Hildesheim - Die Planung des Wohngebietes am Wasserkamp geht in eine entscheidende neue Phase: Die Stadtverwaltung schlägt den Ratsgremien aus drei Varianten, die bisher zur Diskussion standen, ihren Favoriten vor. Das ist das „Grüne Netz“, auch als Insel-Lösung bekannt: Fünf Bauabschnitte sind in diesem Entwurf von Grünflächen durchwoben wie ein Atoll vom Wasser. Nach Meinung der Verwaltung und der beauftragten Planungsbüros verwirklicht diese Variante am besten die angepeilte Verbindung von Bebauung und Natur. Beides soll quasi gleichberechtigt sein: 2,3 Hektar bebauter Fläche stehen ebenfalls 2,3 Hektar Grün gegenüber.
Fünf Inseln mit „Mikronachbarschaft“
Die kurzen Wege in die Natur sind nicht der einzige Aspekt, der nach Meinung der Planer für die Insel-Lösung spricht. Ein weiterer Vorteil: Die angestrebte abschnittsweise Bebauung, je nach Bedarf, ist mit dieser Variante am besten umzusetzen. Außerdem bilden sich in dem Quartier Wasserkamp fünf Unterquartiere, in denen die Nachbarn näher zusammenrücken können: Diese „Mikronachbarschaft“, so der Planer-Jargon, soll eine besondere Identität schaffen. Ins Auge fällt bei der Vorzugsvariante auch die vielfältige Mischung verschiedener Wohneinheiten: Einfamilien- und Reihenhäuser sowie Mehrfamilienhäuser werden bunt durcheinander angeordnet – sonst haben sie in vergleichbaren Baugebieten in der Regel ihre festen Teilflächen.
Bebauungs-Variante II: die Inseln
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Bei einem Workshop, an dem Mitte Januar rund 160 Hildesheimerinnen und Hildesheimer teilnahmen, hatte sich noch keine Vorzugsvariante herauskristallisiert. „Das wäre aber auch ein mögliches Ergebnis gewesen“, betont Planungsamtschefin Sandra Brouër. Doch bei der Veranstaltung ging es noch viel um grundsätzliche Themen.
Zentrale Themen:Verkehr und Energie
Zum Beispiel um die Energie-Autarkie: Auf fossile Brennstoffe soll bei der Wärmeversorgung am Wasserkamp komplett verzichtet werden. „Wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll“, sagt dazu Stephan Breker-Isa vom Beratungsunternehmen Drees & Sommer, „müssen wir wenigstens bei Neubauten das Maximum herausholen.“
Wenn der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität am 15. März zusammen mit den Ortsräten Marienburger Höhe / Galgenberg und Itzum / Marienburg über das weitere Vorgehen und den Vorschlag der Verwaltung berät, wird wahrscheinlich auch der Verkehr eine Rolle spielen. Der Entwurf der Vorzugsvariante sieht für jede der fünf Inseln eine Quartiersgarage als Haupt-Parkfläche vor. „Der motorisierte Verkehr soll das Quartier möglichst nicht allzu sehr prägen“, erläutert Maximilian Müller vom Planungsbüro MLA+ das Prinzip, das sich dahinter verbirgt. Das favorisierte „Grüne Netz“ ist nach Meinung der Planerinnen und Planer auch die Variante, die am besten mit Bus und Fahrrad erschlossen werden kann – ein weiterer Grund für die entsprechende Auswahl der Verwaltung.
Lebendige Mitte als Treffpunkt
Wie und wo die Quartiersmitte genau gestaltet wird, ist noch offen. Der vorliegende Entwurf enthält mögliche Standorte für Supermarkt, Kita, Drogerie und Co. – „Platzhalter“, wie Brouër sie nennt. Welche zentralen Angebote es letztlich genau geben wird, muss die weitere Beratung und Planung ergeben – auch abgestimmt auf die Märkte drumherum, zum Beispiel am Marienburger Platz. Die Planer halten eine Quartiersmitte jedenfalls für wichtig – nicht nur zur Versorgung der bis zu 3000 Menschen, die einmal am Wasserkamp wohnen könnten, sondern auch in sozialer Hinsicht: „Ein Treffpunkt in der Mitte ist ein Faktor , der für Lebendigkeit sorgt“, sagt Müller.
Lebendig wird es wohl auch am 15. März in der Diskussion der drei städtischen Gremien zugehen. Die Meinungen der Parteien gehen nach wie vor auseinander. Die abschließende Entscheidung, welche Variante in der Planung weiter verfolgt wird, trifft danach nicht das Ratsplenum, sondern der Verwaltungsausschuss in nicht öffentlicher Sitzung.
