Studium hat Priorität

Nach Barcelona-Abenteuer kehrt der Ex-Söhrer Tim Alex dem Handball den Rücken

Hildesheim - Der ehemalige Söhrer Handballer Tim Alex hätte in Barcelona bleiben können, aber er entschied sich für einen anderen Weg.

Tim Alex ist zurück in Hildesheim. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Donnerstagvormittag, 10.30 Uhr: Tim Alex sitzt auf dem Hildesheimer Pferdemarkt direkt vor dem Café „Coffee and Beans“ und trinkt einen Cappuccino. Er lächelt entspannt, die Sonnenbrille hängt am Ausschnitt seines T-Shirts. Gerade hat der Lehramts-Student eine Klausur geschrieben. „Strukturen und Entwicklungen des deutschen Bildungssystems“, sagt Alex. „Lief ganz gut, es war viel auswendig lernen.“

Eigentlich ist das nichts Ungewöhnliches – wären da nicht die letzten zehn Monate gewesen, in denen der Handballer nicht in Hildesheim war, sondern in Spanien, genauer gesagt in Barcelona. Im Rahmen seines Studiums wollte er ein Auslandssemester machen – das tat er auch, doch eine andere Sache rückte mehr und mehr in den Fokus: der Handball.

Ein Wiedersehen in Köln

Dank der Kontakte seines Ex-Trainers Sven Lakenmacher (Sportfreunde Söhre) kam Alex bei der zweiten Mannschaft des FC Barcelona unter. Die Katalanen sind im Handball eines der besten Teams in Europa, seit 2011 Dauer-Meister in der spanischen Liga, dazu mehrfacher Champions-League-Sieger. Erst kürzlich, Anfang Juni, setzte sich der FCB erneut die europäische Handball-Krone in der Kölner Lanxess-Arena auf.

„Zwei meiner Mannschaftskollegen aus der zweiten Mannschaft waren beim Final Four in Köln dabei“, erzählt er. Zuvor waren Alex’ Ex-Kollegen sogar Vize-Meister in der spanischen 2. Liga geworden. Der FCB legt viel Wert auf Nachwuchsförderung. „Viele meine Ex-Mitspieler sind Junioren-Nationalspieler in Spanien“, ergänzt Tim Alex.

Ein neuer Lebensabschnitt

Ende Mai, kurz nach dem letzten Saisonspiel für Barcelona II, ging es zurück nach Deutschland. Freundin Louisa, die lange Zeit ebenfalls in Barcelona war, aber schon im April zurückkehrte, um ihr Master-Studium fortzusetzen, war zum letzten Spiel nochmal gekommen. Den Rückweg nutzte das Paar für einen Urlaub. „Wir waren in Südfrankreich und dann noch auf einer Familienfeier“, berichtet Alex.

Die Katalanen hätten den 27-jährigen Rückraumspieler gern gehalten. „Ja, mir lag ein Angebot für ein weiteres Jahr vor“, sagt der gebürtige Braunschweiger. Doch er traf eine Grundsatz-Entscheidung und kehrt dem Handball vorerst den Rücken. „Ich möchte mein Studium abschließen“, sagt er. „Ich hatte ein Gefühl in mir, dass ich diesen neuen Lebensabschnitt jetzt gehen möchte.“

Keine einfache Entscheidung

Eine keineswegs einfache Entscheidung. Optionen hätte er schließlich genug gehabt. „Mit der Entscheidung, nach Hildesheim zurückzukehren, ist auch der Entschluss gereift, das Studium zu priorisieren.“

Dennoch gab es auch Kontakt mit seinem Ex-Verein, den Sportfreunden Söhre. „Den gab es eigentlich das ganze Jahr über“, so Alex. Die Söhrer hätten ihn mit Kusshand begrüßt, schließlich war Alex vor seinem Barcelona-Trip ein Leistungsträger im Team. Mit ihm stieg Söhre in die 3. Liga auf. Mit dem neuen Trainer Sascha Bertow habe er telefoniert, so Alex. Umstimmen konnte dieser ihn aber nicht, auch andere Angebote schlug Alex aus.

Das Wintersemester 2024/25 soll das letzte sein, danach will er seine Masterarbeit in Angriff nehmen. Demnächst steht noch ein Referendariat an. Tim Alex studiert Lehramt auf die Fächer Sport und Geschichte für die Schulformen Haupt- und Realschule. Das soll der Alltag künftig werden.

Eine Hintertür

Eine Hintertür hält er sich offen: „Ein gänzlicher Abschied vom Handball ist es nicht.“ Aber aktuell könne und wolle er die komplette Hingabe für den Handball-Sport nicht aufbringen. „Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent und voll fokussiert.“

Für den Fall eines Comebacks auf der Platte will er sich mit Kraft- und Lauftraining fit halten. Inzwischen habe er sich auch wieder eingelebt in Deutschland, sagt er. Aber die ersten Wochen nach der Rückkehr seien gar nicht so einfach gewesen: „Ich habe über 20 Jahre Handball gespielt und in den vergangenen Jahren vieles nach dem Sport ausgerichtet. Das ist jetzt plötzlich weg.“

„Man sieht sich“

Doch er kündigt an, sportlich zumindest als Zuschauer am Ball zu bleiben: „Man sieht sich sicher mal in der Steinberghalle oder in der Volksbank-Arena.“

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