Archäologischer Fund

„Uns fehlt die Laufkundschaft“: Händler und Gastronomen rund um die Hildesheimer Dammstraße leiden unter Sperrung

Hildesheim - Erst Lockdown, dann Lieferschwierigkeiten, dann die langfristige Sperrung: Die Geschäftsinhaber in der Hildesheimer Dammstraße sind seit Jahren gebeutelt. Wie es ihnen derzeit ergeht.

Hildesheim - Erst Lockdown, dann Lieferschwierigkeiten und jetzt die langandauernde Sperrung der Dammstraße: Für das Fahrradhaus Dammann waren die vergangenen drei Jahre kein Zuckerschlecken. Inhaberin Katja Dammann führt das Fahrradgeschäft an der Dammstraße bereits in dritter Generation. Ihr Urgroßvater hatte 1910 in direkter Nachbarschaft eine Schmiede eröffnet.

Durch die Sperrung der Dammstraße auch direkt vor dem Fahrradhaus hat sie mehrere Probleme gleichzeitig. Die Lieferanten können mit ihren Lastwagen nicht direkt vorfahren, sondern müssen weit vor dem Geschäft halten. „E-Bikes wiegen mit Verpackung schnell mal 30 Kilogramm, die man dann ein ordentliches Stück schleppen muss“, sagt Dammann. Die Baustelle bringt weitere Probleme, wenn die Kunden eine Probefahrt machen wollen. „Danach sind die Räder dreckig und ich kann sie eine halbe Stunde lang putzen.“ Und während der Bauarbeiten kam zudem die Straßenreinigung nicht vorbei. „Aber die Straßenreinigungsgebühren hat die Stadt trotzdem abgebucht“, empört sich Katja Dammann, „wir mussten dort erst anrufen, damit sich das ändert.“

Nachmittags bleiben die Gäste aus

Das Geschäft des Traditionsunternehmens lebt seit dem Beginn der Bauarbeiten vor allem von den Stammkunden, die dem Unternehmen seit Jahren oder gar Jahrzehnten die Treue halten. Aber viele Fahrradkunden wollen auch mit dem Auto zum Fahrradkaufen fahren. Diese Kunden fehlen jetzt. Die Werkstatt ist allerdings weiterhin gut nachgefragt. „Für Reparaturen nehme ich jeden Auftrag an“, erzählt Katja Dammann. Was sie aber ärgert: Die 850 Jahre alte Brücke, die für die Verzögerungen bei den Bauarbeiten gesorgt hat, liegt überhaupt nicht vor ihrem Geschäft. Dort müssen lediglich die Hausanschlüsse für das Abwasser erneuert werden. Warum das bis jetzt gedauert hat, kann sie nicht verstehen.

Vor Corona haben wir hier immer mit zwei Mitarbeitern gearbeitet. Heute schaffe ich das alleine.

Mirko Bergander, Restaurantleiter Die Insel

Wenige Meter weiter liegt das Restaurant Die Insel. Auch dort haben drei Ereignisse in die Bilanz eingeschlagen. Erst der Lockdown, dann die Arbeiten am Innersteradweg und jetzt die Sperrung der Dammstraße. Restaurantleiter Mirko Bergander hat an diesem Mittwochnachmittag nur wenige Gäste. Meist sind es nachmittags ältere Leute, die auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen vorbeikommen. Besonders am Mittwoch sind normalerweise viele Seniorinnen und Senioren unter den Gästen, weil dann die Arztpraxen geschlossen haben. „Vor Corona haben wir hier immer mit zwei Mitarbeitern gearbeitet“, erzählt Restaurantleiter Bergander, „heute schaffe ich das alleine.“

Vor allem die älteren Gäste haben ein Problem mit weiter entfernten Bushaltestellen, schlammigen Wegen und abends auch mit nicht brennenden Straßenlaternen. „Wegen der Laternen haben wir schon an die Stadt geschrieben“, sagt Bergander, „aber da kam keine befriedigende Antwort.“ Er hat nicht den Eindruck, dass sich Politik und Verwaltung ausreichend um die Belange der Geschäftsinhaber kümmern. „Ich hätte mir gewünscht, dass sich Vertreter der Politik mal bei uns über die Lage erkundigt hätten.“ Der Geschäftsbetrieb des Restaurants ist allerdings nicht gefährdet. Mirko Bergander: „Das Kaffee- und Kuchengeschäft ist zwar um 70 Prozent eingebrochen, aber das Mittags- und Abendgeschäft ist zum Glück kaum betroffen.“



Auch Radfahrer kommen seltener vorbei

Besonders unter der Baustelle leidet das Eiscafé Da Lino. „Uns fehlt die Laufkundschaft. Früher sind die Leute durchgefahren und haben kurz zum Eiskaufen gehalten“, sagt Mitarbeiterin Blesanka Hamann, „aber auch Radfahrer kommen jetzt seltener vorbei.“ Aufgeben will das Eisgeschäft aber nicht: „Wir bleiben so lange, wie wir es schaffen, auch wenn es schwer ist.“

Wir bleiben so lange, wie wir es schaffen, auch wenn es schwer ist.

Blesanka Hamann, Eiscafé Da Lino

Ein gut eingeführtes Restaurant ist das Da Filippo im oberen Bereich der Dammstraße. Inhaber Filippo Errante ist seit 40 Jahren in Hildesheim als Gastwirt tätig und hat daher viele Stammkunden, die auch Umwege in Kauf nehmen, um bei ihm zu essen. Aber für andere Geschäftsinhaber sieht er Schwarz. „Jetzt muss etwas passieren, sonst werden manche Geschäfte nicht überleben.“

Selbst abseits litten Geschäftsinhaber unter der Sperrung der Dammstraße. So würden Bewohner des Moritzbergs oder des Trockenen Kamps über die Bundestraße 1 und die Himmelsthürer Straße statt über die Steinbergstraße fahren. Filippo Errante: „Das macht sich sogar im Kiosk an der Steinbergstraße bemerkbar.“

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