Roemer- und Pelizaeus-Museum

Mutmaßlicher Kunsthandel-Skandal: Warum lagerte fraglicher Händler so viele Objekte im Hildesheimer RPM?

Hildesheim - Die Ermittlungen um offensichtlich kriminelle Machenschaften beim Handel mit altägyptischen Kostbarkeiten gehen weiter. Der Inhalt der Kisten mit antiken Kostbarkeiten gehörte nachweislich nicht dem Roemer- und Pelizaeus-Museum. Warum wurden sie seinerzeit in Hildesheim aufbewahrt?

Ägyptische Unikate aus der Antike: Blick in eine Ausstellung des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim aus dem Jahr 2006: „Die Entstehung der Welt. Ägyptens letzter Schöpfungsmythos“. Foto: Werner Kaiser (Archiv)

Hildesheim - Bei den Ermittlungen um offensichtlich kriminelle Machenschaften beim Handel mit altägyptischen Kostbarkeiten richtet sich der Blick auch nach Hildesheim. Dabei konzentrieren sich die Justizbehörden in Deutschland, Frankreich und den USA vor allem auch auf einen Hamburger Kunsthändler, der seit Anfang der 1990er Jahre enge Kontakte zum Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum pflegte. Genauer gesagt, zu dem damaligen Leitenden Direktor Prof. Arne Eggebrecht. Der Deutschlandfunk und Die Zeit sprechen nach ihren Recherchen in diesem Zusammenhang von einer sogenannten Hamburg-Hildesheim-Connection, die offensichtlich eine wichtige Rolle gespielt hat.

Eine Win-win-Situation?

Im Fokus steht jetzt die Frage: Wie eng waren die Verbindungen zwischen dem früheren Museumschef (bis 2000) und jenem Hamburger Kunsthändler. Warum lagerte er seinerzeit mehrere Kisten mit antiken Kostbarkeiten im Roemer- und Pelizaeus-Museum ein? Ist das möglicherweise eine Win-win-Situation gewesen: Die Verbindung zu angesehenen Ägyptologen wie Eggebrecht aus Hildesheim könnte dem Händler geholfen haben, illegal importierte Kostbarkeiten nachträglich veredeln zu können. Der Museumsdirektor hingegen habe dafür mit seltenen Kunstobjekten in seinem Haus aufmerksam machen können, so eine mögliche Vermutung.

Erbitterter Streit um Fälschungen

Schon im Jahr 2000, nach dem Wechsel in der RPM-Leitung, war die Existenz von mehreren Kisten im Museum aufgefallen, die eben nicht dem Haus gehörten, sondern Eigentum des Hamburger Kunsthändlers waren. Nach einem erbitterten Streit um mögliche Fälschungen – die drei betroffenen Objekte wollte das Hildesheimer von ihm ankaufen – ließ die Nachfolgerin von Eggebrecht, Dr. Eleni Vassilika, die Kisten umgehend nach Hamburg zurückschicken.

Fünf Stunden Übergabe

Etwa 100 altägyptische Leihgaben, die in den hauseigenen Magazinen lagerten, wurden seinerzeit abtransportiert, so berichtete die HAZ im Februar 2001. Mehr als fünf Stunden habe die Übergabe gedauert, so Dr. Bettina Schmitz, seinerzeit Ägyptologin am Roemer- und Pelizaeus-Museum. Genau nach Liste wurde jedes Stück ausgepackt, kontrolliert und wieder eingepackt – in rund 40 Pakete für den Transport per Kunstspediteur. Alles wurde in Anwesenheit des Kunsthändlers, seines Rechtsanwalts Klaus Weiß, des städtischen Justiziars Endrik Bischoff sowie der Museums-Restauratorin Gabriele Esmann protokolliert und teilweise fotografiert.

Abgeplatzter Ohrring

Drei Objekte wurden damals bemängelt: Bei einer Figur sei ein Ohrring abgeplatzt, eine Bronzeschale habe ein Loch und ein antiker Stein sei an einer Ecke beschädigt. Anhand von Übergabeprotokollen und Ausstellungsfotos sollte verglichen werden, ob die Schäden in die Hildesheimer Zeit datiert werden oder schon vorher erkennbar waren. Mindestens ein Exponat, wahrscheinlich eine Sargplatte, fehle auch in den Beständen, bemängelte damals der Rechtsanwalt.

„Kompensationsgeschäft“

Noch ein weiterer Punkt blieb damals offen: Der Kunsthändler hatte viele Objekte dem Museum für Tourneen zur Verfügung gestellt – neben Spanien, Taiwan und Wien vor allem für die vierjährige USA-Tour „Splendors Of Ancient Egypt“. Als Gegenleistung – die Stadt als Leihgeberin hatte beispielsweise mit der Wanderausstellung durch acht amerikanische Museen mehrere Millionen Mark eingenommen – sollte das Museum verschiedene Exponate von dem Kunsthändler erwerben. Sein Rechtsanwalt bestätigte damals das sogenannte „Kompensationsgeschäft“. Über die Höhe der Werte wollte er aber keine Auskunft geben. 

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