Marienburger Höhe, Itzum, Wasserkamp

Verkehrswende im Hildesheimer Süden nimmt Gestalt an – der CDU ist das nicht kreativ genug

Hildesheim - Ab dem Jahr 2024 soll der Hildesheimer Süden auf eine Mobilität der Zukunft umgestellt werden. Aktuell diskutiert die Stadtpolitik, wie genau das aussehen soll – und ob die Stadt nicht eigentlich noch mutiger bei der Gestaltung sein sollte.

Auch am Klingeltunnel an der Marienburger Straße in Hildesheim soll die Verkehrsführung geändert werden. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Im Süden entscheidet sich die Zukunft des Hildesheimer Verkehrs – das meint zumindest Antje Janßen. Die Stadtplanerin ist Geschäftsführerin des Planungsbüros LK Argus. Und seit 2021 ist sie dabei, im Auftrag der Stadt Hildesheim ein Konzept für die Verkehrswende zu entwerfen. Nun gut, nicht ganz Hildesheim. Ihr Fokus liegt auf Itzum, der Marienburger Höhe und dem geplanten Quartier am Wasserkamp.

Aber: „Der Hildesheimer Süden ist ein Testfeld“, sagt Janßen, als sie ihre Ergebnisse Verwaltung und Politik vorstellt. „Unser Ziel ist es, nachhaltigen Verkehr zu fördern, also vor allem Fußgänger- und Radverkehr sowie den ÖPNV.“

Fünf Schritte

Janßens Vorschläge sind seit einiger Zeit bekannt. Nun hat die Verwaltung aus dem üppigen Strauß an präsentierten sogenannten Handlungsfeldern fünf Maßnahmen ausgewählt, die sie von 2024 bis 2026 bearbeiten will: Die Verkehrsführung am Klingeltunnel, die Neuplanung des Marienburger Platzes, eine neue Parkordnung rund um die Universität, eine Fahrradroute von Itzum in die Innenstadt sowie das Einrichten sogenannte Mobilitätsstationen am Marienburger Platz und am Ostbahnhof.

Bevor die Verwaltung loslegen kann, muss die Politik zustimmen. Streit um die Pläne gab es zuletzt keinen, zufrieden sind in der Politik aber trotzdem nicht alle. „Ich bin enttäuscht“, sagt Dennis Münter, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat. Ihm sind die Vorschläge des Planungsbüros zu konventionell und zu schablonenhaft. „Im Grunde sollen wir jetzt den ruhenden Verkehr von den Hauptstraßen verlagern, um mehr Platz zu haben, zum Beispiel für Fahrradwege“, sagt er. „Das ist keine Idee, für die man ein Planungsbüro braucht.“

Nicht kreativ genug

Nicht nur erscheint Münter das ganze Mobilitätskonzept etwas unkreativ, er bemängelt auch, dass es der Besonderheit der Marienburger Straße nicht gerecht werde. „Die Sache ist doch: Morgens wollen viele Leute in die Stadt, abends wollen viele raus.“ Um mit diesen Verkehrsspitzen umzugehen hätte er sich etwas mehr „out-of-the-box“ Ideen gewünscht. Denn eine Neuregelung des ruhenden Verkehrs und mehr Radwege würden die Verkehrsspitzen nicht wegzaubern.

„Wie wäre es mit digital bedarfsgesteuerter Verkehrsführung?“, schlägt er vor. Er denkt dabei etwa an das Gebiet um die Messe in Hannover. Dort würden einzelne Fahrspuren mithilfe von elektronischen Anzeigen je nach Verkehrslage umgewidmet. „Sowas wäre doch auch ein Signal, dass wir die Digitalisierung verstanden haben.“

Jetzt entscheidet der Rat

Auch Tinka Dittrich von den Grünen reagiert skeptisch auf das Mobilitätskonzept – insbesondere darauf, dass die Verwaltung fünf Maßnahmen ausgewählt hat: „Reichen der Stadt denn fünf Maßnahmen?“ Stadtbaurätin Andrea Döring erwidert: „Es läuft, so viel eben geht.“ Insbesondere die Personalsituation im Rathaus begrenze die Möglichkeiten der Verwaltung. Hinzu komme, dass das Personal auch noch Projekte jenseits des Hildesheimer Südens stemmen müsste.

Aber trotz einiger Skepsis und Enttäuschung scheint die Stadtpolitik hinter dem Plan der Verwaltung zu stehen. „Es ist ein gutes Konzept“, sagt etwa Ulrich Räbiger, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat. Auch Münter sagt trotz aller Vorbehalte: „Das ist alles sinnvoll.“ Wenn der Stadtrat in seiner Sitzung am 9. Oktober grünes Licht gibt, wird die Verwaltung damit beginnen, das Konzept umzusetzen.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.