Störy - Der Höhenzug Harplage zwischen Bockenem und Lamspringe könnte in einigen Jahren von zahlreichen Windrädern überragt werden. Das international aktive Windkraft-Unternehmen WPD aus Bremen plant in dem Bereich südlich der Ortschaften Hary und Störy einen Windpark mit bis zu 13 Anlagen. WPD unterhält bereits zwei Windräder bei Groß und Klein Ilde.
„Neueste Generation“
Wie das Unternehmen ankündigt, will es an der Harplage „Anlagen der neuesten Generation“ einsetzen. Diese bringen es auf eine Turmhöhe von 175 Metern, ebenso so groß ist der Durchmesser der Rotoren. Insgesamt würden die Anlagen bei senkrecht stehender Rotorspitze also zwischen 250 und 300 Metern hoch werden.
Damit soll der von WPD projektierte Windpark noch einmal größer werden als der, den der Landkreis kürzlich zwischen Bockenem und Bornum genehmigt hat. Dort sollen sieben Windräder errichtet werden, die es auf 169 Meter Nabenhöhe und 162 Meter Rotor-Durchmesser bringen.
Strom für 75 000 Haushalte
Sollte das Unternehmen sein Vorhaben verwirklichen können, würde es alle bisherigen Dimensionen der Windkraft im Kreis Hildesheim sprengen. Mit den von WPD als größte mögliche Anzahl genannten 13 Riesen-Windrädern könnten pro Jahr rund 265 Millionen Kilowattstunden Strom produziert werden. Zur Einordnung: Die aktuell rund 80 Windräder unterschiedlicher Größe im Kreisgebiet lieferten in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 196 Millionen Kilowattstunden Strom.
Rechnerisch könnte der geplante Windpark also rund 75 000 Durchschnitts-Haushalte versorgen. In der Praxis funktioniert das aber nicht eins zu eins, da sowohl die Produktion als die Verbräuche unregelmäßig sind.
Bonus für Bürger?
WPD kündigte am Montag an, dass sowohl die Stadt Bockenem als auch Anwohnerinnen und Anwohner finanziell profitieren sollen, wenn es zum Bau des Windparks kommt. Den Bürgerinnen und Bürgern verspricht das Unternehmen vergünstigte Ökostrom-Tarife. Die Stadt soll die – derzeit noch freiwillige, bald wohl gesetzlich vorgeschriebene – Kommunalabgabe von 0,2 Cent pro produzierter Kilowattstunde Strom erhalten. Beim Harplage-Windpark kämen damit jährlich rund eine Million Euro zusammen. Ferner würde die Kommune laut Investor als Eigentümer infrage kommender Flächen von Pachteinnahmen profitieren. Auch weitere Beteiligungsmöglichkeiten wie ein sogenanntes Bürgerwindrad will das Bremer Unternehmen nach eigenem Bekunden zumindest diskutieren.
Die Firma kündigt an, einen Mindestabstand von einem Kilometer zu den Dörfern einzuhalten – das ist mehr als derzeit gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings stammen die betreffenden Vorschriften aus einer Zeit, als Windkraftanlagen noch nicht so hoch gebaut wurden. Gültig sind sie indes nach wie vor.
„Zusätzliche Belastung“
WPD hat bereits mit der Planung und mit den Kartierungsarbeiten begonnen, die nötig sind, um beim Landkreis einen Bauantrag einzureichen. Diesen Schritt hält die Firma im kommenden Jahr für realistisch. Wie schnell der Kreis darüber entscheidet, ist unklar. Zwar wollen Bund und Land schnellere Genehmigungs-Verfahren, doch ob das im Einzelfall vor Ort klappt, ist nicht gewiss.
Bockenems Bürgermeister Rainer Block berichtet, dass WPD und die Grundeigentümer „sehr frühzeitig“ mit ihren Plänen auf ihn zugekommen seien. Angesichts des jüngst genehmigten Windparks zwischen Bockenem und Bornum spricht er aber auch von einer „zusätzlichen Belastung für den Ambergau“. Die Stadt Bockenem hat das Problem, dass sie keine Vorschriften mehr darüber machen kann, wo im Stadtgebiet Windräder errichtet werden dürfen und wo nicht. Den entsprechenden Flächennutzungsplan hatte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg gekippt.
Info-Abend am Montag
Für kommenden Montag, 19. Juni, um 18 Uhr lädt die Firma WPD alle Interessierten zu einer Informations-Veranstaltung in die Wilhelm-Busch-Halle ein – auf Bitten von Bürgermeister Block in einem frühen Stadium der Planung, wie der Verwaltungschef betont.
