Historische Brücke

Umgang mit der Hildesheimer Dammstraße: Warum ein bekannter Ingenieur der Stadt widerspricht

Hildesheim - Hildesheim sucht nach dem richtigen Umgang mit der historischen Brücke unter der Dammstraße: Ein Ingenieur ergänzt die Vorschläge der Stadt um eine weitere Variante und widerspricht Baudezernentin Andrea Döring.

Lina Oppermann (hinten) und Gregor Brose von der Grabungsfirma Archaeofirm vermessen die 850 Jahre alte Brücke unter der Dammstraße. Die Arbeiten gehen derzeit mühsam voran, weil in der Baugrube immer wieder Wasser (rechts zu sehen) steht. Die Brücke ist etwa 40 Meter lang, bislang ist erst die Hälfte des Bauwerks freigelegt und dokumentiert. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Wie soll es mit der historischen Brücke unter der Dammstraße weitergehen? Vor kurzem hat Baudezernentin Andrea Döring dem Rat verschiedene Wege aufgezeigt: Soll die Stadt sich die Zeit nehmen, um verschiedene Varianten auszuloten, das 850 Jahre alte Bauwerk zu erhalten und dann zugänglich zu machen? Oder soll das Rathaus – so bald die Archäologen die Brücke dokumentiert haben – die Bagger anrücken und sie zuschütten lassen? Dann würde zwar der Verkehr bald wieder durch die Dammstraße fließen. Doch das Bauwerk wäre zerstört; das hat Döring mehrfach betont.

Dezernentin Andrea Döring liegt falsch, meint Ingenieur Jürgen Götz

Damit liege die Dezernentin aber falsch, ist Jürgen Götz sicher: „Man kann die Brücke zumachen, ohne sie zu beschädigen.“ Der 82-Jährige Architekt und Ingenieur hat jahrzehntelang mit einem Partner zusammen ein Fachbüro in Hildesheim betrieben. Götz hat der Michaelis-Kirche zur Standfestigkeit verholfen, den Aufstieg zum Andreas-Turm entwickelt, der Lamberti-Kirche ihren Turm aufgesetzt – an Fürsorge für historische Bauwerke mangelt es ihm also eher nicht. Auch die Dammstraßen-Brücke liege ihm am Herzen, versichert er: „Natürlich ist sie wichtig.“



Doch die Stadt habe jetzt einfach nicht genug Geld, um das Bauwerk so freizulegen, wie es die von Döring vorgelegten Varianten aufzeigten – womit er diese keineswegs bewerten wolle, betont Götz. Was er aber bewerten könne, sei die Möglichkeit, die Dammstraße so wieder herzustellen, dass sie den Verkehr aushalte, ohne dass die Brücke darunter Schaden nehme – über den hinaus, den sie bereits erlitten habe: Durch die Wasserleitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf ihr verlegt wurde. Und durch den neuen Kanal, den die Stadtentwässerung (SEHI) gebaut hat und bei dem die Brücke im Mai 2022 überhaupt erst entdeckt wurde. Wobei der SEHI kein Vorwurf zu machen sei, findet Götz: „Die Stadt hätte sie auf die Brücke hinweisen müssen – denn diese war ihr bekannt.“

Hätte das Rathaus die Stadtentwässerung warnen müssen?

Doch dieser „Riesenfehler“ sei nun nicht mehr zu korrigieren. Umso wichtiger findet es Götz, das Bauwerk unversehrt im Boden zu belassen: „In 50 oder 100 Jahren gibt es gewiss andere technische und finanzielle Möglichkeiten, damit umzugehen.“ Dazu müsse die Brücke nach Abschluss der archäologischen Dokumentation mit einer Art Kies bedeckt werden, auf keinen Fall aber dürfe die Stadt die Hohlräume unter den Bögen verfüllen – das könne die Druckverhältnisse und die Statik verändern. Das gelte auch für die Idee, die Sichtsteine auszubauen, um sie in der Nähe auszustellen. „Außerdem hat davon kein Mensch etwas.“

Götz stellt Termin für Ratssitzung in Frage: „Könnte eng werden“

Rathaussprecher Helge Miethe erklärte auf Anfrage der HAZ, die Verwaltung werde den Vorschlag von Götz noch einmal vertiefend prüfen und dazu eine externe Meinung einholen. Das Resultat soll zur Ratssitzung am 20. Februar vorliegen. Götz hat daran seine Zweifel: Es gebe zwar passende Fachbüros in der Region, diese müssten aber auch freie Kapazitäten haben – und das könnte bis zur Sitzung eng werden. Die richtige Reihenfolge könne doch nur diese sein: „Erst muss das Fachliche geklärt werden – und dann sind die Politiker dran.“


  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.