Nordstemmen - Die Marienburg ist seit Monaten geschlossen, die wichtigsten Räume sind wegen Baufälligkeit gesperrt. Im Sommer jedoch dürfte wieder Leben in das Welfenschloss kommen: Die Region Hannover als Bauaufsichtsbehörde hat mehrere Räume im Südflügel für Dreharbeiten zur zweiten Staffel der Serie „Maxton Hall“ freigegeben, die voraussichtlich im Juni über die Bühne gehen sollen.
Zu den freigegebenen Räumen zählen unter anderem die Eingangshalle und der Rittersaal. „Dafür mussten Abstützungen eingebracht werden“, erklärte Jobst von Wintzingerode als zuständiger Mitarbeiter des Kulturministeriums jetzt im Kulturausschuss des Landtages.
Die gutachterliche Stellungnahme eines hannoverschen Ingenieurbüros, die der HAZ Redaktion vorliegt, konstatiert für Teile des gesperrten Südflügels „keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung der Standsicherheit“. Allerdings weise die Holzkonstruktion über dem ersten Obergeschoss in der Südostecke und vor allem auf der Westseite erhebliche Schäden auf. Nach Durchführung provisorischer Verstärkungsmaßnahmen gebe es jedoch keine Bedenken, den Rittersaal für temporäre Dreharbeiten zu nutzen.
Freigabe für Filmdreh irritiert ehemalige Mitarbeiter
Dass eine Freigabe der Räume für die Filmaufnahmen jetzt verhältnismäßig unkompliziert möglich ist, irritiert ehemalige Angestellte des Schlosses, die wegen der Schließung der Burg ihre Arbeitsplätze verloren hatten. „Es hieß immer, dass die gesamte Standsicherheit der Gebäudeteile gefährdet ist“, sagt Carmen Holst-Hillmer, die bis zum Jahreswechsel auf der Burg gearbeitet hat.
Frühere Beschäftigte vermuten, dass die Räume nur gesperrt wurden, um den unliebsamen Pächter Nicolaus von Schöning loszuwerden, dessen Pachtvertrag mittlerweile tatsächlich aufgehoben wurde. „Vermutlich steht jetzt einer Wiedereröffnung der Räume mit einem neuen Pächter nichts im Wege“, sagt Holst-Hillmer mit bitterer Ironie.
Das ist jedoch alles andere als ausgemacht: Das Gutachten gelte nur temporär für die Dreharbeiten, erklärt ein Regionssprecher: „Eine andere Nutzung, zum Beispiel durch größere Besuchergruppen, ist auf Basis der erteilten Freigabe nicht möglich.“
Nach Angaben des Ministeriumsmitarbeiters Jobst von Wintzingerode hat die großangelegte Sanierung der Burg, für die Bund und Land insgesamt mehr als 27 Millionen Euro bewilligt haben, mittlerweile mit Probeöffnungen an der Bausubstanz begonnen. Vom Ergebnis dieser Untersuchungen würden dann die weiteren Maßnahmen abhängen.
Wiedereröffnung im Sommer?
Bei der denkmalgerechten Sanierung des Kulturdenkmals stünden derzeit zwei Punkte im Fokus: Neben der Öffnung und Untersuchung weiterer Bauteile gehöre dazu die Sicherung des sogenannten Laubengangs am Steilhang im Südosten der Burganlage. Dort droht ein Teil der Anlage abzurutschen. „Die Sandsteinwand verliert durch die Witterung an Substanz, die Oberfläche muss versiegelt werden“, sagt von Wintzingerode. Für Ende Juni sei ein Termin mit allen an der Sanierung beteiligten Institutionen geplant.
Die Stiftung Schloss Marienburg als Eigentümerin plant eine Wiedereröffnung der nicht gesperrten Teile des Schlosses noch in diesem Jahr. Der Stiftungsvorstand werde dazu im Sommer ein Konzept vorlegen, sagt von Wintzingerode. Das Landesmuseum habe bereits im April eine „attraktive Interimsausstellung“ konzipiert. Die Planungen dafür würden derzeit jedoch ruhen, bis der Stiftungsvorstand über das Konzept entschieden habe. Derzeit sucht die Stiftung nach einem neuen Pächter, der die Marienburg als Gastronom bewirtschaften soll.
von Simon Benne
