Welfenschloss

Hätten Sie es gewusst? Sechs Fakten über das Schloss Marienburg

Nordstemmen - Eine der touristischen Hauptattraktionen in der Region Hildesheim bleibt vermutlich über Jahre für die Öffentlichkeit geschlossen – wegen umfassender Sanierungsarbeiten. Für alle, die mehr über das Welfenschloss erfahren wollen, gibt es hier sechs Fakten.

Die Marienburg bleibt wahrscheinlich für Jahre geschlossen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Nordstemmen - Die Marienburg bei Nordstemmen ist ein Touristenmagnet und eine der historischen Hauptattraktionen rund um Hildesheim und Hannover. Doch vor Kurzem musste das Schloss für Besucher und Besucherinnen geschlossen werden – und wahrscheinlich bleibt es für mehrere Jahre öffentlich nicht zugänglich. Denn die Dachkonstruktion ist morsch, der Echte Hausschwamm nagt an der Standsicherheit des Gebäudes. Die Region Hannover als Bauaufsichtsbehörde hat deshalb den Besucherverkehr im Schloss untersagt.

Wissenswertes über die romantische Sehenswürdigkeit gibt es natürlich nach wie vor. Hier sind einige interessante Fakten über die Burg – vielleicht als kleine Entschädigung für die Wartezeit bis zur Wiedereröffnung.

Die Marienburg war ein Geschenk

Dass die Region Hannover heute überhaupt eine solche Sehenswürdigkeit zu bieten hat, haben wir Georg V. zu verdanken. Er wollte seiner Frau Marie ein besonderes Geburtstagsgeschenk machen, „nach dem Wohlgefallen und den Wünschen Unserer lieben Gemahlin [...] und nach Bequemlichkeit“ gestaltet, wie die Schenkungsurkunde dokumentiert. So entstand zwischen 1858 und 1867 auf dem Marienberg das Schloss Marienburg. Erst nach der Schenkung an seine Frau wurde der Berg in Marienberg umbenannt. Das ebenfalls nach der Königen benannte Schloss sollte eigentlich ein Sommersitz werden. Erbaut wurde das Märchenschloss im neugotischen Stil.

Die Marienburg war nur kurz richtig bewohnt

1866, als sich das Schloss noch im Bau befand, wurde König Georg V. ins Exil nach Österreich gezwungen. Er hatte am 29. Juni 1866 im Deutschen Krieg um die Vorherrschaft Preußens kapitulieren müssen. Mit Folgen: Hannover wurde durch preußisches Gesetz am 20. September 1866 formell vom Königreich Hannover zur preußischen Provinz Hannover. Kurz danach musste Königin Marie mit ihrer Tochter auf die Marienburg ziehen, obwohl diese noch eine Baustelle war. Doch schon wenige Monate später, am 24. Juli 1867, nahmen beide einen Zug ins österreichische Exil. Die Marienburg sollten sie nie wieder sehen.

Rückkehr der Welfen nach dem Zweiten Weltkrieg

Danach wurde das Schloss gut 80 Jahre nicht bewohnt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten wieder Welfen im Schloss: Die Familie von Ernst August III., Enkel von Georg V. und Königin Marie, zog 1945 vom Schloss Blankenburg im Harz um. Sie floh vor den heranrückenden sowjetischen Truppen. Ihre Besitztümer konnte sie noch vier Wochen lang aus Blankenburg unter Geleitschutz britischer Panzerwagen zur Marienburg fahren.

130 Zimmer und ein 44 Meter hoher Turm

In der Marienburg befinden sich 130 Zimmer, unter anderem eine Schlosskapelle, mehrere Salons und eine Bibliothek. Der Hauptturm des Schlosses ist stattliche 44 Meter hoch. Aus diesem lässt sich ein einzigartiger Rundblick über das Calenberger Land genießen. Bei klarem Wetter reicht dieser sogar bis nach Hannover.

Nach 100 Jahren für Besucher geöffnet

Nachdem das Schloss gut 80 Jahre im Dornröschenschlaf verbracht hatte, wurde es rund 100 Jahre nach seiner Erbauung erstmals für Besucher eröffnet. Ein Besichtigungsbetrieb wurde eingerichtet. Seitdem gibt es auf der Burg die Möglichkeit, die opulenten Räume zu bestaunen. Im Laufe der Jahre kamen – mit wechselnden Konzepten – ein Restaurant und schließlich Veranstaltungen wie das jährlich stattfindende „Wintermärchen“ im Schlosshof dazu. Das Gebäude war seit 2004 im Privatbesitz von Ernst August von Hannover junior. 2018 wurde ein Sanierungsbedarf von rund 27 Millionen Euro bekannt. Zwei Jahre später überführte Ernst August das Schloss samt Inventar schließlich in die Stiftung Schloss Marienburg, in der die öffentliche Hand die Mehrheit hat. Die Stiftung will bis 2030 für eine Sanierung sorgen.

Marienburg war schon in Filmen zu sehen

Das Schloss hat es auch schon in Filme und Serien geschafft. Besonders naheliegend sind da natürlich Märchenfilme. 2012 und 2019 wurde die Marienburg als Kulisse für Märchenfilme genutzt („Allerleirauh“ und „Das Märchen von den zwölf Monaten“). Der Dokumentarfilm „Münchhausen – Geschichte einer Lüge“ mit Ben Becker aus dem Jahr 2012 wurde ebenfalls im Schloss Marienburg gedreht.

Am meisten mediale Präsenz hatte die Marienburg wohl aber in der Fernsehserie „In Your Dreams“: Die 2014 gedrehte deutsch-australische Kinderserie hatte 26 Folgen, in denen das Schloss eine tragende Rolle spielte.

Von Carry Anne Greiner



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