Hildesheim - Das Freilegen der historischen Brücke unter der Dammstraße geht nur langsam voran: In die Baugrube läuft immer wieder Wasser. Das erschwert die Arbeit der Archäologen, die das 850 Jahre alte Bauwerk dokumentieren. Stadt und Stadtentwässerung (SEHI) haben jetzt den Wasserstand der Innerste über das Wehr an der Bischofsmühle senken lassen – ob sich die Lage dadurch wesentlich verbessert, werde sich erst in der nächsten Woche zeigen, sagt SEHI-Bereichsleiter Michael Ködding.
Die Brücke war im Mai 2022 bei Kanalarbeiten entdeckt worden, sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist damit eine der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Steinbrücken in ganz Deutschland. Sie hat vermutlich zehn Bögen, vor dem Jahreswechsel waren davon drei freigelegt – der erste gleich neben der Innerste-Brücke war zerstört, die beiden folgenden sind gut erhalten. Derzeit sind die Archäologen mit dem vierten Bogen beschäftigt. Durch ihn verläuft eine Wasserleitung aus den 50er-Jahren. Diese ist zwar stillgelegt, gleichwohl beeinträchtigt Wasser das Vorhaben: Es sickert immer wieder aus der Brücke in die Grube, von der aus die Archäologen die Beschaffenheit des Bauwerks erkunden und dokumentieren.
Stadt lässt den Wasserstand in der Innerste nebenan senken
Damit die Experten trotzdem arbeiten können, ist der Boden mit Brettern ausgelegt, ständig läuft eine Pumpe, um das Wasser zu entfernen. Gleichwohl steht jeden Morgen, wenn die Archäologen anfangen, ein 20 bis 30 Zentimeter hoher Tümpel in der Grube. Deren Sohle liege etwa einen halben Meter unter jener der Innerste, berichtet SEHI-Bereichsleiter Ködding. Die Stadtentwässerer und die Stadt hoffen nun, die Situation durch das Absenken des Wasserstandes im Fluss zu entschärfen. Tatsächlich dringe weniger Wasser in die Grube ein, heißt es von Seiten der Architekten. „Es dauert ein bisschen, bis sich das reguliert“, sagt Ködding. Wenn der bisherige Eingriff nicht reiche, müsse der Wasserstand in der Innerste eben noch etwas niedriger werden.
Die Stadtverwaltung will im Ausschuss für Stadtentwicklung am 2. März Vorschläge vorlegen, wie mit der Brücke umgegangen werden könnte. Mehrere Politiker haben sich dafür stark gemacht, so viel wie möglich von ihr zu erhalten und zugänglich zu machen. Dem steht der Wunsch entgegen, die Arbeiten sollten schnell erledigt werden, damit die Sperrung der Dammstraße endet und der Verkehr wieder fließt.
