Hildesheim - Die Schüsse auf das Hildesheimer Jobcenter hatten vor anderthalb Jahren für viel Aufsehen gesorgt: 53 Anschläge auf 28 Scheiben. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten wochenlang wegen Sachbeschädigung. Der Tatzeitraum: zwischen Juni und November 2024. Gibt es mittlerweile Ergebnisse, wer dahintergesteckt haben könnte? Und mit welcher Motivation?
„Wir konnten keinen Tatverdächtigen ermitteln“, antwortet Christina Wotschke, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim. Damit bleibt bislang weiter ungeklärt, wer hinter den Attacken gesteckt hat. Das Verfahren sei eingestellt, so sagt auch Ulrich Nehring, Geschäftsführer des betroffenen Jobcenters, auf Nachfrage. Das ist die Konsequenz, wenn die Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben beziehungsweise es keine weiteren Ansätze gibt, um die Straftat aufzuklären.
Betroffen waren Erdgeschoss und erste Etage
„Die Lage hat sich hier wieder deutlich beruhigt – zum Glück“, sagt Nehring als Chef von mehr als 200 Mitarbeitenden in dem großen Bürokomplex an der Kaiserstraße. Inzwischen seien nach und nach alle beschädigten Fenster im Gebäude ausgetauscht worden. Betroffen von den Attacken waren vor allem das Erdgeschoss und die erste Etage des fünfstöckigen Bürokomplexes.
Verletzt wurde seinerzeit niemand. „Die Schüsse sind ja immer nachts abgegeben worden, also wenn hier niemand im Haus war“, betont der Jobcenter-Chef. Bei den Attacken sind jeweils die Scheiben beschädigt, aber nie durchschossen worden. Dennoch herrschte bei den Mitarbeitenden, gerade aus den betroffenen Büros, die Furcht, dennoch getroffen werden zu können. Die Polizei sprach von „unbekannten Projektilen“, die abgeschossen wurden. Ausschließen konnte sie, dass da jemand mit einer scharfen, erlaubnispflichtigen Feuerwaffe auf die Scheiben zielte.
Wie hoch der entstandene Schaden ist, das kann Geschäftsführer Nehring nicht genau beziffern. „Das ist letztlich Sache des Vermieters.“ Er geht davon aus, dass sich das Unternehmen HanseMerkur, selbst in der Versicherungsbranche tätig, damit am besten auskenne und sich um die Regulierung des Schadens kümmert. „Damit habe ich dann nichts mehr zu tun.“
Unklar ist bislang, ob die Schüsse auf das Jobcenter in eine größere Anschlagsserie eingeordnet werden müssen. „Auch andere Gebäude sind betroffen gewesen“, lässt Nehring nicht unerwähnt. Nach Angaben der Polizei sind im Zeitraum November bis Dezember 2024 weitere Vorfälle in Hildesheim gewesen. Auch dort hatte das Ermittlungsteam jedes Mal mehrere runde Beschädigungen in Fensterscheiben aufgenommen. Ziele des Schützen waren die Augustinus-Schule (Treibestraße), die Sporthalle Mitte (Pfaffenstieg), die Hildesheimer Tafel (Senkingstraße), der Bürgertreff b-west (Hachmeisterstraße) sowie das Café Sena’s Choice (Lucienförderstraße).
Null-Toleranz bei jeglicher Form von Aggression
Warum diese Häuser sowie vor allem das Jobcenter Ziel der Attacke gewesen sind, also die Motivation des Täters, bleibt weiter unklar. Fest steht für Jobcenter-Chef Nehring, dass sein Haus eben „Schmelztiegel des ganzen sozialen Bereichs“ sei – und zwar an unterster Stelle. Jeder, der vom Jobcenter kein Geld bekomme, lebe dann quasi auch von nichts. Das führe unweigerlich zu Konflikten. Aber: Im Jobcenter herrsche Null-Toleranz bei jeglicher Form von Aggression, auch den Mitarbeitenden gegenüber. „Schon nach dem ersten Schuss haben wir seinerzeit Strafanzeige gestellt“, betont der 59-jährige Leiter.
Gibt es nun strengere Sicherheitsmaßnahmen nach den Vorfällen? Das bejaht Nehring, ohne konkret auf Details eingehen zu wollen. Es betreffe die Überwachung und Kontrolle im Gebäude, den eingesetzten Sicherheitsdienst sowie auch den Parkplatz. Seit 2016 leitet er das Jobcenter in Hildesheim. Die Behörde ist zuständig für Stadt und Landkreis. Die anderen Standorte verteilen sich auf Alfeld, Gronau, Sarstedt und Bad Salzdetfurth.


