Erreichbarkeit der Geschäfte

Innenstadt-Händler: Was Modehaus-Chef Kreßmann am Umgang mit der Dammstraßen-Brücke stört

Hildesheim - Die Stadt Hildesheim hat dem Rat vorgeschlagen, wie es mit der Brücke unter der Dammstraße weitergehen soll. Was sagen Geschäftsleute, die von der Sperrung betroffen sind?

Modehaus-Chef Axel Kreßmann wünscht sich schnellere Entscheidungsprozesse beim Umgang mit der 850 Jahre alten Brücke, die unter der Dammstraße in Hildesheim verläuft. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Einfach zuschütten, um 20.000 Autofahrer glücklich zu machen, so wie es AfD-Ratsherr Michael Körber jüngst angeregt hat? „Das geht gar nicht“, findet Axel Kreßmann: Wer so mit der historischen Brücke unter der Dammstraße umgehen wolle, punkte vielleicht bei den Gästen in einer Kneipe, findet der Textilhaus-Chef. Doch für eine kulturbewusste Stadt mit zwei Welterbestätten dürfe eine solche Lösung nicht in Frage kommen. Zumal das 850 Jahre alte Bauwerk, wenn es denn für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde, gewiss zusätzliche Touristen nach Hildesheim bringe.

Kreßmann: Verfahren dauert zu lang

Gleichwohl: So richtig glücklich ist Kreßmann nicht mit dem Kurs der Stadtverwaltung. Dass diese den Rat am 20. Februar zunächst eine Bürgerbeteiligung und Podiumsdiskussion beschließen lassen will, dann erst für Mai oder Juni eine Grundsatzbeschluss anstrebt, dem eine einjährige Untersuchung folgen könnte – das findet der Modehausbetreiber falsch. „Das dauert mir alles viel zu lange!“

Denn die Sperrung der Dammstraße schränke die Erreichbarkeit der Innenstadt stark ein, betont der Modehaus-Betreiber, der sein Geschäft gerade umbaut. Das merke nicht nur er, sondern die gesamte Händlerschaft im Zentrum, ist Kreßmann mit Blick auf den Frequenzzähler in der Fußgängerzone sicher: „Wir sind in Hildesheim – anders als vergleichbaren Städte – noch nicht wieder da, wo wir vor Corona waren.“ Was für Kreßmann im Zusammenhang mit den zahlreichen Arbeiten im und rund um das Zentrum in den vergangen Monaten steht. „Wenn die Dammstraße die einzige Baustelle wäre, ließe sich das vielleicht noch verschmerzen“, sagt Kreßmann. Aber es gebe eben zahlreiche andere Engpässe, zum Beispiel in der Neustadt. Auch bei der Frage, ob die Stadt für eine Sicherung und spätere Präsentation der historische Brücke Fördermittel erhalten kann, wünscht sich der 60-Jährige mehr Tempo vom Rathaus: „Da muss man mal jemanden zwölf Stunden im Stück ransetzen und nicht sagen, ach, das machen wir mal.“

Antrag der CDU-Fraktion

Skeptisch reagiert der Kaufmann, der für die Unabhängigen im Ortsrat Stadtmitte/Neustadt sitzt, auf einen Antrag der CDU-Fraktion in dem Gremium, der dort am Mittwoch auf der Tagesordnung steht: Die Christdemokraten machen sich darin dafür stark, die Dammstraße in Richtung Alfelder Straße zu öffnen. Grundsätzlich kann Kreßmann dem Gedanken, wieder Verkehr zulassen zu wollen, etwas abgewinnen. „Aber das geht nur, wenn das die archäologischen Untersuchungen nicht beeinträchtigt.“ Und das sei sicher nicht ohne Weiteres zu gewährleisten.


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Gastwirt Filippo Errante sorgt sich um Nachbarn in der Dammstraße

Auch Filippo Errante wünscht sich eine schnelle Lösung – und vor allem eine, bei der der Verkehr schnell wieder fließt und die Dammstraße auf Dauer geöffnet bleibt. Sein Restaurant habe zwar keine Probleme, sagt der Gastwirt (Da Filippo): „Bei mir läuft es.“ Doch vor allem für die Bewohner des Moritzbergs und des Bockfelds bringe die Situation große Schwierigkeiten mit sich. Und auch viele seiner Geschäftsnachbarn in der Dammstraße litten unter deren Sperrung.

„Insel“-Betreiber fehlen die Nachmittags-Kaffee-Gäste

Zu denen gehört „Die Insel“. Zwar funktionierten das Mittag- und das Abendgeschäft „erstaunlich gut“, sagt Marcel Neubauer, der das Restaurant zusammen mit Stefanie Bienert betreibt. Doch weil die Busse nicht durch die Dammstraße führen, kämen nachmittags deutlich weniger Kaffeegäste: „Wenn das so bleibt, müssen wir unsere Öffnungszeiten für Kaffee und Kuchen überdenken“, sagt Neubauer. Von einer dauerhaften Schließung hält er gar nichts, der Verkehr müsse schnell wieder fließen. Die Archäologen sollten die Brücke dokumentieren, die Stadt dann Teile davon in der Nähe ausstellen. Ja, das könne vielleicht neue Touristen bringen, meint der 30-Jährige: „Aber dann muss es auch fußläufig Parkplätze geben.“

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