Historisches Bauwerk wird umfangreich saniert

Schloss Marienburg: Laut einem Ingenieurbüro aus Hannover ist die Schließung unnötig

Nordstemmen/Hannover - Ein Ingenieurbüro aus Hannover bezweifelt, dass das Schloss Marienburg wirklich einsturzgefährdet ist. Die geplante Schließung der Burg für mehrere Jahre sei unnötig, erklären die Ingenieure.

Zu viele Schäden am Gebäude: Schloss Marienburg schließt voraussichtlich am Jahresende seine Pforten komplett. Foto: Rainer Droese

Nordstemmen/Hannover - Schloss Marienburg wird Ende Dezember vermutlich für mehrere Jahre komplett geschlossen. Auf behördliches Betreiben sind die Innenräume bereits seit Monaten gesperrt. Es heißt, Hausschwamm beeinträchtige die Standsicherheit von Teilen des historischen Bauwerks. Pächter Nicolaus von Schöning hat daraufhin mehr als 70 Beschäftigte zum Jahresende entlassen; er verweist drauf, dass der Betrieb der Burg alleine mit Café und Museumsshop nicht kostendeckend möglich sei.

Jetzt allerdings werden Zweifel daran laut, dass die Sperrung der Räume berechtigt ist. „Dass die komplette Schlossanlage wegen des viel zitierten Hausschwamms geschlossen werden muss, ist schlichtweg nicht richtig“, erklärt das hannoversche Ingenieurbüro Krause und Anastasiou. Dieses hatte sich nach eigenen Angaben selbst für die Planung der anstehenden Sanierungsmaßnahmen auf der Burg beworben, jedoch nicht den Zuschlag bekommen.

Das Büro habe die Burg eingehend besichtigen können, teilen die Ingenieure mit. Die Entscheidung, das Schloss zu sperren, ist ihrer Einschätzung nach nicht gerechtfertigt: „Bei unserer Ortsbegehung haben wir zu keinem Zeitpunkt den Eindruck gehabt, dass eine akute Einsturzgefahr besteht.“

Nur punktuelle Sperrungen?

Nach eigenem Bekunden war das hannoversche Büro über Jahrzehnte hinweg an Baumaßnahmen an namhaften Objekten wie der Klosterkirche Loccum und Schloss Quedlinburg beteiligt. Dabei habe es auch mit der Sanierung von Hausschwamm zu tun gehabt. „Bei keinem unserer Projekte wurden die Gebäude während der Baumaßnahmen geschlossen“, erklärt das Büro nun. Es sei vielmehr üblich, solche Objekte in mehreren Abschnitten zu sanieren und nur punktuelle Sperrungen vorzunehmen. Dass die Marienburg komplett geschlossen werden solle, zeuge von „unzureichender Fachkompetenz“: Dadurch entstehe sinnloserweise eine kostspielige Bauruine.

Erst vor zwei Wochen hatten Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs (SPD) und Regionspräsident Steffen Krach, die in der Stiftung Schloss Marienburg den Ton angeben,die Sperrung der Räume verteidigt. Angesichts der Einsturzgefahr sei es ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt, die Burgräume bis voraussichtlich 2030 zu schließen.

Den Vorwurf, dass die Schließung nicht auf einem unabhängigen Gutachten fuße und die Baufirma die Sanierung lieber in einem gesperrten Schloss als bei laufendem Betrieb durchführen wolle, wies Minister Mohrs klar zurück: „Das ist kein Gefälligkeitsgutachten“, betont er.

„Sperrung nicht nachvollziehbar“

Allerdings kritisiert auch der Pächter der Burg, Nicolaus von Schöning, die Sperrung der Schlossräume. Er verweist darauf, dass das nahe Schloss Derneburg trotz einer Sanierung vor allem an den Wochenenden weiter zugänglich geblieben sei. „Warum der komplette Südflügel der Marienburg gesperrt sein muss, ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt er.

Der Pächter und die Stiftung liegen im Clinch; zwischen ihnen herrscht seit langem Streit um die Vermarktung der Burg und um die Aufteilung von Einnahmen. Viele der entlassenen Beschäftigten werfen dem Kulturministerium vor, die Sperrung des Schlosses nur betrieben zu haben, um den unliebsamen Pächter loszuwerden – was Minister Mohrs entschieden bestreitet.

Er wünsche sich, dass die fachliche Stellungnahme, die letztlich zur Schließung der Innenräume geführt habe, noch einmal präzisiert werde, sagt Nicolaus von Schöning angesichts der Einschätzung des hannoverschen Ingenieurbüros jetzt. So ließe sich eruieren, ob und unter welchen Bedingungen der Betrieb vielleicht doch weitergehen könne: „Das könnte Arbeitsplätze retten.

Abschied mit Wintermärchen

Ehe die Marienburg geschlossen wird, steht dort an den vier Adventswochenenden noch ein besonderes Spektakel auf dem Programm: Im Dezember findet das Wintermärchen statt. Das Gebäude wird in bunten Farben illuminiert, es gibt Musikeinlagen und Leckereien in Innenhof, und neben Weihnachtsdekorationen können Besucher auch Bücher, Spielzeug oder Seifen erstehen. Das Wintermärchen geht jeweils freitags von 14 bis 20 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 20 Uhr und vom 26. bis zum 30. Dezember jeweils von 11 bis 18 Uhr über die Bühne. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 18 Euro, für Kinder 10 Euro. Tickets gibt es ausschließlich unter shop.schloss-marienburg.de.

Von Simon Benne



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