Hildesheim - Seit fast einem Jahr sammelt Taras Savchuk Spenden, um damit Dinge zu kaufen, die die Menschen in der Ukraine gerade am nötigsten brauchen. Und sie mit Transportern in die Kriegsgebiete zu bringen oder hinter der Grenze an Organisationen zu übergeben, die dann große Hilfskonvois organisieren. Es sind seine Landsleute, Savchuk stammt selbst aus Luzk im Nordwesten der Ukraine, er studiert in Hildesheim an der HAWK.
Auch derzeit läuft eine seiner Spendenaktionen – doch ganz anders als zu Kriegsbeginn. In diesem einen Jahr, sagt Savchuk, hat er erlebt, wie sich die Bedürfnisse mit dem Fortschreiten des Krieges wandelten: Anfangs ging es vor allem um humanitäre Güter, um Medikamente, Lebensmittel, Decken, Babykleidung. „Zu dieser Zeit gab es noch viele Binnenflüchtlinge in der Ukraine.“ Inzwischen, wo viele das Land verlassen haben, hilft er, die Männer an der Front auszustatten, ihnen Drohnen zur Aufklärung zu kaufen, Ferngläser, Stirnlampen oder wenigstens Fußsohlenwärmer, die sie in den eisigen Nächten im Gelände schützen sollen.
Früher spendeten viele Leute im Restaurant, heute eher wenige
Zu Ostern 2022 sammelte er über das georgische Restaurant Alazani im Immengarten, in dem er als Kellner arbeitet, vor allem haltbare Lebensmittel, Getreide, Konserven, Tee, Kaffee, Hygieneartikel. Und Geldspenden. Viel kam in kurzer Zeit zusammen – auch das ist heute anders. „Viele Leute sind eher zurückhaltend geworden, was Spenden für die Ukraine betrifft“, sagt er. Und meint: viele Hildesheimer.
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Was sich nach elf Monaten Krieg abzeichnet, hält er für eine Art Gewöhnungseffekt, für eine gewisse Müdigkeit den nicht enden wollenden Nachrichten von Krieg und Flucht, von Bomben und Zerstörung gegenüber, den tausenden Schicksalen getrennter Familien und gefallener Väter. Er kann das gut verstehen, sagt er. „Aber in der Ukraine geht der Krieg weiter. Jeden Tag. Und die Menschen brauchen weiterhin Unterstützung.“
Wer jetzt spendet, das sind die Ukrainer
Diese Unterstützung kommt nun vor allem von denen, die selbst so gut wie nichts haben, erzählt Savchuk: „Es gibt viele ukrainische Familien hier, die vor dem Krieg geflohen sind und jetzt wollen, dass wir ihre Männer unterstützen, so gut es geht.“ Von einer Frau aus Mariupol erzählt er, die selbst gerade 600 Euro pro Monat für sich und ihre Kinder zur Verfügung hat, davon aber regelmäßig 200 Euro spendet – weil ihr Mann einer derer ist, die irgendwo bei Saporischschja kämpfen.
Für sie sammelt Taras Savchuk derzeit. Wer spenden möchte, kann auch diesmal die Spendendose nutzen, die im Restaurant Alazani aufgestellt ist. Ansonsten sind Überweisungen direkt auf das Paypal-Konto von Taras Savchuk möglich: tsavchuk20@gmail.com. Oder als Banküberweisung unter der IBAN DE31259400330215278300.
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