Bauvorhaben

Neubaupläne für den Marienburger Platz in Hildesheim geraten ins Stocken, ein Investor springt ab – was heißt das für das Projekt?

Hildesheim - Ein Investor für das Projekt auf dem Marienburger Platz in Hildesheim hat sich bereits zurückgezogen, der andere verweist auf Bürokratieprobleme. Was die Stadt sagt und wie es nun weitergehen soll (mit Kommentar).

So stellt sich der Investor die Bebauung für den Marienburger Platz vor. Foto: Grafik: part AG

Hildesheim - Die Baugenehmigung für den Neubau auf dem Marienburger Platz ist übergeben, die Verträge sind seit fünf Jahren unterschrieben. Es kann endlich losgehen. „Und jetzt nix wie durch mit dem Ding!“ Das war im April 1999. Das Zitat stammt vom damaligen Oberstadtdirektor Konrad Deufel. Die Szene könnte sich wiederholen. Vermutlich aber erst in ein paar Jahren. Oder möglicherweise in vielen Jahren. Dann nämlich, wenn auf dem Marienburger Platz die nächste Baustelle für einen Neubau eingerichtet wird. Doch wann das ist, steht weiter in den Sternen.

Dabei gibt es bereits konkrete Pläne und die dafür notwendigen Investoren. Jan-Christopher Vogt von der Firma part AG aus Bad Gandersheim und Jens Segler von der Peiner Firma bauplan. Die haben im Frühjahr 2022 im Rahmen einer öffentlichen Anhörung vorgestellt, was sie auf der Höhe vorhaben. Doch bis auf eine kurze, heftige Diskussionsphase mit Beteiligung der Anlieger der Marienburger Höhe ist seitdem nicht mehr viel passiert. Die Pläne liegen auf Eis.

Hinzu kommt, dass einer der beiden Investoren, Jens Segler von der Peiner Firma bauplan, mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen ist. Nun liegt es an dem verbliebenen Investor und Eigentümer der Immobilie Jan-Christopher Vogt, wann und ob es überhaupt noch weitergehen wird. Doch dafür benötigt er noch eine verbindliche Bauplanung seitens der Stadtverwaltung. Erst dann kann ein Investor kalkulieren, wie es wirtschaftlich für ihn ausgeht.

Das kennt Vogt nur zur Genüge. Die Firma part AG betreut zahlreiche große Bauvorhaben. Allein bei acht von denen gab es in diesem Jahr Planungsprobleme, die sich auch bei dem Projekt auf der Marienburger Höhe wiederholen könnten, sagt Vogt auf Nachfrage der HAZ. Die Zeitspanne für den Vorlauf in Hildesheim sei jetzt schon sehr groß. Bereits 2014 wurde darüber gesprochen, den bestehenden Edeka-Markt als Nahversorger zu vergrößern. Das ist fast zehn Jahre her. Der Bedarf für ein Wachstum ist geblieben.

Nahversorger Edeka will wachsen

Der Stadtverwaltung mit Stadtbaurätin Andrea Döring als Verantwortliche bei diesem Projekt macht Vogt dabei keine Vorwürfe, die Zusammenarbeit mit ihr sei gut, betont er. Schwierigkeiten sieht es eher auf politischer Seite und eben bei Anliegern und einigen Initiativen, die eigene, zum Teil sehr andere Vorstellungen zu der Bebauung haben – wie jüngst erst vom Hildesheimer Vorstand des Verkehrsclub Deutschland (VCD) formuliert.

Eines ist aber schon klar: Die grundsätzliche Idee, auf dem Marienburger Platz ein neues Zentrum inklusive neuer Ladenflächen, Büroräume und etwa 50 neue Wohnungen zu schaffen, wird von allen Seiten begrüßt. Allen voran von Andrea Döring als Stadtbaurätin.

