Dauerbaustelle

Kosten für Hildesheimer Dammstraßen-Baustelle steigen voraussichtlich auf 6 Millionen Euro

Hildesheim - Nach monatelanger Pause soll es bald weitergehen in der Dammstraße, wie die Hildesheimer Baudezernentin verrät. Wegen der gestiegenen Kosten gibt es jetzt Ärger in der Politik.

Hier soll es bald weitergehen: Die Dammstraßen-Baustelle in Hildesheim. Im Finanzausschuss gibt es derweil Kritik an den steigenden Kosten. Foto: Chris Gossmann (Archiv)

Hildesheim - Es geht weiter auf der Baustelle in der Dammstraße. Nachdem die bei Kanalbauarbeiten entdeckte, 850 Jahre alte Brücke wieder abgedeckt ist und erste Arbeiten für das Fundament der Betonplatte, mit der die Brücke im Boden versiegelt werden soll, erfolgten, steht nun der Bau eben jener Platte und der neuen Fahrbahn an.

Die Stadt spricht mittlerweile von Gesamtkosten in Höhe von 6 Millionen Euro. Den Auftrag für die letzten Bauarbeiten hatte die SEHi ausgeschrieben, die Vergabe steht nun unmittelbar bevor. Im Finanzausschuss am Mittwoch erklärte Baudezernentin Andrea Döring, dass es nach monatelanger Pause auf der Baustelle am 2. September weitergehen soll – und äußerte sich dort auch zur aktuellen Einschätzung der Gesamtkosten.

Bettels: „Ich bin ein bisschen schockiert“

Über die neue Kostenaufstellung brüskierte sich vor allem CDU-Ratsherr Dirk Bettels. „Ich bin ein bisschen schockiert“, sagte der angesichts der neuen Zahlen. Denn zu den im Mai bekanntgegebenen 3,3 Millionen sind in den vergangenen Wochen gut anderthalb Millionen Euro hinzugekommen.

Und das, obwohl die Baustelle seit Monaten pausiert. „Das ist so unglaublich, dass ich das noch nie in meinem Leben Vergleichbares gesehen oder gehört habe“, so der Ratsherr. „Das Geld ist weg, und irgendein Wahnsinn ist hier passiert.“ Von SEHi-Bereichsleiter Michael Ködding will er es deshalb auch genau wissen: Was kostet da so viel, was ist das für ein Stundenlohn? Wie viele Werktage waren es zusammengerechnet bisher? Wie kommen etwa allein die 2,8 Millionen für das zuständige Bauunternehmen zustande?

Döring: Nicht der richtige Ort für Detailfragen

Ködding könne die Fragen zwar nachvollziehen, bei der Dammstraßen-Baustelle handele es sich aber um Ausgrabungen, „die überhaupt nicht mit Tiefbau vergleichbar sind“. Baudezernentin Döring stellt sich schließlich vor den Mann von der SEHi und verbittet sich derlei Detailfragen. „Das gehört hier nicht her, das ist Aufgabe der SEHi“, sagte sie. Wenn die Rechnung kommt, werden Stadt und SEHi diese prüfen.

Für die Kosten wird größtenteils die Stadt selbst aufkommen müssen. Allerdings gibt es von Baudezernentin Döring am Mittwochabend im Ausschuss auch eine gute Nachricht. Die Stadt hatte sich zuvor schon um Zuschüsse bemüht, nun stellt ihnen das Ministerium für Wissenschaft und Kultur 50.000 Euro in Aussicht. „Wir freuen uns über jeden Euro“, erklärt Döring.

Finanzielle Unterstützung für Dammstraßen-Kaufleute

Über den würden sich, geht es nach Ratsherr Bettels, auch die Kaufleute in der Dammstraße freuen. Er brachte deshalb den Vorschlag ein, den von der Dammstraße finanziell belasteten Betrieben finanziell unter die Arme zu greifen – mit bis zu 30.000 Euro pro Gewerbebetrieb. „Ich sehe, was sich dort tut“, mahnt Bettels. „Es ist schon ein Kahlschlag entstanden.“

Michael Kriegel (FDP) nannte Bettels Vorstoß „charmant“, gab aber zu Bedenken, dass es in der Stadt viele andere Betriebe gebe, die ebenfalls unter Baustellen leiden. „Wenn wir das einmal anfangen, gilt: Gleiches Recht für alle“, so der FDP-Ratsherr. „Wir machen da ein Fass auf, was wir uns in der jetzigen Finanzlage nicht leisten können.“

Brinkop: „Unausgegorene Idee“

Auch Michael Brinkop (SPD) sprach von einem Fass ohne Boden, vor allem angesichts der Tatsache, dass in den nächsten Jahren weitere Baustellen dazukommen werden. Außerdem bräuchte es dann auch eine Instanz zur Verteilung der Fördermittel, weil nicht alle im selben Maße von der Baustelle betroffen wären.

„Wir unterhalten uns das ganze Jahr darüber, den Haushalt glattzuziehen – und dann kommen Sie mit so einer unausgegorenen Idee“, wandte er sich an Bettels. Der Vorschlag wurde schließlich einstimmig abgelehnt.

Zeitplan für Baustelle auch witterungsabhängig

Bis zur Freigabe der Dammstraße müssen sich die Gewerbetreibenden und alle anderen, die darauf warten, noch gedulden. Die Arbeiten sollen sechs bis acht Monate dauern – Döring schob im Ausschuss aber direkt hinterher, dass es auch länger dauern kann. „Wir fangen jetzt im Sommer an, aber wir dürfen uns da nichts vormachen: Es ist eine Winterbaustelle“, so die Baudezernentin.

Die Witterungsbedingungen könnten also durchaus eine größere Rolle spielen. Aber nicht nur die. Denn auch der Baugrund, die Kampfmittelsondierung und weitere archäologische Funde könnten die Dauer der Baustelle verzögern. Genau diese Punkte kann Ausschussvorsitzender Frank Wodsack (CDU) allerdings nicht nachvollziehen. „Wenn der Baugrund bis jetzt nicht klar ist, ist da irgendwas an der Baustelle vorbeigelaufen“, sagte er im Ausschuss. „Wenn bis heute keine Kampfmitteluntersuchung gemacht wurde, wundert mich das auch. Und wenn jetzt noch Archäologie gebraucht wird, dann frage ich mich was vorher gemacht wurde.“

Bei 6 Millionen wird es wahrscheinlich nicht bleiben

Florian Kunth von der Stadtverwaltung erklärte hingegen, dass im Baugrund durchaus Überraschungen lauern könnten. Das Risiko, dass sich die Baustelle dadurch verzögert, sei klein, aber müsse erwähnt werden. Ähnliches gilt für die anderen beiden Punkte. „Das, was wir kennen, ist selbstverständlich sondiert“, sagte er in Bezug auf Kampfmittel. Aber es gebe eben Stellen, die bislang unerkundet geblieben sind, eine Kampfmittelbegleitung sei unabdingbar.

Und von weiteren archäologischen Funden gehe die Verwaltung zwar nicht aus, auch da bestehe aber ein Restrisiko für den Zeitplan der Baumaßnahme. „Das alles bezieht sich auf Stellen, an denen wir bisher nicht waren“, so Kunth. Die Kosten für die Begleitung der Arbeiten durch die Archäologen und Kampfmittelexperten sind in den vom Döring genannten sechs Millionen Euro noch nicht enthalten.

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