Kurbetrieb Bad Salzdetfurth

Solebad Bad Salzdetfurth vor millionenschwerer Entscheidung – jetzt droht auch noch ein herber Personalverlust

Bad Salzdetfurth - Die Kurbetriebsgesellschaft und mit ihr der Kreis Hildesheim und die Stadt Bad Salzdetfurth stehen vor einer Mammutaufgabe. Es geht vor allen Dingen ums Solebad, millionenschwere Entscheidungen müssen getroffen werden. Und ausgerechnet jetzt droht der GmbH eine herber Personalverlust.

Seit fast fünf Jahren ist Thomas Oelker, Geschäftsführer der Kurbetriebsgesellschaft. Nun will er sich beruflich verändern. Heißt: Ab Januar könnte die GmbH damit ohne Chef sein. Foto: Ulrike Kohrs

Bad Salzdetfurth - Die Bad Salzdetfurther Kurbetriebsgesellschaft steht vor schwierigen Entscheidungen, millionenschweren Entscheidungen. Das in die Jahre gekommene Solebad muss aufgrund teils gravierender Baumängel entweder aufwändig saniert oder gar neugebaut werden, das wiederum hätte unter Umständen weitreichende Folgen für das gesamte Unternehmen. Ausgerechnet jetzt droht der GmbH ein herber Verlust: Ihr Geschäftsführer hat sich anderweitig beworben. In der kommenden Woche wird sich ziemlich sicher entscheiden, ob er die neue Stelle bekommt. Wenn ja, verlässt Thomas Oelker Ende dieses Jahres den Kurbetrieb.

Vor knapp fünf Jahren übernahm Oelker die Nachfolge von Martin Kaune. Mit Thomas Oelker übernahm zwar ein ganz neues Kurbetriebsmitglied das Ruder, doch eines, das den Laden trotzdem schon gut kannte. Gut 30 Jahre hatte Oelker zuvor beim Landkreis Hildesheim gearbeitet, in den letzten Jahren war er dort zuständig für die Beteiligungsgesellschaften. Also jene Unternehmen, an denen der Kreis finanziell beteiligt ist, wie dem Kurbetrieb.

Mehr als nur ein Job

Oelker fuchste sich nicht nur schnell in die Materie ein, sondern ließ auch erkennen, dass der Kurbetrieb mehr als nur ein neuer Job für ihn sei – vielmehr eine Herzensangelegenheit. Das Image eines „angestaubten Kurbades“ hin zum offenen, modernen Betrieb für die ganze Familie zu verändern, sei stets sein Antrieb gewesen. „Zusammen mit dem gesamten Team haben wir einiges umsetzen können“, sagt Oelker und erinnert unter anderem an Badetage für groß und klein, Schwimmkurse für Kinder. Auch neue Projekte sind am Start, ungeachtet eines möglichen Weggangs von Oelker. Ab 1. November wird der Kurbetrieb beim Programm Hansefit mitmachen. Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, deren Arbeitgeber das finanziell unterstützen, können das Solebad dann kostenlos nutzen. In Kürze gehe der Kurbetrieb zudem eine Kooperation mit den Helios Grizzlys ein, die Volleyballer wollen dann regelmäßig die Einrichtung zum Regenerieren nutzen.

Von Krisen geprägt

Doch Oelkers Jahre im Kurbetrieb waren auch quasi durchgehend von Krisen geprägt. „Anfangs haben wir noch die Reste der Auswirkungen des Hochwassers von 2017 abgearbeitet“, erzählt Oelker. Dann kam Corona mit erheblichen hygienischen Auflagen, einer monatelangen Schließung des Solebades. Es folgten die Energiekrise und erst kürzlich eine erneute Schließung des Solebades wegen Legionellen in einem Duschbereich. Der größte Brocken aber sicherlich: Die Erkenntnis, dass das Solebad eine dringende Sanierung benötigt oder gar auf Sicht neugebaut werden muss. Seit Monaten ist das Thema in den politischen Gremien der Gesellschafter der Gmbh und im Aufsichtsrat präsent. In den kommenden Monaten werden sich die Stadt Bad Salzdetfurth und der Landkreis Hildesheim auf den Weg einer Entscheidung machen müssen. Eine Machbarkeitsstudie liegt den Gremien bereits vor. In Kürze soll auch die Öffentlichkeit informiert werden.

Neue Stelle in Aussicht

Hat Oelker angesichts der Krisen die Nase vom Geschäftsführer-Dasein voll? „Auf gar keinen Fall“, sagt der Petzer und bezeichnet die Probleme eher als Herausforderungen, denen er sich gerne gestellt hat. Er habe von Anfang an gesagt, dass er irgendwann zurück in eine Verwaltung möchte. Und geeignete Stellen fielen eben nicht vom Himmel. Vor einigen Monaten hat er eine entdeckt, die ihn reizt. Das erkläre auch den Zeitpunkt seines möglichen Weggangs. Die Samtgemeinde Leinebergland sucht einen neuen Bauamtsleiter. Die erste fusionierte Kommune im Kreis Hildesheim interessiere ihn sehr. Als Kommunalpolitiker in der Gemeinde Sibbesse habe er im Blick, was sich beim Nachbarn tut. Oelker sieht dort viel Potential und würde sich gerne einbringen. Die Vorstellungsgespräche verliefen erfolgreich. Am kommenden Donnerstag entscheidet der Samtgemeinderat. Neben Oelker ist ein weiterer Kandidat im Rennen. Die Verwaltung schlägt in ihrer Vorlage aber bereits Oelker vor. Seine Wahl scheint nur noch eine Formalie zu sein.

Seine Mitarbeiter im Kurbetrieb und auch den Aufsichtsrat hat Oelker frühzeitig in seine Pläne eingeweiht. „Ich würde es sehr bedauern, wenn wir Thomas Oelker verlieren“, sagt Werner Preissner, Aufsichtsratsvorsitzender des Kurbetriebs. Der Zeitpunkt einen Mann wie ihn gehen zu lassen, sei immer unpassend. Der Wechsel jetzt zu Beginn der anstehenden wegweisenden Entscheidungen des Kurbetriebs sei aber sicherlich besser, als mitten im Prozess. So sieht es auch Oelker, der seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin damit möglichst faire Startbedingungen geben will. Wer tatsächlich im Januar auf dem Chefsessel im Kurbetrieb sitzen wird, ist indes noch völlig unklar. „Wir haben uns aber schon intensive Gedanken gemacht“, so Preissner.

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