15000 Besucher

„Beautiful“ trotz Wolkenbruch: So lief die Jazztime 2024 in Hildesheim

Hildesheim - Die Zahlen der Jazztime in diesem Jahr sind solide. Ausgerechnet die musikalischen Höhepunkte haben aber wenig Menschen erreicht. Die Verantwortlichen finden, sie sind mit einem blauen Augen davon gekommen.

Die Jazztime zieht auch in diesem Jahr ein durchmischtes Publikum an, sowohl was die Altersspanne als auch den Musikgeschmack angeht. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Nur ein Bruchteil des erhofften Publikums hat den Star des zweiten Jazztime-Tages gesehen. 6000 Menschen passen auf den Theaterplatz, 600 Menschen harren am Sonntag dort aus. Das Jakob Manz Projekt spielt und es gießt in Strömen. Trotzdem sind Band und Team hinterher „rundum zufrieden“.

Achim Mennecke, Vorsitzender vom Cyclus 66, bedauert den Wolkenbruch natürlich, sowohl für die Künstler als auch das Festival. „Da geht viel Umsatz verloren“, erklärt er mit Blick auf die Verkaufsstände. Immerhin kam es nicht zum Abbruch des Open Air. Das wäre „ein finanzielles Desaster“ für den Verein gewesen, betont Mennecke. „So sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, meint Waldemar Lorenz, 2. Vorsitzender.



„Till Seidel had us going nuts“

Zum Auftritt von B.B. & The Blues Shacks scheint dann auch wieder die Sonne und der Platz ist gefüllt. In Summe schätzt das Jazztime-Team, haben dieses Jahr wieder bis zu 15.000 Menschen an drei Tagen den Weg zur Veranstaltung gefunden. Mennecke geht von guten Zahlen aus. Bereits am Samstag musste das Team zum Beispiel schon den Bestand an Pins herausgeben, der erst für Sonntag gedacht war.

Musikalisch findet Lorenz die Jazztime auf der Höhe. So voll wie bei Baskery habe er den Theatervorplatz zum Festivalstart noch nie gesehen, gibt er ein Beispiel. Die Stimmung ist ausgelassen. Immer wieder tanzen Pärchen vor der Bühne zu Rock und Swing. „Deswegen sind wir hier“, sagt Doris Eckel. Sie ist im Spessart geboren, lebt aber mittlerweile in Kalifornien. Auf Einladung ist sie dieses Jahr mit David Ollenberg, einem Freund aus Kanada, zur Jazztime gereist. „Beautiful“ finden sie Stadt und Festival. „Till Seidel had us going nuts“, sagt Eckel. Verrückt gemacht, im positiven, habe Till Seidel sie. Die Blues Shacks kennen sie schon aus der Heimat. So wirbeln die beiden immer wieder umeinander.

„Die Leute können uns schon vertrauen“

Auch Jakob Manz ist zufrieden, trotz seiner verregneten Open-Air-Premiere. „Es sind ja sogar Leute geblieben“, erklärt er. Ein besonders hartnäckiger Gast verharrt sogar mit Campingstuhl und Regenschirm während des Gewitters auf der Wiese. Der Rest drängt sich unter Vordächern, Zelten oder Bäumen, die Kapuzen eng ums Gesicht gezogen, die triefenden Arme in die Luft gestreckt oder an die Seiten gepresst. Die Jazztime sei in Hildesheim ein etabliertes Format, nicht nur für Fachleute. „So viel Angebote für Kinder und Familien kenne ich auf keinem anderen Jazzfest“, betont der letztjährige Gewinner vom Hi Five Jazz Award.

Seine Nachfolger haben es hingegen schwer. Auch am zweiten Gala-Abend bleibt die Nachfrage nach Karten für das Gewinner-Konzert aus. Den Dämpfer in der Kasse hat Mennecke schon einkalkuliert. Er bedauert es eher für die Bands. „Wo Jazztime draufsteht, ist auch Jazztime drin“, wirbt Mennecke. „Die Leute können uns schon vertrauen.“ Eine Änderung für das nächste Jahr kündigt Mennecke in Bezug auf die Galas schon an: Auf der Party danach im F1 soll wieder eine Band spielen, statt Musik vom Band. „Das war Faulheit dieses Jahr“, gibt er zu. Was er meint: Mit Band gehen die Leute um 1 Uhr und das Team ist um 3 Uhr im Bett - um 9 Uhr aber schon wieder auf dem Gelände. „Aber dafür habe ich schon eine Idee“, verspricht Mennecke und Lorenz fügt hinzu: „Wir finden immer eine Lösung.“

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