Jazztime

Schwedische Schwestern, schwäbischer Jazzfunk und Blues aus Hildesheim: Das waren die Open-Air-Highlights der Jazztime

Hildesheim - Schon der Auftakt mit dem schwedischen Trio Baskery war ein Kracher. Aber es kam ja noch so viel mehr. Die Höhepunkte beim Open Air der Jazztime in Hildesheim.

Mit vollem Einsatz an der Harp: Blues Shacks-Frontmann Michael Arlt Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Was für ein Auftakt: Baskery aus Schweden spielt sich am Samstagmittag in Rekordzeit in die Herzen des Publikums. Das hat offenbar den Braten gerochen, denn trotz der frühen Stunde ist der Platz bestens gefüllt. Auch auf der Wiese daneben ist schon richtig viel los – es fühlt sich an, als wäre die Jazztime nie weggewesen.

Eine könnte alleine den Platz bespielen

Greta Bondesson könnte als Sängerin, Banjo-Spielerin und Schlagzeugerin in Personalunion alleine den Platz bespielen, aber da sind ja noch ihre Schwestern Stella am Kontrabass und Sulliva an akustischer und elektrischer Gitarre. Das rockt gewaltig, hinzu kommt ihr Markenzeichen, der knackige dreistimmige Gesang. Das Publikum ist aus dem Häuschen. „Viel besser geht es nicht. Das war schon das Highlight, oder?“, urteilt ein Besucher.



Stimmt nicht ganz – einmal ganz abgesehen davon, dass Musik durch und durch Geschmackssache ist. Am Sonntagnachmittag steht das Jakob Manz Projekt auf der Bühne – ausgerechnet in der Stunde, als es am heftigsten regnet. Als er am Theater ankommt, macht der 22-Jährige Stuttgarter einen etwas müden Eindruck. Aber sobald der Auftritt beginnt, ist er hellwach.

Die vierköpfige Band spielt funkigen Fusionjazz, der unmittelbar in die Beine geht. Bei gutem Wetter wäre der Platz natürlich voller, doch das Publikum feiert die Band ausgelassen. Mit Regenjacke, Poncho, Schirm, einfach im klatschnassen Hemd oder gar oben ohne. Die Musiker haben noch mehr Spaß und Drive als beim letztjährigen Gala-Konzert, Jakob Manz lässt sein Saxofon in den höchsten Tönen schwelgen. Das ist Leidenschaft pur und eigentlich nicht zu toppen.

Es wäre schwer, zu übernehmen – außer für B.B. & The Blues Shaks

Für jede Band wäre es schwer, danach die Bühne zu übernehmen. Außer natürlich für B.B. & The Blues Shacks. Die Lokalmatadoren und Lieblinge der Jazztime haben zudem Petrus auf ihrer Seite. Kaum haben sie ihr Set begonnen, bricht die Sonne zwischen den Wolken durch. Unter strahlend blauem Himmel sind die Hildesheimer nicht zu stoppen. Eigene Stücke, garniert mit starken Covern von Ray Charles oder Slim Harpo, bringen Stimmung ins Publikum, das jetzt standesgemäß wieder den ganzen Platz vorm Theater füllt.

Gitarrist Andreas Arlt zeigt ein weiteres Mal, wie sehr er den Spirit des Blues verinnerlicht hat. Da kommt jeder Ton auf den Punkt – gespielt wird nur, was der Song unbedingt braucht. Sein Bruder Michael ist der gewohnt souveräne Frontmann. Und mit Fabian Fritz am Klavier, Henning Hauerken am Bass und Schlagzeuger Andre Werkmeister im Rücken kann sowieso nichts anbrennen. Ein Zuschauer bringt es auf den Punkt: „Die Blues Shacks sind eine Bank.“



Blues, stilsicher und kompetent gespielt, gab es an allen drei Tagen – gestern zum Festivalabschluss noch einmal mit Lil’ A alias Alex Woodson. Die Allnighters packen ihr Publikum mit einem tiefen Griff in die Klassikerkiste des Blues – unter anderem mit einer langen, intensiven Version von Little Walter’s „I Hate To See You Go“. Dazu praller Sonnenschein – was will man mehr!

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