Investor reagiert auf Proteste

Kampf um Blutbuche am PvH in Hildesheim: Bleibt der Baum doch?

Hildesheim - Eigentlich schien das Schicksal der 120 Jahre alten Blutbuche auf der Wiese am Hindenburgplatz in Hildesheim besiegelt. Doch nun gibt es eine neue Entwicklung. (mit Kommentar)

Diese 120 Jahre alte Rotbuche auf der Wiese auf dem PvH in Hildesheim soll nun möglicherweise doch stehen bleiben. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Eigentlich schien das Schicksal der Blutbuche auf der Wiese am Hindenburgplatz besiegelt. Schließlich hatte ein Sachverständiger erklärt, der 120 Jahre alte Baum werde ein Umpflanzen nicht überleben – was in der Konsequenz bedeutet, dass er gefällt werden muss, um das Bauprojekt von Hanseatic und AWO wie vorgesehen auf dem Grundstück zu verwirklichen.

Doch nun gibt es Hoffnung für die Buche: „Wir versuchen so umzuplanen, dass wir den Baum erhalten können“, sagte Hanseatic-Prokurist Thomas Malezki am Freitag der HAZ. Er könne aber nichts versprechen und wolle keine falschen Erwartungen wecken, betonte der Vertreter des Immobilienunternehmens. Dieses möchte gemeinsam mit der AWO auf der Fläche einen dreiteiligen Gebäudekomplex errichten: Hanseatic will Mietwohnungen anbieten, der Wohlfahrtsverband seine Beratungsangebote in einem Sozialen Zentrum zusammenziehen und eine Begegnungsstätte schaffen. Die Buche steht auf dem Grundstück des derzeitigen AWO-Hauses am PvH, das für das Projekt abgerissen werden soll.

Hanseatic-Prokurist: „Wollen nichts gegen Menschen machen“

Maleziki erklärt die Bereitschaft, die Pläne zu überdenken, mit dem Einsatz von Bürgern für die Buche. „Wir wollen nichts gegen die Menschen machen.“ Wie berichtet, plant ein Bündnis um die Klimaschutzgruppe Extinction Rebellion in den nächsten Tagen zahlreiche Protestveranstaltungen, für Samstag ist eine Demo vorgesehen.

Wie Malezki erklärte, könne es sein, dass Veränderungen bei dem Entwurf mit einer Verringerung des Baukörpers einhergehen. Hanseatic wolle aber auf jeden Fall an der Kooperation mit der AWO festhalten: „Wir haben das Vorhaben als Partner geplant, dabei soll es bleiben.“ AWO-Geschäftsführer Gökhan Gürcan erklärte, er trage den Kurs von Hanseatic voll mit: „Die Buche soll auf jeden Fall stehen bleiben.“ Die AWO müsse grundsätzlich schauen, ob das ganze Vorhaben für sie zu finanzieren sei.



Wann Hanseatic weiß, ob es möglich ist, die Buche durch Umplanungen zu erhalten, konnte Malezki am Freitag nicht sagen. Der Architekt des Unternehmens werde dafür die Zeit bekommen, die nötig sei. Auf gar keinen Fall werde das Ergebnis bis zur Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 14. September vorliegen, betonte der Prokurist. Vorher will auch AWO-Chef Gürcan nichts mehr zu dem Thema sagen: „Das gebietet der Anstand.“

Verwaltung findet: Politik hat nichts mehr zu entscheiden

In der Sitzung sollten die Politiker eigentlich darüber entscheiden, ob Hanseatic die Kosten für ein Umpflanzen des Baumes – laut Gutachten zwischen 175 000 Euro und 250 000 Euro – „wirtschaftlich zumutbar“ sind. Doch nach Ansicht der Verwaltung ist wegen des Ergebnisses der Untersuchung kein Beschluss mehr nötig: Nun müsse Hanseatic wie vom Rat für diesen Fall vorgesehen so viele neue Bäume pflanzen wie nötig seien, um jene Masse an Kohlendioxid zu binden, die durch das Fällen der Buche wegfalle.

Kritik von PARTEI-Vertreter Hamun Hirbod an Verwaltung

PARTEI-Ratsherr Hamun Hirbod kann die Argumentation der Verwaltung nicht nachvollziehen: Der Rat habe in der Entscheidung über den Verkauf des Grundstücks festgelegt, dass er einen Beschluss zu dem Thema fassen und nicht nur informiert werden wolle. Hirbod bildet mit SPD und Grünen die Mehrheitsgruppe.


Kommentar: Ein klares Signal

Eigentlich hätten sich die Verantwortlichen bei der Firma Hanseatic und der AWO zurücklehnen können: Ein Gutachter bescheinigt ihnen, dass die Buche nicht zu retten ist, die Stadt hat daran nichts auszusetzen. Doch der Protest gegen die Pläne des Immobilienunternehmens und des Wohlfahrtsverbandes hat Wirkung gezeigt: Es ist ein Zeichen von Größe, wenn der Hanseatic-Prokurist ankündigt, man wolle versuchen, den Baum zu retten – das klang vor ein paar Monaten noch ganz anders.

Die Gegner des Projekts sollten nun ebenfalls Größe zeigen und ihre Aktionen der Entwicklung anpassen: Hanseatic und AWO müssen Zeit bekommen, den Entwurf in Ruhe zu überdenken und mit spitzem Bleistift neu zu rechnen. Wahr ist im übrigen auch: Vor dem Projekt hat sich jahrelang kaum jemand für den Zustand der Wiese interessiert. Der kann nicht so bleiben – selbst wenn das Bauvorhaben abgeblasen werden sollte.

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