Hannover/Nordstemmen - Das Schloss Marienburg wird bis mindestens 2030 in großen Teilen nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Das haben Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) und Hannovers Regionspräsident Steffen Krach (SPD) am Freitag, 27. Oktober, in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Hannover mitgeteilt. Die Innenräume des Ost, West- und Südflügels sind bereits seit Anfang September für Gäste gesperrt, Führungen und Besichtigungen sind nicht mehr möglich – und werden es auch in den nächsten sieben Jahren nicht mehr sein.
Im zweiten Quartal 2024 soll mit der denkmalgerechten Sanierung der Burg begonnen werden, für die Land und Bund insgesamt 27,2 Millionen Euro bereitstellen und die voraussichtlich 2030 abgeschlossen sein soll. Dabei soll auch die technische Ausstattung erneuert werden. „Es geht um den dauerhaften Erhalt und die öffentliche Zugänglichkeit dieses einzigartigen Kulturdenkmals“, sagte Mohrs. Das Gebäude sei einsturzgefährdet, es gehe um die Sicherheit der Besucher und Beschäftigten, betonte Regionspräsident Krach. Man habe kein Interesse daran, das Publikum aus der Marienburg fernzuhalten. Das Schloss sei einer der wichtigsten Touristenmagneten in der Region und solle es bleiben. Die Schließung sei ein Schritt, der wehtue, aber notwendig sei.
Gutachten zu Pilzbefall kommt von Firma mit Sanierungsauftrag
Bei einer Studie, die ein Mitarbeiter des für die Generalplanung zuständigen Bauunternehmens gemacht hatte, waren schwere Schäden durch holzzerstörende Pilze, vor allem durch den sogenannten Echten Hausschwamm, in der Dachkonstruktion entdeckt worden. Den Vorwurf, dass die Schließung nicht auf einem unabhängigen Gutachten fuße und die Baufirma die Sanierung lieber in einem gesperrten Schloss statt bei laufendem Betrieb durchführe, wies der Minister entschieden zurück: „Das ist kein Gefälligkeitsgutachten.“ Der Bauunternehmer habe kein Eigeninteresse an einer Schließung gehabt.
Es gebe auch keinen grundsätzlichen Konflikt zwischen Massentauglichkeit und kulturellem Anspruch im Hinblick auf Veranstaltungen im Schloss, betonte Mohrs. Es sei nie darum gegangen, ob beliebte Events wie das „Wintermärchen“ auf der Marienburg überhaupt stattfinden sollten, sondern nur um das Wie. Historische Gegenstände hätten durch die Veranstaltungen keinen Schaden nehmen dürfen, es gelte, die konservatorischen Anforderungen zu beachten.
Dies stellen die Beschäftigten und die Pächter, Nicolaus und Tania von Schöning, allerdings anders dar. Zweimal hätten Mitarbeiter des Landes tatsächlich versucht, das „Wintermärchen“ mit aller Macht zu verhindern, im vergangenen Jahr habe es nur mithilfe von Juristen und der Drohung einer einstweiligen Verfügung doch stattfinden können, berichtete Tania von Schöning.
Stiftung hatte vier Geschäftsführer in vier Jahren
Pächter Nicolaus von Schöning weist die Kritik des Wissenschaftsministers, er habe sich Gesprächen verweigert, vehement zurück. Im Gegenteil, er habe sich immer wieder um direkte Gespräche mit dem Minister bemüht, diese seien aber nicht zustande gekommen – stattdessen habe man mit Mitarbeitern des Ministers verhandelt, die aber nicht entscheidungsbefugt gewesen seien, und mit einer führungslosen Stiftung. In den vergangenen vier Jahren hatten vier Geschäftsführer der Stiftung ihr Amt wieder aufgegeben, drei davon dem Vernehmen nach, weil sie die ständigen Querelen mit dem Wissenschaftsministerium satthatten. Davon sei ihm nichts bekannt, erklärte dagegen Wissenschaftsminister Mohrs.
Pachtvertrag nur fürs Museumscafé?
Laut Mohrs hat das Ministerium von Schöning über die Stiftung einen Pachtvertrag mit reduziertem Umfang angeboten: Die beiden Torbereiche, der Schlosshof, der Nordflügel und der Wirtschaftshof mit der Remise, wo auch die Gastronomie untergebracht ist, dürften weiter genutzt werden. Von Schöning verweist aber darauf, dass die Kunden des Cafés fast ausschließlich Museumsgäste gewesen seien, mit der Schließung der Ausstellung werde ihm seine Geschäftsgrundlage entzogen. Der Minister hatte dabei betont, dass die – vergleichsweise kleinen – Bereiche im Museum, die beheizt seien, nicht schadhaft seien und geöffnet bleiben können. Warum das Ministerium dann allerdings ein Angebot der Pächter zum Einbau einer Heizung im gesamten Schloss abgelehnt hat, erschließt sich in diesem Zusammenhang nicht. Die von Schönings hatten vorgeschlagen, auf eigene Kosten eine Heizanlage zu installieren, die das historische Gebäude nach ihren Angaben behutsam, schonend und dem kulturellen Erbe gemäß getrocknet hätte.
Inzwischen haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Marienburg eine Online-Petition gestartet, in der sie die Sanierung bei laufendem Betrieb fordern – innerhalb von nicht einmal zwei Wochen haben knapp 9000 Unterstützer diese unterschrieben.
Von Saskia Döhner
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