Hildesheim - Die meisten Untermieter von Real haben mit der Schließung des Verbrauchermarktes am vergangenen Samstag ihre Filialen dort aufgegeben. Doch fünf Betriebe bleiben vor Ort. Für wie lange, ist allerdings aufgrund der komplizierten Eigentumsverhältnisse am Cheruskerring nicht klar. Weitgehend einig sind sich die verbliebenen Betreiber allerdings in ihrem Unmut über Real.
Reals „Missverständnis“
Schließlich waren sie spätestens seit Jahresbeginn davon ausgegangen, dass Real noch lange bleiben würde. Als die Kette im Frühjahr doch das Aus verkündete, war das auch für viele Untermieter ein Schock, zumal sie ihre Kündigungen erst Mitte bis Ende Mai bekamen – und somit wenig Zeit hatten, neue Standorte zu suchen. Und dann erklärte Real in der vergangenen Woche auch noch auf HAZ-Nachfrage, alle Untermieter würden am Samstag letztmals öffnen.
Doch das chinesische Restaurant Dynastie, das Reisebüro Rt Touristik, die Änderungsschneiderei Terzi, Apollo-Optik und die Tankstelle sind weiter geöffnet. Real ruderte am Montag auf erneute Nachfrage zurück, es habe sich um ein „Missverständnis“ gehandelt.
Wie es weitergehen soll, konnte ein Sprecher aber auch nicht so genau sagen. „Es ist korrekt, dass es noch Gespräche zwischen einzelnen Konzessionären über die Beendigung des jeweiligen Mietverhältnisses gibt“, sagte er nur.
Mit den Gesprächen ist das allerdings so eine Sache, berichten mehrere betroffene Betreiber übereinstimmend. Weder in der Vorwoche noch an diesem Montag habe man trotz vieler Versuche jemanden bei Real ans Telefon gekommen. Eine Firma wartet seit drei Wochen auf eine Antwort auf ein Schreiben ihres Anwalts.
Eins der Probleme: In vielen Kündigungen tauchen mehrere Fristen auf. „Zum 30. Juni, hilfsweise zum 31. August, hilfsweise zum 31. Dezember 2022“, heißt es dort. Was das genau bedeutet, sagt Real nicht. Im Fall des Restaurants Dynastie sind sogar noch spätere Zeitpunkte genannt.
Wir haben noch dreieinhalb Jahre Vertrag, und wir haben hier viel investiert.
Auf dieser Grundlage will das chinesische Restaurant auf jeden Fall weitermachen, am liebsten noch dreieinhalb Jahre. „So lange läuft unser Vertrag, und wir haben hier viel investiert“, sagt ein Sprecher. Dass Real geschlossen sei, werde kaum Kunden kosten: „Wir können weiter gewinnbringend wirtschaften!“
Weitermachen wollen auch Änderungsschneiderei und Reisebüro. Gerade letzteres war prompt von Stornierungen betroffen – neue Tiefschläge nach den für die Branche ohnehin desaströsen Corona-Jahren. „Außerdem findet man nicht so schnell eine andere Filiale“, sagt Betreiberin Funda Tasar.
Mieter mit Galgenhumor
Ob die Untermieter noch einige Wochen in dem Gebäude bleiben können oder sogar Monate oder Jahre, ist unklar. Real wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, wie lange das Unternehmen noch in der Position ist, Flächen am Cheruskerring unterzuvermieten. Sicher scheint aber zu sein, dass das über den 30. Juni hinaus möglich ist.
Das bis 2025 laufende Erbbaurecht erlaubt ausschließlich eine Nutzung durch Real.
Das Restaurant Dynastie zum Beispiel strebt eine Übereinkunft mit dem Immobilien-Eigentümer Edeka an, um am Standort zu bleiben. Edeka wiederum betont aber, das Unternehmen könne selbst gar nicht als Vermieter auftreten. Denn das noch bis 2025 laufende Erbbaurecht erlaube ausschließlich eine Nutzung durch Real. Was theoretisch bedeutet, dass Real trotz des Verzichts auf den Markt die Flächen der verbliebenen Geschäfte weiter mieten könnte, um sie dann weiter unterzuvermieten. Auch dazu sagte Real nichts.
Einer der Untermieter nahm es am Montag mit Galgenhumor: „Wir machen einfach weiter. Irgendwer wird sich schon melden, wenn er Geld will ...“


