Nettlingen - Bärchenleberwurst, Tomatensaft, Rohrfrei, Käse vom Hof im Greth, Veltins-Pilsener – das wünschen sich die Nettlinger. Diese Produkte und viele mehr stehen auf einer Wünsch-Dir-was-Tafel im Eingangsbereich des neuen Tante-Enso-Marktes in Nettlingen. Im Januar öffnete der Markt des Bremer Unternehmens MyEnso in der Gemeinde Söhlde. Das Konzept: Die Kunden können rund um die Uhr sämtliche Waren kaufen und bestellen, Genossenschaftsanteile erwerben und sie können das Sortiment mitbestimmen.
„Die Tafel ist immer schnell voll“, berichtet Filialleiterin Anja Vogt. Die Wünsche der Kunden werden einmal in der Woche an die Zentrale weitergeleitet und nach Möglichkeit erfüllt. Der Käse vom Hof im Greth soll bald das Angebot erweitern, Lindener Spezial kommt in Kürze ins Bierregal. Dafür wird ein anderes Bier weichen.
Selbst wenn die Kunden mehrheitlich andere personalbesetzte Zeiten wünschen würden, würde das Unternehmen MyEnso die nach Möglichkeit anpassen, sagt Vogt. „Tante-Enso-Märkte werden auf den Kunden zugeschnitten“, erklärt die Nettlingerin.
Einkaufen in aller Ruhe, neue Produkte entdecken und dann vielleicht noch ein kleiner Schnack mit anderen Kunden. Christine Duppenkropp bringt die Einkaufsatmosphäre im neuen Supermarkt in Nettlingen auf den Punkt: „Es ist ein Tante-Emma-Gefühl“, sagt sie. Duppenkropp gehört mit Anja Vogt, Michelle Lüderitz und Franziska Haußmann zum Tante-Enso-Team. Alle Mitarbeiterinnen stammen aus Nettlingen.
Kampagne unterstützt
Vogt hat die Tante-Enso-Kampagne im Dorf unterstützt und sich dann sofort beworben, als klar war, dass der Markt kommen würde. Viele Jahre habe sie bei einer Supermarktkette in Braunschweig gearbeitet, sich dort aber am Ende nicht mehr so wohl gefühlt. Das sei jetzt komplett anders. Vogt spart an ihren Arbeitstagen nicht nur Zeit und Sprit, ihr macht die Arbeit wieder Spaß.
Michelle Lüderitz hatte sich eigentlich erst für Mai beworben. Da aber für sofort Personal benötigt wurde, hat sie umdisponiert und ihre Schwiegermutter mit ins Boot geholt. Die kümmert sich nun um die kleine Enkeltochter, bis sie im April einen Platz bei einer Tagesmutter hat. Für Christine Duppenkropp ist die Arbeit im Tante Enso ihr Zweit-Job. Die Psychologin betreibt eine Heilpraktiker-Praxis in Nettlingen. „Hier tobe ich mich praktisch aus“, sagt sie.
Für ihre Pause hat sie sich ein Getränk und eine Campingwecke gekauft und gibt die Waren am Selbstscanner ein. Über ihre Enso-Karte wird der Betrag vom Konto abgebucht. „Das geht ganz einfach“, sagt Duppenkropp. Ältere Kunden benötigten mitunter jedoch etwas Hilfe dabei. „Die meisten Älteren zahlen an der Kasse“, sagt sie.
Ganz im Gegensatz zu anderen Supermärkten störe es niemanden, wenn er im Tante Enso mal warten müsste. „Die Leute unterhalten sich“, sagt Duppenkropp. Junge und ältere gleichermaßen.
Viel zu entdecken
Eine ältere Frau kommt in den Laden, sie sagt, sie wolle sich jetzt mal ganz in Ruhe umsehen, was es alles so gibt. Da wird sie einiges entdecken. Vom Weichspüler bis zu tiefgefrorenem Gemüse gibt es alles. Zudem Markierungen an den Regalen in rot und grün. Grün steht für regionale Produzenten, etwa Kartoffeln aus Nordassel oder Honig aus Kemme. Rot sind Food Pioniere gekennzeichnet. Kleine deutsche Manufakturen, die etwa eingelegte Gurken, Nudeln oder Eistee, Zahnputzpulver für Kinder mit Vanillegeschmack oder Bolognesesoße produzieren. „Die Soße war innerhalb von Tagen ausverkauft“, erzählt Vogt.
Zweimal täglich wird Tante Enso mit Backwaren von Rühmann aus Salzgitter beliefert. „Der ist richtig heiß auf unseren Laden“, freut sich Vogt. Der Bäcker nehme auch Bestellungen für Torten und Kuchen oder größere Brötchenmengen auf. Er liefert auch am Sonntag um 7 Uhr, damit die Nettlinger frische Brötchen zum Frühstück haben. „Das Mäuse- und das Schwabenbrot sind so lecker“, schwärmt Michelle Lüderitz.
Gute Umsatzzahlen
Mit den Nettlinger Kunden dürfte auch das Unternehmen MyEnso zufrieden sein. Wie Unternehmenssprecherin Jessica Renziehausen berichtet, liegt Nettlingen unter den Top 4 beim durchschnittlichen Umsatz pro Tag. Bisher gibt es bundesweit 34 Märkte. Aktuell hat der Nettlinger Markt 351 Teilhaber. „Das ist noch wenig im Vergleich zu den anderen Standorten, aber auch noch nicht wirklich aussagefähig. Denn noch nicht final bearbeitete Kartenanträge sind darin nicht berücksichtigt. In der Regel steigt die Zahl der Tante-Enso-Karten in den Wochen nach der Eröffnung noch mal deutlich an“, erklärt Renziehausen.
Die Mitarbeiterinnen vor Ort können das nur bestätigen, sie füllen den Halter mit den Antragsformularen regelmäßig auf. Entweder kann man eine Karte beantragen und damit rund um die Uhr im Tante Enso betreten und einkaufen oder man wird Mitglied der Genossenschaft, unterstützt den Markt und kann weitere Vorteile nutzen. In Nettlingen soll so mancher auch schon nachts um 2 Uhr eingekauft haben.
Mitarbeiterinnen gesucht
Wer den Tante Enso verlässt und über die Straße schaut, sieht an einem Haus dort die steinerne Aufschrift „Colonialwaren Fritz Brandes“. Das Geschäft gibt es schon lange nicht mehr, aber das Gefühl vom familiären Einkaufen, das gibt es wieder in Nettlingen.
Die Mitarbeiterinnen von Tante Enso benötigen noch Verstärkung. Interessenten an einem Teilzeit-Job in Nettlingen können ihre Bewerbungen im Geschäft abgeben oder zu MyEnso senden. Die personalbesetzten Öffnungszeiten sind montags und freitags von 8 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend ist der Markt von 8 bis 12 Uhr besetzt.





