Aus für Großmarkt

Das war’s: Real in Hildesheim ist noch eher Geschichte als gedacht

Hildesheim - Der Schlussstrich für Real in Hildesheim ist gezogen: Die letzten Kunden konnten schon Samstagmorgen nicht mehr auf Schnäppchenjagd gehen – noch früher als gedacht schloss der Markt. Eindrücke vom Ende eines Versorgers tausender Hildesheimer.

Hildesheim - Schon um 9.14 Uhr weisen einige Mitarbeiterinnen des Real-Supermarkts die letzten Kunden ab. Freundlich, aber bestimmt. Seit diesem Wochenende ist der Real-Markt, seit 55 Jahren Versorger für tausende Menschen aus Hildesheim, nur noch Geschichte.

Das war’s also. Und man kann es sich immer noch nicht so richtig vorstellen. Die Schlangen der Kunden mit ihren Einkaufswagen vor den Kassen, der volle Parkplatz, die Autos an der Tankstelle – dieses Bild bei Real am Cheruskerring haben viele Hildesheimer und Hildesheimerinnen noch deutlich vor Augen.

Seltsames Szenario: Leere Regale

Seltsam wirkt das Szenario um kurz vor 9 Uhr. Leere Regale im Markt, ein spärlich besetzter Parkplatz. Eigentlich sollte noch am Vormittag ein Einkaufsbummel bei Real möglich sein. Stark reduziert. Na klar, denn die Ware war fast vollständig abverkauft. Doch manche versuchen trotzdem ihr Glück. Vielleicht ergibt sich ja noch ein Schnäppchen.

Nix mehr. Feierabend. Game over

Real-Mitarbeiter

Fehlanzeige. „Nix mehr. Feierabend. Game over“, trompetet ein Supermarkt-Mitarbeiter einem älteren Herrn mit rotem Einkaufsbeutel entgegen. „Scheiße“, entfährt es diesem. Wenig später befestigen weitere Kräfte der Belegschaft Poster am Haupteingang. „Dieser Markt ist geschlossen. Vielen Dank für ihre jahrelange Treue“, lautet die unmissverständliche Aufschrift.



Markt schließt noch eher als gedacht

Warum der Markt noch früher als gedacht dicht macht? Der Leiter will darüber nicht reden. Eine Floristin im Baccara-Blumenladen, eines der Geschäfte unterm Real-Dach, ist gesprächiger. „Ja, wir machen heute auch zu. Einen neuen Standort in Hildesheim haben wir nicht“, sagt die Frau. Aber optimistisch ist sie doch. „Floristinnen werden gebraucht.“

Dicht ist zumindest jetzt auch das Touristik-Unternehmen, genauso der griechische Spezialitätenmarkt Anna. Nach 35 Jahren muss er schließen – doch im Oktober 2022 soll es für Anna in der Arneken-Galerie weitergehen, wie ein Schild verkündet.

Bei Apollo wird noch beraten

Längst kalt ist auch die chinesisch-mongolische Küche, so preiste sich das Restaurant neben einem der Real-Eingänge an. Beim Optik-Geschäft Apollo werden dagegen noch Kunden beraten. Wie lange noch, kann eine Mitarbeiterin nicht sagen.



Das Geschäftsleben der Untermieter am Real-Markt pendelt aus, der Friseur Huth etwa verlegt sein Angebot in die Filiale am Hauptbahnhof. Das Mutterschiff Real streicht die Segel in Hildesheim – und die kleinen Betriebe in seinem Fahrwasser zieht es mit. Das Inventar des Supermarktes aber ist bei einem Auktionsportal noch zu haben. Erinnerungsstücke einer Hildesheimer Supermarkt-Geschichte.

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