Hildesheim - Es war ein Termin außer der Reihe: Am Montagabend traf sich der Ortsrat Moritzberg/Bockfeld, um über die möglichen Auswirkungen einer langwierigen Sperrung der Dammstraße für die Anwohnerinnen und Anwohner zu sprechen. Dabei der Tenor des Ortsbürgermeisters Erhard Paasch (SPD): „Die Anwohnerinnen und Anwohner der Stadtteile im Westen Hildesheims sind derzeit von der Innenstadt abgeschnitten.“ Das erschwere insbesondere den Berufsverkehr. 20 000 Menschen in Moritzberg, Bockfeld, Godehardikamp, Waldquelle, Steinberg und Neuhof müssten wieder einen direkten Zugang zur Innenstadt bekommen. „Dazu rechne ich auch die Einwohner im Bereich Große Venedig“, so Paasch.
Es müsse eine andere Lösung geben als eine jahrelange Sperrung der Dammstraße, die neben der Kaiserstraße beziehungsweise der B 1 vom Moritzberg aus die wichtigste Verbindung in die Innenstadt sei. Er sei zwar unbedingt dafür, das historische Erbe zu erhalten – doch von den Varianten, die die Stadt Hildesheim dazu entwickelt hat, komme für ihn lediglich eine in Frage: nämlich die mit zwei Millionen Euro günstigste. Dabei würden die Hohlräume verfüllt, die durch die Brücke entstehen, und die Straße schnell wieder hergestellt. „Allerdings würde ich das geplante Vorgehen so modifizieren, dass die Brücke gut gesichert wird und erhalten bleibt, um sie später restaurieren oder abtragen zu können.“
Eine Einbahnstraße samt Busverkehr wäre praktikabel
Hans-Uwe Bringmann (Die Unabhängigen) will zwar auch eine schnelle Lösung, allerdings sähe er auch die Einrichtung einer Einbahnstraße als praktikabel an. Wie Paasch geht es ihm um eine Wiederherstellung der Achse Weststadt-Innenstadt, doch nicht nur aus Sicht der Anwohner. „Die Sperrung der Dammstraße wirkt sich auf die Frequenz der Besucher in der City aus“, sagt er, und das sei verheerend. Die Busse müssten wieder fahren, insbesondere die Linie 6, dafür biete die Kardinal-Bertram-Straße mit ihrem Doppel-Abbieger gute Voraussetzungen. Wie eine Lösung genau aussehen könnte, sei eine heikle Entscheidung, doch genau diese Entscheidung müsse zügig fallen, so Bringmann: „Es ist nicht die Zeit für endlose Diskussionen, es ist Zeit zu handeln.“
Ursula Oehlschläger (Die Grünen), stellvertretende Ortsbürgermeisterin, spricht sich dafür aus, die Situation zu nutzen: für eine Verkehrswende. „Wir brauchen eine Lösung, die dem historischen Erbe einerseits gerecht wird und gleichzeitig klimafreundlich ist.“ So könnte die Brücke Radfahrern und Fußgängern zur Verfügung stehen, eine Verbindung für den öffentlichen Verkehr dauerhaft über die Kardinal-Bertram-Straße eingerichtet werden – und für Autofahrer bliebe dann eben ein Umweg etwa über die B1 und die Kaiserstraße bestehen. Das sei doch nichts, mit dem man nicht leben könne, so Oehlschläger. „Das geht doch Menschen in anderen Stadtteilen genauso. Die Ochtersumer haben sich auch nicht über die Sperrung der Goschenstraße beschwert, das ist dann eben so.“
Wer nicht Auto fahren muss, beurteilt die Lage anders
Für Paasch eine Debatte, die sich am Moritzberg in derselben Vielfältigkeit abbildet wie insgesamt in der Stadt. Er sieht die Tendenz, dass vor allem jene für die komplette Sichtbarmachung der Brücke bis hin zu einer autofreien Lösung argumentierten, die von der Sperrung der Dammstraße nicht unmittelbar betroffen seien. „Doch viele, die im Alltag auch mit dem Auto mobil sein müssen und mit all den Unwägbarkeiten konfrontiert werden, sehen das komplett anders.“ Viele wollen eine Öffnung der Straße bei gleichzeitiger Sicherung des Brückenfundes – und das alles möglichst sofort.
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