Politik ist sauer

Kosten für Bad Salzdetfurths Marktplatz steigen gewaltig

Bad Salzdetfurth - Zwischen Bad Salzdetfurths Stadtrat und der Verwaltung knirscht es gewaltig: Es geht mal wieder um Informationspolitik und Kostenkontrolle. Aktueller Anlass: der neue Marktplatz.

Die Arbeiten am Marktplatz gehen voran. Derzeit werden die Stufen zum Lammeufer gesetzt. Zwischen Stadtrat und Verwaltung kriselt es derweil wegen der gestiegenen Baukosten des Marktplatzes. Foto: Foto: Ulrike Kohrs

Bad Salzdetfurth - Die Kosten für den neuen Bad Salzdetfurther Marktplatz steigen in die Höhe. 2,5 Millionen Euro soll die neue Mitte nun kosten. Im Nachtragshaushalt wurde der einstige Ansatz von rund 1,8 Millionen Euro um rund 720 000 Euro nachgebessert. In der Sitzung des Finanzausschusses musste Bürgermeister Björn Gryschka am Dienstagabend dafür viel Kritik einstecken – denn tatsächlich ist der Marktplatz in diesem Jahr nicht das erste Projekt, das deutlich teurer wurde, als ursprünglich veranschlagt.

Verzögerungen wegen archäologischen Fundes

Gryschka erläuterte die Gründe für die aktuelle Kostensteigerung in der Sitzung: Er erinnerte an den archäologischen Fund bei den Tiefbauarbeiten, der einen mehrwöchigen Baustopp nach sich zog, daran, dass zudem mehrere alte Leitungen entdeckt wurden, die in keinem Plan eingezeichnet waren und zunächst Probleme verursachten. Die höheren Kosten seien „nicht schön, aber nötig“, erklärte Gryschka und unterstrich noch einmal die große Bedeutung des „mutigen Projektes Marktplatz“ für die Stadt.

Die Gründe waren für die Ratsmitglieder auch durchaus nachvollziehbar, nicht aber die Informationspolitik dazu. Martin Wincek (SPD) erklärte, seine Partei sei entsetzt gewesen, als sie den Posten im für diese Sitzung vorgelegten Nachtragshaushalt entdeckte. Auch die CDU sei davon „böse überrascht“ worden, ärgerte sich Lutz Lipper. „Ich bin stinksauer“, erklärte dessen Fraktionskollege Marc Busche. Und meinte damit nicht nur die erhebliche Kostensteigerung, sondern auch, dass der Vorgang dem Image und der Akzeptanz der neuen Mitte schade. Dabei zweifelte kein Ratsmitglied das Projekt Marktplatz in der Sitzung an. Die Fraktionen stehen weiterhin mehrheitlich hinter der großen Investition, die der Kurstadt auf Sicht deutlich mehr Touristen und Gäste bringen soll.

Sie forderten den Bürgermeister aber auch eindringlich auf, in der Zukunft für ein sicheres Kosten-Controlling und einen verbesserten Informationsfluss zu sorgen. Diese Forderung war in diesem Jahr schon häufiger laut geworden, denn unter anderem auch die Kosten des neuen Museums und der Mensa-Anbau an der Grundschule Heinde hatten schon deutlich über den Ansätzen der Verwaltung gelegen und waren den Ratsmitgliedern teils nicht ausreichend kommuniziert worden. Dass das Museum kräftiger zu Buche schlagen würde als geplant, hatten die Politiker aus der Zeitung erfahren. Gryschka kündigte für Anfang des Jahres ein Konzept an, wie künftig mit der Kostenkontrolle umgegangen werden solle. Lipper forderte den Verwaltungschef zudem auf, die Fachausschüsse regelmäßig über den Stand der Dinge zu informieren, damit die Politik frühzeitig eingebunden sei, wenn sich Kostensteigerungen anbahnten.

„Das Kind ist in den Brunnen gefallen“

Trotz des Ärgers stimmte der Finanzausschuss einstimmig für den Nachtragshaushalt. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, sagt Busche. Aber niemandem sei damit geholfen, wenn der Nachtragshaushalt nun gestoppt würde. Damit wäre die Verwaltung in diesem Punkt handlungsunfähig und ein halbfertiger Marktplatz überhaupt nichts wert.

Das letzte Wort zum Thema hat am kommenden Donnerstag, 3. Dezember, der Stadtrat. Der in der selben Sitzung auch über die Abschaffung der Strabs entscheiden will. Die Sitzung findet ab 19 Uhr im Maiental statt.

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