlaubt seien, hätte die Stadt stets auf die kostengünstigere Rampe gesetzt.

Offenbar sieht die DB Netz in Bahnübergängen mittlerweile ein generelles Sicherheitsrisiko. „Die Übergänge sollen alle zurückgebaut werden“, sagt Döring. Deshalb habe die Tochtergesellschaft der Bahn jetzt auch zusätzlich vorgeschlagen, den Bahnübergang an der Frankenstraße zu unterführen und dafür die vollen Kosten zu tragen. Die Rede ist hier von einer gut 180 Meter langen Unterführung für Autos und Busse. „Natürlich wäre das toll, aber das sind alles Projekte, von denen man das Ende noch nicht sehen kann“, sagt Döring.

Wie es jetzt mit der Wegeverbindung zwischen dem Ostend und der Innenstadt weitergeht, ist unklar. Für die Alternative der Unterführung bräuchte es einen neuen politischen Beschluss. „Das einzige Positive, was man daraus mitnehmen kann, ist dass uns die Bahn die Frankenstraße unterführen will“, sagte Münter. „Aber jetzt müssen wir das erstmal alles verdauen.“

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