Welfenschloss bei Nordstemmen

Neuer Stiftungsvorstand: Doch noch Hoffnung für Schloss Marienburg?

Nordstemmen - Die Stiftung Schloss Marienburg hat einen neuen Vorstand. Hinter den Kulissen wird verhandelt: Womöglich lässt sich eine jahrelange Schließung der kompletten Burg bei Nordstemmen doch noch verhindern.

Das Schloss Marienburg bei Nordstemmen steht vor überfluteten Feldern am Fluss Leine. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Nordstemmen - Bislang schien es unabwendbar zu sein: Die Marienburg sollte zum Jahreswechsel ihre Pforten für mehrere Jahre komplett schließen. Jetzt jedoch könnte Bewegung in die festgefahrenen Konflikte um das Welfenschloss kommen.

Die Stiftung Schloss Marienburg als dessen Eigentümerin hat seit Kurzem einen neuen Stiftungsvorstand. Wie das Kulturministerium bestätigt, hat die Stiftungsaufsicht den hannoverschen Juristen Ulrich von Jeinsen mit dem Posten betraut. „Die Wahl eines Rechtsanwalts liegt für diese Funktion nahe“, sagt ein Ministeriumssprecher. Außerdem verfüge der 71-Jährige, der auch Lehrbeauftragter an der Leibniz-Uni und Honorarkonsul von Mexiko ist, über umfangreiche Erfahrung in der Verwaltung von Stiftungen.

Zu Plänen für die Marienburg wollte sich Ulrich von Jeinsen noch nicht äußern: „Ich möchte mich in diese komplexe Materie erst einarbeiten“, sagt er. Auch der Pächter der Marienburg, Nicolaus von Schöning, hält sich bedeckt. Hinter den Kulissen soll es jedoch intensive Gespräche über die Zukunft des Schlosses geben.

„Wir haben wieder Hoffnung“

„Wir haben wieder Hoffnung, dass sich eine komplette Schließung für viele Jahre doch noch verhindern lässt“, sagt jemand aus dem Umfeld der Beteiligten.

In den vergangenen Monaten hatte es massive Querelen um die Burg gegeben. Auf behördliches Betreiben waren die Innenräume für Besucher gesperrt worden. Es heißt, die Standsicherheit der Gebäude sei teils nicht mehr gewährleistet.

Pächter von Schöning hatte darauf mehr als 70 Beschäftigte zum Jahresende entlassen. Er verweist darauf, dass sich das Schloss allein mit Außenbereichen und Gastronomie nicht kostendeckend betreiben lasse. Stiftung und Pächter konnten sich bislang nicht auf einen modifizierten Pachtvertrag einigen – zumal das Verhältnis als angespannt gilt.

Möglicherweise gelingt es dem neuen Stiftungsvorstand Ulrich von Jeinsen nun, einen neuen Pachtvertrag mit Nicolaus von Schöning auszuhandeln. Der Stiftung würde dies Pachteinnahmen sichern, die ansonsten während der anstehenden Großsanierung des Schlosses über Jahre ausfallen würden. Und der Pächter könnte bei günstigeren Konditionen dafür sorgen, dass wenigstens Außenbereiche und Restaurant weiterhin zugänglich bleiben.

„Schließung ist willkürlich“

Viele der entlassenen Beschäftigten bezweifeln, dass die Sperrung der Innenräume wirklich unvermeidlich war. Sie monieren, dass die baufachliche Stellungnahme, die dafür letztlich den Ausschlag gab, bislang nicht veröffentlicht wurde: „Wir fragen uns, was in dem Dokument steht, dessen Einsicht man uns verweigert“, sagt Schlossführerin Carmen Holst-Hillmer.

Auch das hannoversche Ingenieurbüro Krause und Anastasiou, das nicht den Zuschlag für die Generalplanung der Sanierung bekommen hatte, bezweifelt, dass die Sperrung angemessen ist: „Wir sind der Meinung, dass die Schließung des Schlosses eine willkürliche Entscheidung darstellt, die fachlich nicht fundiert und vollkommen unangemessen für den Zustand des Gebäudes ist“, erklärt Inhaber Constantin Anastasiou.

Kommt es zu keiner Einigung, wird das aktuelle „Wintermärchen“-Event für Jahre die letzte öffentliche Großveranstaltung auf der Burg sein. Das Spektakel, bei dem das Schloss farbenprächtig illuminiert wird, sei „ein voller Erfolg“, sagt Pächter von Schöning. Zwar zeichne sich ab, dass wegen der kürzeren Adventszeit weniger Gäste kämen als im vergangenen Jahr. „Aber alle, die es erleben, sind begeistert.“

Das Wintermärchen ist bis zum 30. Dezember auf Schloss Marienburg zu sehen. Tickets gibt es online unter shop.schloss-marienburg.de.

von Simon Benne

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