Hildesheim - Die Situation in dem von einem schweren Corona-Ausbruch betroffenen Hildesheimer Seniorenheim Lambertinum hat sich am Donnerstag noch einmal verschärft. Zehn weitere Bewohner und zwei weitere Mitarbeiter wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Damit haben sich inzwischen 74 Heimbewohner und 40 Beschäftigte angesteckt. Es ist der größte Ausbruch in einer einzelnen Einrichtung in Stadt und Landkreis Hildesheim seit Beginn der Pandemie.
„Aus Sicht der Heimaufsicht hat das Unternehmen die notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Pflege sicherzustellen“, erklärte Stadt-Pressesprecher Helge Miethe dazu auf Anfrage und kündigte an: „Die Heimaufsicht wird auch im weiteren Verlauf darauf achten, dass ausreichend Pflegefach- und -hilfskräfte eingesetzt sind.“
Das Lambertinum gehört mit 131 Pflegeplätzen zu den größten Heimen in der Region. Seit Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle in der ersten Januarwoche sind – mit Stand vom Mittwoch – sechs Bewohner an oder mit der Infektion verstorben. In der Landresidenz Algermissen, in der am Mittwoch ein infizierter Bewohner gemeldet und weitere Untersuchungen angekündigt wurden, kam hingegen bislang kein weiterer Corona-Fall hinzu.
Virologin Ciesek fordert Impfung
Unterdessen gibt es eine Debatte um die Frage, ob noch nicht infizierte Bewohner von Heimen, die von Ausbrüchen betroffen sind, geimpft werden sollen. Der Landkreis hatte erklärt, dass in Heimen mit „großem Ausbruchsgeschehen“ zunächst nicht geimpft werden solle, und sich dabei auf eine Empfehlung des niedersächsischen Sozialministeriums berufen.
Prof. Sandra Ciesek, Leiterin der Virologie am Universitäts-Klinikum Frankfurt, forderte am Mittwoch im NDR-Podcast allerdings genau das Gegenteil: „Ich halte es für extrem sinnvoll, in so einem Fall die, die noch nicht betroffen sind, schnellstmöglich zu impfen, um Folgefälle zu verhindern.“ Die erste Impfung schütze zwar nur begrenzt und auch das nicht sofort, könne aber dadurch trotzdem helfen. Ciesek äußert sich im NDR-Podcast im täglichen Wechsel mit Charité-Virologe Christian Drosten.
Die HAZ hat das niedersächsische Sozialministerium um eine Stellungnahme gebeten. Aktuell steht in Hildesheim allerdings ohnehin kein Impfstoff zur Verfügung.
