Erneuerbare Energien

Wie ein Hildesheimer Unternehmer zum großen Gewinner der Energiewende wird

Hildesheim - Als Knut Bettels zwei Firmen kaufte, die Türme für Windräder bauten, lagen die Betriebe ziemlich am Boden. Nun ist die Nachfrage explodiert. Was bedeutet das?

Am Bettels-Standort in Emden sollen im nächsten Jahr fast zehnmal so viele Windrad-Türme produziert werden wie noch 2022. Auf dem Firmengelände sind viel fertige Betonringe für solche Türme zu erkennen. Foto: Bettels Betonfertigteile GmbH

Hildesheim - Die Beschleunigung der Energiewende in Deutschland mit einem deutlich verstärkten Fokus auf den Ausbau der erneuerbaren Energien erweist sich für den Hildesheimer Unternehmer Knut Bettels immer mehr als Glücksfall. Er hatte in einer Zeit, als der Windkraft-Ausbau fast zum Erliegen gekommen war, zwei Firmen gekauft, die auf die Herstellung von Betontürmen für Windräder spezialisiert sind. Die können sich nun vor Aufträgen kaum retten, ihre Produktionszahlen vervielfachen sich. Die Standorte sind zwar in Emden und Magdeburg, doch auch in Bettels’ Firmenzentrale am Linnenkamp in Himmelsthür sorgt die Entwicklung für mehr Beschäftigung und Umsatz.

An den beiden Bettels-Firmen zeigt sich auch exemplarisch, wie rasant die Bedingungen sich geändert haben. Als der Hildesheimer vor anderthalb Jahren die WEC Turmbau in Emden übernahm, wollte er sie eigentlich unabhängiger von der Wind-Branche machen und mit weniger Personal verstärkt auf Bauteile für Brücken und Tunnel setzen.

Neunmal so viele Türme

Doch dann kam die Ampel-Regierung. Und setzte, schon vor und erst recht nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine, auf einen deutlich schnelleren Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, um in der Stromerzeugung zügig weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Die Ausbauziele wurden bundesweit massiv erweitert, im Landkreis Hildesheim soll zum Beispiel voraussichtlich fünfmal so viel Fläche für Windparks ausgewiesen werden wie bislang.

Und Betriebe, die das Knowhow und die Kapazität zum Bau der bis zu 200 Meter hohen Betontürme für Windräder haben, sind plötzlich wieder extrem gefragt. Das gilt auch für das Emder Unternehmen, das inzwischen als Bettels Betonfertigteile GmbH firmiert. Knut Bettels macht anhand von Zahlen deutlich, wie sich das auswirkt: „2022 haben wir in Emden 36 Türme erstellt, in diesem Jahr werden es voraussichtlich 80 bis 100 sein und im nächsten Jahr etwa 300.“ Einen Großteil davon produziert Bettels im Rahmen einer Kooperation für den deutschen Marktführer Max Bögl.

Boom auch in Magdeburg

Mit diesem zusammen baut Bettels in Emden eine komplett neue Produktionslinie auf, investiert weiter in Maschinen und Anlagen – und sucht „reichlich Personal“, wie er betont. Allerdings geht er davon aus „aufgrund des stark angespannten Personalmarktes zudem auf Leiharbeiter, Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträge zurückgreifen zu müssen“. Zumal in Ostfriesland nicht nur Türme gebaut werden: Im Vorjahr lieferte die Bettels-Firma auch Fertigbetonteile für das neue Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven.

Doch nicht nur in Emden spürt der Hildesheimer den neuen Boom, sondern auch in Magdeburg. Dort hatte Bettels im Juni vergangenen Jahres die Firma SAM Stahlturm- und Apparatebau übernommen. Die hatte früher, wie ihr Emder Pendant, vor allem Windrad-Türme für den Branchenriesen Enercon geliefert – und war ebenso durch massive Auftragseinbrüche bedroht. Nach dem Erwerb hatte Bettels noch von Umstrukturierungen gesprochen und einen Personalabbau nicht ausgeschlossen – weil er zu jenem Zeitpunkt noch damit rechnete, dass erst vom Jahr 2024 an wieder mehr Windräder gebaut werden würden.

Umsatz der Gruppe steigt

Davon ist nun keine Rede mehr. Auch in Magdeburg sucht der Unternehmer händeringend Beschäftigte. Für dieses Jahr erwartet er angesichts vieler neuer Großaufträge eine Verdopplung des Umsatzes auf 50 Millionen Euro, im nächsten Jahr sollen es sogar 70 Millionen werden.

Die beiden Turmbauer gewinnen also innerhalb der Unternehmensgruppe deutlich an Gewicht. Ein „dominierender Geschäftsbereich“ werden sie aber nicht, schränkt Bettels ein. Er hat ja nun auch selbst erlebt, wie schnell sich die Bedingungen im Energiebereich ändern können. Und setzt ohnehin erfahrungsgemäß gern auf mehrere Pferde. Den Jahresumsatz seiner Firmengruppe von zuletzt 280 Millionen Euro dürften die beiden Standorte dennoch spürbar nach oben treiben.

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