Wetterwechsel

Starkes Unwetter in der Region Hildesheim – gerade in Schellerten zum Teil schwere Schäden

Kreis Hildesheim - Ein Unwetter zog durch die Region – mit Blitz und Donner, prasselndem Regen und heftigen Böen. In Hildesheim ist ein Teil der Mastbergstraße überspült. Laut Feuerwehr wurde Schellerten massiv getroffen, in Lühnde fing ein Dachstuhl Feuer. Die ersten Informationen am Donnerstagabend.

Nach ersten Informationen sind Farmsen (im Bild) und Dinklar am stärksten von Sturmschäden betroffen. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Seit Wochen herrschte Dürre in weiten Teilen des Landkreises, die Pegelstände der Flüsse sind für die Jahreszeit eher niedrig, der erste Nachbar-Landkreis hat gerade die Wassernutzung eingeschränkt – doch am Donnerstagnachmittag hat das angekündigte Unwetter den Landkreis Hildesheim erreicht (lesen Sie hier unseren aktuellen Artikel). Blitz, Donner, heftiger Regen und starke Sturmböen herrschten in weiten Teilen der Region. In Hildesheim ist jetzt die Mastbergstraße nach Polizei-Angaben in Höhe des Tierheims überspült und vermutlich nicht passierbar. Die Polizei prüft aktuell die dortige Lage. In Lühnde hat ein Dachstuhl Feuer gefangen – der Grund soll unbestätigten Informationen zufolge ein Blitzeinschlag gewesen sein. Die Feuerwehr ist im Einsatz. Die Polizei kann dazu derzeit noch nichts Näheres berichten. Gegen 19 Uhr ebbte das Unwetter zumindest in der Stadt Hildesheim deutlich ab.

Die Gemeinde Schellerten wurde nach ersten Feuerwehr-Erkentnissen schwer getroffen. Dort laufen viele Einsätze. So etwa wurde zumindest ein Baum entwurzelt. Nach ersten Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Nähere Details zur Gesamtsituation sind noch nicht bekannt. Die Feuerwehr muss sich nach eigenen Angaben dort erst ein Bild von der Lage machen. Nach ersten Informationen sind die Ortsteile Farmsen und Dinklar am schwersten betroffen.

Vorhergesagt waren heftige Niederschläge mit großen Regenmengen in kurzer Zeit, die zu einem rapiden Anschwellen der Flüsse und sogar zu Überschwemmungen führen können.

Die Analysen des Deutschen Wetterdienstes hatten noch den Südkreis im Zentrum des Sturms vorhergesagt.

Besonders Bäche und kleine Flüsse betroffen?

Am Donnerstagvormittag hatte die Hochwasser-Vorhersagezentrale des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasser-, Küsten und Naturschutz (NLWKN), die ihren Sitz an der Scharlake im Norden Hildesheims hat, gewarnt, dass gerade Bäche und kleine Flüsse stark betroffen sein könnten.

Die Hochwasserexperten rieten, auf die Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu achten. Und der hat seine Prognose im Lauf des Tages inzwischen mehrfach aktualisiert.

„Schwere Gewitter“

Je nach Ort und Stärke der Niederschläge wurde davor gewarnt, dass ab dem späten Donnerstagabend die Flusspegelstände die sogenannte Meldestufe drei überschreiten, teilte der NLWKN unterdessen weiter mit. Es gibt vier Meldestufen. Bei der Meldestufe drei sind „Überschwemmungen größerer Flächen, einzelner Grundstücke, Straßen und Keller“ möglich.

Lokal große Unterschiede

Häufigere Wetterextreme – längere Hitze- und Dürrephasen einerseits, kurze, aber massive Starkregen-Ereignisse andererseits – sind aus Sicht der meisten Expertinnen und Experten ein Ausdruck des Klimawandels. Zugleich berichteten Landwirte in den vergangenen Jahren immer wieder, dass sich aus ihrer Sicht selbst auf engstem lokalen Raum große Unterschiede beim Wetter zeigen, also dass es von Ort zu Ort gravierende Differenzen gibt – in einem höheren Maße als früher. Auch das passt zu den Beobachtungen von Meteorologen. Zugleich macht es lokale Wettervorhersagen schwieriger – was der einzelne Nutzer öfter zu spüren kommt, wenn selbst die kurzfristigen Wetterberichte auf seinem Handy nicht immer mit der Realität in Einklang stehen. Lässt sich aber das lokale Wetter schwerer prognostizieren, gilt das trotz aller technischen Fortschritte auch für drohendes Hochwasser.

Wie heftig plötzlich auftretender massiver Regen sich auswirken kann, selbst wenn es vorher trocken war und die Flüsse niedrige Wasserstände aufwiesen, zeigte sich beim katastrophalen Hochwasser im Juli 2017. Allerdings sind aktuell nicht derartige Niederschlagsmengen wie seinerzeit vorhergesagt, auch soll es nicht so lange regnen.

Platz in der Talsperre

Ein Problem könnte allerdings werden, dass die Böden in der Region extrem ausgetrocknet und ziemlich hart sind. Dadurch können sie nicht so gut Regenwasser aufnehmen, dass in der Folge nicht versickert, sondern schnell in Richtung der Flüsse oder anderer Täler abfließt.

Sollte es auch im Harz zu schweren Niederschlägen kommen, kann die Innerste-Talsperre indes viel davon abfangen. Sie ist derzeit nur noch zu 59,1 Prozent gefüllt.

Dieser Text wird bei neuen Erkenntnissen aktualisiert.

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