Hildesheim - Der Verkehrsclub (VCD) ist nach eigenen Worten bestürzt darüber, dass es keinen Bahnübergang von der Goethestraße zum Ostend für Fuß- und Radverkehr geben wird. Der Verein appelliert an alle Verantwortlichen in der Stadt, als „einzig mögliche Alternative“ nun zügig eine Fuß- und Rad-Unterführung an der vorgesehenen Stelle zu beschließen und zu bauen. Außerdem hält der VCD eine politische Aufarbeitung „dieses städtebaulichen Desasters“ für notwendig, heißt es in einer Pressemitteilung von Vorstandsmitglied Doris Schupp.
Wie berichtet, hat die DB Netz AG jüngst gegenüber der Stadt erklärt, das Vorhaben aus grundsätzlichen Erwägungen nicht mehr zu unterstützen. Die Tochterfirma der Bahn ist dafür zuständig, den Übergang zu beantragen, dessen Planung ist von der Stadt einem Fachbüro übertragen worden. Genehmigungsbehörde ist das Eisenbahnbundesamt (EBA). Dieses hat bereits mehrere Anträge für die Passage abgelehnt. Die DB Netz AG hat nun gegenüber der Stadt verkündet, keine neuen Übergänge mehr zu wollen, sondern statt dessen bestehende am liebsten aufzugeben.
Für den VCD ist das Scheitern der Pläne „nach zehn Jahren falscher Versprechungen (...) ein echtes Desaster“ für alle, die im Ostend wohnten und arbeiten und die von der Innenstadt und Oststadt umweltfreundlich in das Baugebiet oder zum Klinikum wollten. Die Verbindungen über die Frankenstraße oder die Goslarsche Landstraße seien für Fußgänger und Radfahrer viel weiter entfernt, weniger sicher und weniger attraktiv. Das Aus für den Übergang bedeute einen herben Rückschlag im Hinblick auf die Verkehrswende, eine klimaneutrale Stadt und viele andere politische Ziele der Stadt.
VCD sieht im Aus für Bahnübergang in Hildesheim „stadtplanerische Katastrophe“
Der VCD spricht von einer „stadtplanerischen Katastrophe“, er will diese politisch aufgearbeitet sehen. Es gebe darum zu klären, wer die Verantwortung für den Schaden trage und um die Glaubwürdigkeit der Stadt- und Verkehrsplanung.
Stadtbaurätin Andrea Döring sei dafür zu danken, dass nun Klarheit bestehe, meint VCD-Vorstandsmitglied Schupp. Diese Klarheit hätte allerdings schon ganz am Anfang der Planungen für das Ostend geschaffen werden müssen.
So will Schupp wissen, ob das das Eisenbahnbundesamt damals tatsächlich falsche Hoffnungen geschürt hat: „Welche Zusagen gab es 2013, in welcher Form?“ Die VCD-Vertreterin fragt zudem nach der Stellungnahme der Bahn im Bebauungsplanverfahren im Jahr 2017.
Schupps Verdacht: Bessere Vermarktungschancen durch Bahnübergang-Versprechen?
Schupp fragt außerdem, ob die damals und zwischenzeitlich Verantwortlichen bei der Stadt grob fahrlässig gehandelt hätten, „als sie ohne gesicherte Erkenntnisse über die Genehmigungsfähigkeit zehn Jahre lang einen Bahnübergang aufs Geratewohl versprochen haben. Oder war das Versprechen sogar Vorsatz, um größere Akzeptanz für den Bebauungsplanbeschluss zu bekommen und die Grundstücke besser (und teurer) vermarkten zu können?“
Nun könne die Stadt froh sein, wenn betroffene Wohnungs- oder Geschäftseigentümer nicht klagten, meint die VCD-Vertreterin. Die von der Bahn ins Gespräch gebrachte Straßenunterführung der Frankenstraße ist aus Schupps Sicht kein attraktives Angebot für den Fuß- und Radverkehr. Sie würde vor allem dazu führen, dass der Autoverkehr leichter in die Stadt hineinfahren könne.
