Kreis Hildesheim - Die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis Hildesheim ist erneut angestiegen. Nach einem Knick durch die eingeschränkte Mobilität wegen der Corona-Pandemie 2020 gab es nun schon zum zweiten Mal mehr Verkehrsunfälle als im Vorjahr.
13 Menschen bei Unfällen im Kreis Hildesheim getötet
Die Zahl der Unfälle mit mindestens einem Schwerverletzten stieg um 15 auf 177. Wie im Vorjahr gab es zwölf Unfälle mit Todesopfern. Da bei einem besonders tragischen Unfall in der Nähe von Hoheneggelsen zwei Menschen getötet wurden, stieg die Gesamtzahl der Todesopfer auf 13.
„Gerade die detaillierte Analyse dieser zwölf leidvollen Unfälle ist uns für eine professionelle Verkehrssicherheitsarbeit wichtig – Gemeinsamkeiten liegen jedoch nur bedingt vor“, sagt Stünkel. Die Unfälle seien über das ganze Jahr und alle Tageszeiten verteilt. Neun Unfälle ereigneten sich außerhalb geschlossener Ortschaften. Acht Verstorbene waren männlich und fünf weiblich. Sieben Unfallopfer waren Auto-Insassen, je zwei Motorrad- und Fahrradfahrer sowie zwei Fußgänger.
Weniger Raser-Unfälle
Auffällig ist die Veränderung bei den Unfallursachen. So ist die Zahl der Raser-Unfälle zurückgegangen – und zwar deutlich um mehr als 34 Prozent. Trotzdem sorgte überhöhte Geschwindigkeit für immerhin drei tödliche Unfälle, bei 21 dieser Unfälle gab es Schwerverletzte.
125 Stundenkilometer – in der 60er-Zone
Bei den Kontrollen im vergangenen Jahr 2022 hat die Polizei insgesamt 6917 Verstöße festgestellt. 203 mal waren die Fahrerinnen und Fahrer so schnell unterwegs, dass sie anschließend für längere Zeit auf ihren Führerschein verzichten mussten. Einer der drastischsten Fälle war ein Audi-Fahrer, der im Mai in einer Baustelle auf der Autobahn bei erlaubten 60 Stundenkilometern mit Tempo 125 unterwegs war. Dafür sieht der Bußgeldkatalog 600 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot vor.
33 Prozent der Unfälle wegen eines Geschwindigkeitsverstoßes werden von jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren verursacht. Dabei starb ein Mensch und neun wurden schwer verletzt. „Es zeigt sich immer wieder, dass in dem Alter die Risikobereitschaft oft zu hoch und das Verantwortungsbewusstsein nach dem Führerscheinerwerb noch zu gering ist“, sagt Stünkel: „Unsere Verkehrssicherheitsarbeit wird sich weiter auf diese, aber auch auf alle anderen Risikogruppen konzentrieren“.
Deutlich mehr Fahrradunfälle
Stark gestiegen ist die Zahl der Unfälle wegen ungenügenden Sicherheitsabstands. Dabei gab es vor allem mehr typische Auffahrunfälle, also etwa vor Kreuzungen, Einmündungen oder bei Stau. Aber auch die registrierten Unfälle, bei denen ein geparktes Auto beim Vorbeifahren gestreift wird, sowie Parkunfälle haben zugenommen.
Deutlich gestiegen ist die Zahl der Fahrradunfälle. 50 mehr als im Vorjahr waren es 2022. Trotz des E-Bike-Booms sind aber immer noch deutlich häufiger herkömmliche Fahrräder involviert als die Zweiräder mit Akku-Unterstützung. Zwei Menschen starben bei Radfahrunfällen, 26 wurden schwer- und 155 leichtverletzt. Mit einem E-Bike wurden sieben Menschen schwer- und 36 leichtverletzt. Der hohe Prozentsatz der Verletzungen zeigt nach Angaben der Experten der Polizeiinspektion, wie folgenschwer Radunfälle sind: Fast immer enden sie mindestens mit Blessuren. Die Experten appellieren daher an die Radlerinnen und Radler, nicht nur möglichst vorsichtig und umsichtig zu fahren, sondern auch einen Helm zu tragen.
Mehr E-Scooter-Unfälle
1910 Fahrräder hat die Polizei im vergangenen Jahr kontrolliert. Davon wiesen 402 technische Mängel auf. 1074 Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer begingen Verstöße. Die häufigsten: Nutzung des Handys während der Fahrt und Benutzung des Radwegs in falscher Richtung.
Deutlich ist der Anstieg der Unfälle mit E-Scootern – wenn auch auf noch sehr niedrigem Niveau. Waren es im Jahr 2021 noch 29, registrierte die Polizei im vergangenen Jahr bereits 36 Unfälle mit E-Scootern. Ein 80-Jähriger wurde dabei schwer- und 24 weitere leichtverletzt.
„Leider wird der Umgang mit den E-Scootern vielerorts noch als Spielerei angesehen: Die möglichen Unfallfolgen – insbesondere bei Fahrten unter Einfluss von Alkohol oder Drogen – werden gänzlich unterschätzt. Wir werden daher auch zukünftig die E-Scooter-Nutzer im Fokus behalten, gezielte Kontrollen durchführen und Präventionsaktionen, insbesondere an weiterführenden Schulen durchführen, um die jungen Fahrenden gezielt über die Folgen aufzuklären“, so Cord Stünkel. Im Jahr 2022 fuhren 69 E-Scooter-Fahrer unter Alkohol- und 49 unter Drogeneinfluss.