Rund 50 neue Wohnungen

Die sieht den Marienburger Platz zudem in einem viel größeren Zusammenhang. Die Stadt arbeitet an einem Mobilitätskonzept für Hildesheim, bei dem die Marienburger Höhe eine hervorgehobene Rolle spielt. Die Frage ist: Wie schafft man es, eine auf das Auto konzentrierte Verkehrsplanung so umzugestalten, dass auch Radfahrer, der Öffentliche Personennahverkehr und Fußgänger mehr Platz bekommen? Die Marienburger Straße ist in Hildesheim das Beispiel für eine Verkehrsplanung der 1970er-Jahre nach dem Motto: freie Fahrt für den Individualverkehr – für das Auto.

Doch die Zeiten haben sich geändert, das wird auch an der Kritik an den derzeitigen Bauplänen deutlich. Und damit der Frage, ob die Umsetzung nun in ferne Zukunft rückt. Auf Nachfrage der HAZ hat Stadtbaurätin Andrea Döring nun ihre Position dazu erklärt. „Ich setze darauf, dass wir die baurechtlichen Fragen klären, damit der Investor freie Bahn bekommt, um loszulegen.“ Das klingt einfacher, als es tatsächlich ist. Denn es sind noch sehr viele Fragen offen. Auch, wie viel Geduld der Investor hat. Oder die derzeitigen Mieter in dem Objekt.

Sicherheit für den Investor

Doch laut Döring gebe es keinen anderen Weg, als die Formalia verbindlich zu klären: „Erst dann kann Vogt handeln.“ Ein städtebaulicher Vertrag mit ihm schaffe jedenfalls rechtliche Sicherheit, binde Vogt aber nicht daran, das Vorhaben auch umzusetzen: „Als Stadt haben wir hier keine andere Wahl.“

Den Fahrplan dafür gibt es schon: Die Pläne werden im Ortsrat Marienburger Höhe am 21. November und im Stadtentwicklungsausschuss am 6. Dezember auf die Tagesordnung kommen. Dabei will Döring auch deutlich machen, dass der Marienburger Platz ein zentrales Vorhaben ist, das an das Mobilitätskonzept der Stadt anknüpft. Ebenso an die Pläne der Universität als direkte Nachbarin. Sie will in den beiden Sitzungen das Verkehrskonzept als einen Baustein auf den Weg bringen.

Die nächsten Sitzungen

Dass sich auf der Höhe alle Pläne noch hinziehen dürften, wird auch an anderer Stelle deutlich: Die über die Region hinweg beliebte Gaststätte Südklause feiert die Übergabe des Familienbetriebs in die dritte Generation. Sarah Sophie Kurpjuhn übernimmt im neuen Jahr und verspricht: „Mindestens zehn Jahre wird hier alles beim Alten bleiben.“

Damit verlagert sich der Fokus eines Eigentümers zunächst mittelfristig vom Thema Neubau auf die Bauerhaltung. Und auch für die angrenzenden Betreiber des Ärztehauses und der Geschäfte könnte erst mal eine Ruhepause eintreten. Mehr Gewissheit könnten die beiden Sitzungen im November und Dezember bringen.


Kommentar: Klarheit für die Marienburger Höher schaffen

Nein, Bauen ist nicht einfach. Doch das ist keine Begründung dafür, dass die Bürger beim Thema Marienburger Platz noch länger im Unklaren gelassen werden. Immerhin ist dabei weit mehr im Spiel als nur ein Neubau. Das Vorhaben hat entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Marienburger Höhe als lebenswerten Stadtteil Hildesheims. Es gibt zwar auch Kritik an den derzeitigen Plänen, die vielen zu klotzig sind. Doch einig sind sich alle Seiten: Ein neues Konzept für den Marienburger Platz muss her – und damit für den ganzen Stadtteil inklusive Uni. Und weil sie sich über das Ziel einig sind, sind alle Seiten gefordert, sich auf Kompromisse einzulassen. Damit es endlich voran geht. Ein Zeichen der Hoffnung ist zumindest, dass die Stadtbaurätin in Kürze ihre Vorstellung für das Verkehrskonzept auf den Weg bringen will. Das dürfte klären, welche Zukunft dort künftig noch der Individualverkehr mit dem Auto spielen wird.

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