Achtum/Kreis Hildesheim - Das Windkraft-Unternehmen Innovent hat seine Pläne für einen großen Windpark in der südlichen Hildesheimer Börde ein zweites Mal öffentlich vorgestellt – im Ortsrat Achtum. Zwei Kritiker des Projektes, die dazu auch bereits zu einer Bürgerversammlung eingeladen hatten, trafen dabei erstmals auf den Investor und nutzten die Gelegenheit, ein paar Fragen zu stellen.
Fokus auf Lärm und Schatten
Das Achtumer Feuerwehrhaus war zum Bersten gefüllt. Rund 60 Menschen drängten sich am Dienstagabend in dem Raum. Ortsbürgermeisterin Martina Poldafit warnte, wenn noch weitere Achtumer Bürger kommen würden, müssten im Gegenzug Einwohner anderer Ortschaften den Saal verlassen. Diese Drohung musste sie allerdings nicht in die Tat umsetzen. Der Raum konnte den Andrang gerade noch bewältigen.
Geschäftsführer Dirk Ihmels und Projektleiter Thorsten Walther von Innovent hielten über weite Strecken den gleichen Vortrag wie kurz vor Weihnachten in der spärlich besuchten Ortsratssitzung in Einum. Allerdings legten sie diesmal einen größeren Fokus auf Lärmbelastung und Schattenschlag – zwei Aspekte, die die Windpark-Kritiker Thomas Kaschel und Andreas Reim aus Dinklar bei ihrer Veranstaltung stark thematisiert hatten, zum Teil mithilfe eigener Berechnungen.
Autobahn und Windpark
Walther führte anhand von Karten aus, in welchen Bereichen wann mit Schattenschlag zu rechnen sei – aufgrund des Standes der Sonne morgens vor allem westlich und nachmittags und abends eher im Osten des Windparks. Er betonte, es gebe klare Grenzwerte – maximal 30 Stunden pro Jahr oder 30 Minuten am Tag dürfe der Schatten der Rotorblätter Wohngebiete treffen. Sei diese Marke erreicht, werde das betreffende Windrad zu Zeiten, zu denen es entsprechende Schatten werfe, automatisch abgeschaltet.
Zum Thema Lärm betonte Ihmels, die einzuhaltenden Grenzwerte basierten auf besonders negativen Annahmen, sprich starker Wind aus einer bestimmten Richtung, der den Schall in Richtung eines Ortes treiben würde. Doch selbst unter diesen Bedingungen würden die Grenzwerte an den Ortsrändern eingehalten. Ihmels räumte aber auch ein: „Lärm empfindet jeder anders.“ Zumal bei den sehr regelmäßigen Geräuschen von Windrädern. Er verwies aber auch darauf, dass je nach Windrichtung der Lärm von der Autobahn 7 die Windrad-Geräusche überlagern könnte.
Kaschel kommt zu Wort
Ortsbürgermeisterin Poldafit unterbrach danach die Sitzung, ließ zunächst Fragen von Achtumer Bürgern zu. Einer wollte wissen, warum Innovent nicht kleinere Windräder bauen könne als die geplanten 240-Meter-Kolosse. „Die neuen sind effizienter und damit wirtschaftlicher, wir müssen ja auch an der Strombörse konkurrieren können“, antwortete Ihmels.
Dann genehmigte die Ortsbürgermeisterin noch drei Fragen für Nicht-Einwohner. Die nutzte Thomas Kaschel aus Dinklar. Vor allem den Zeitplan von Innovent nahm er in den Fokus. Ihmels hatte erklärt, im Idealfall und vorbehaltlich der zahlreichen nötigen Genehmigungen und Prüfungen könne der Bau in dreieinhalb Jahren beginnen. Kaschel wollte es genauer wissen: Ob das Unternehmen nicht in Wahrheit schon wisse, zu welchem Zeitpunkt es sich in einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur bewerben wolle? Das verneinte Ihmels: „Dafür brauchen wir erst die Baureife. Also frühestens in 42 Monaten.“
Warnung vor ungeregeltem Ausbau
Ihmels wiederholte seine Aufforderung an die Gemeinde Schellerten und die Stadt Hildesheim, gemeinsam ein Vorranggebiet für Windkraft auszuweisen und darin unter anderem Mindestabstände von 1100 Metern zur Wohnbebauung festzulegen. Geschehe das bis zum nächsten Jahr nicht, könnten Investoren überall im Stadt- und Gemeindegebiet den Bau von Windrädern beantragen, der Abstand zu den Häusern müsse dann lediglich das Doppelte der Turmhöhe betragen, mithin gut 400 Meter.
Auf Nachfrage bestätigte er, mit beiden Kommunen im Herbst Kontakt aufgenommen zu haben. Schellertens Bürgermeister Fabian von Berg habe sich binnen einer Woche zurückgemeldet, von der Stadtverwaltung in Hildesheim habe er bis heute nichts gehört.
Ungeduld in Schellerten
Kurioserweise waren es die Hildesheimer Ortsräte Achtum und Einum, die Innovent als erste zu Informationsvorträgen über das Windpark-Projekt eingeladen haben. In den betroffenen Schellerter Ortsteilen kam es dazu bisher nicht, was bei Ratsmitgliedern und Bürgern dort für einige Irritationen sorgt, wie einige von ihnen als Besucher in Achtum deutlich machten.
Schellertens Bürgermeister von Berg plant nach eigenem Bekunden eine zentrale Info-Veranstaltung in Schellerten, dafür gibt es allerdings noch keinen Termin. Der Verwaltungschef wiederum hat dazu erklärt, es fehlten noch wichtige Informationen wie etwa die Flächenvorgaben vom Land. Die sollen aber in den nächsten Wochen öffentlich werden. „Wir müssen da jetzt was machen, die Bürger bedrängen uns, und das ist auch verständlich“, sagt ein Schellerter Ratsmitglied in Achtum.
