Levonen-Eklat

Doktortitel-Affäre: Levonen meldet sich krank, Polizei liegt Anzeige vor

Kreis Hildesheim - Nach den jüngsten Vorwürfen hat sich Hildesheims Landrat Olaf Levonen krank gemeldet, Stellvertreterin Evelin Wißmann hat im Kreishaus das Ruder übernommen. Die Strafverfolger prüfen, ob sie Ermittlungen aufnehmen müssen.

Landrat Olaf Levonen steht in der Kritik. Foto: Clemens Heidrich (Archiv)

Kreis Hildesheim - Nach den am Wochenende bekannt gewordenen Vorwürfen gegen Hildesheims Landrat Olaf Levonen hat seine Stellvertreterin Evelin Wißmann die Leitung der Kreisverwaltung übernommen. Das geht aus einer internen Mail der Ersten Kreisrätin Wißmann an alle Mitarbeiter hervor, die der HAZ vorliegt.

Staatsanwaltschaft prüft Anzeige gegen Levonen

Zudem sind in der Doktortitel-Affäre des Landrats inzwischen auch die Strafverfolgungsbehörden involviert. „Uns liegt in diesem Zusammenhang seit Montag eine Anzeige vor“, bestätigt Polizeisprecher Jan Makowski gegenüber der HAZ. Diese werde nun an die Staatsanwaltschaft übergeben. Deren Aufgabe: Prüfen, ob es gegen Olaf Levonen einen Anfangsverdacht des Missbrauchs von Titeln gibt, der anschließende Ermittlungen rechtfertigen würde. Die Anzeige bezieht sich auf den Paragrafen 132a des Strafgesetzbuchs, nach dem mit Geld- oder Gefängnisstrafe zu rechnen hat, wer „unbefugt inländische oder ausländische Amts- oder Dienstbezeichnungen, akademische Grade, Titel oder öffentliche Würden führt“.



Im Kreishaus geht es unterdessen darum, die Verwaltungsarbeit organisieren. Evelin Wißmanns Mail mit dem Betreff „Aktuelle Situation“ landete am Montag um 9.45 Uhr in den Postfächern der Landkreis-Mitarbeiter. „Ich möchte Sie darüber in Kenntnis setzen, dass der Landrat derzeit erkrankt ist“, heißt es in dem Schreiben Wißmanns: „Es ist ihm aktuell auch nicht möglich, die Verwaltung aus dem Homeoffice zu leiten.“

Landkreis will aufklären

Sie werde „vor diesem Hintergrund“ die Verwaltungsleitung übernehmen. Die Mitarbeiter sollten sich, falls erforderlich, mit ihr abstimmen. Bei der Berichterstattung vom Wochenende handele es sich um „persönliche Belange des Landrats“, schreibt Wißmann an die Beschäftigten. Die Erste Kreisrätin betont aber auch, soweit Belange des Landkreises betroffen sein könnten, werde dies aufgeklärt. SPD-Kreistagsfraktionschef Klaus Bruer hatte am Wochenende Aufklärung darüber gefordert, welchen Zusammenhang es zwischen einem Auftrag des Landkreises an die Braunschweiger Firma Opti-So und Levonens Tätigkeit als Dozent der Fernuni Pegaso auf Malta gebe.



„Die nächsten Tage und Wochen werden vielleicht für den Landkreis etwas unruhig“, heißt es in Wißmanns interner Mitteilung weiter. Gleichwohl müssen sich laut Wißmann alle „auf unsere Arbeit konzentrieren und den Dampfer ‚Landkreis‘ im Interesse unserer Bürger auf Kurs halten“. Wißmann selbst will bei der Kommunalwahl im September für die CDU als Nachfolgerin von Levonen kandidieren, der nicht mehr antritt.

Wie lange fällt Levonen aus?

Wie lange Landrat Levonen krank geschrieben ist sowie ob und wann er sich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen erklären wird, ist unklar. „Die Dauer und der Grund der Erkrankung von Landrat Levonen sind der Kreisverwaltung nicht bekannt“, teilte Kreissprecherin Birgit Wilken auf HAZ-Anfrage mit. Weiterhin unklar ist auch, wann der Landrat sich zu den Vorwürfen gegen ihn äußern wird. Man habe darüber keine Kenntnis, sagte Kreissprecherin Wilken.

Von Sebastian Knoppik und Jan Fuhrhop

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