Hildesheim - Der Umgang mit der Brücke unter der Dammstraße ist nicht mehr nur Sache der Stadt Hildesheim: Auch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur befasst sich jetzt mit dem 850 Jahre alten Bauwerk.Wie Ministeriumssprecherin Inka Burow am Freitag bestätigte, ist ihr Haus um eine „fachaufsichtliche Überprüfung beziehungsweise Begleitung des Vorgangs“ gebeten worden. Anlass ist ein Schreiben der SPD-Fraktion an das Ministerium.
SPD vermisst Antworten von Baudezernentin Döring
Die Sozialdemokraten erkundigen sich darin unter anderem, ob die Stadt das Landesamt für Denkmalpflege einbezogen habe, ob für den weiteren Umgang mit der Brücke deren Lage in der Pufferzone für die Hildesheimer Welterbestätten eine Rolle spiele, und ob jene Variante der Stadtverwaltung, die ein Zuschütten des Bauwerks und damit zumindest dessen teilweise Zerstörung vorsieht, nach Ansicht des Ministerium überhaupt genehmigungsfähig sei.
Das hat zunächst bei der Unteren Denkmalschutzbehörde und beim Landesamt für Denkmalpflege „die notwendigen Unterlagen erbeten“, berichtet Sprecherin Burow. Konkret soll das Ministerium nach HAZ-Informationen Stadtdenkmalpfleger Christoph Salzmann und Dr. Marcus C. Blaich vom Landesamt um ihre Akten zu der Brücke und Stellungnahmen zu deren wissenschaftlichem Wert ersucht haben.
Blaich ist stellvertretender Leiter der Abteilung Archäologie und Referent für Mittelalterarchäologie und Bauforschung. Der 54-Jährige ist zudem der zuständige Mitarbeiter für die Dammstraßen-Brücke im Landesamt. Dieses ist in dieser Woche von der Stadt nun mit einem formalen Schreiben hinzugezogen worden. Vorausgegangen war ein öffentlicher Disput zwischen Döring und Blaich, ob ein Kontakt zwischen diesem und Salzmann auf der kollegialen Ebene nicht bereits als Hilfeersuchen zu verstehen gewesen sei.
Mittelalter-Experte des Landesamtes erstmals offiziell vor Ort
Am Mittwoch hat sich Blaich an der Baugrube in der Dammstraße erstmals offiziell mit Mitarbeitern der Stadt getroffen. Auf Anregung des Wissenschaftlers nahmen an dem Gespräch auch Vertreter des Instituts für Baugeschichte und Bauforschung der Technischen Universität Braunschweig teil, Stadtarchäologe Salzmann hatte sie dazu eingeladen. Das Institut soll einen Teil jener weitergehenden Untersuchungen des Baumaterials der Brücke übernehmen, die Blaich in einem Interview mit der HAZ angeregt hatte. Dabei geht es um die Herkunft der Steine und die Art ihrer Bearbeitung.
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Doch was bedeutet es nun eigentlich für den Umgang mit der Brücke, dass das Ministerium mitmischt? Welche Folgen hat das für die Stadt, wie kommen deren Ideen in Hannover an? Da winkt Sprecherin Burow ab: Erst wenn man die Unterlagen vorliegen und ausgewertet habe, ließen sich Fragen beantworten.
Baudezernentin Döring bezeichnete das Interesse des Ministeriums gegenüber der HAZ am Freitag als „ganz normalen Vorgang“; das Ministerium sei schließlich die Obere Denkmalschutzbehörde. „Ich hätte es allerdings besser gefunden, wenn die SPD uns direkt gefragt hätte.“Zudem mache es Arbeit, die Unterlagen zusammenzustellen. Konsequenzen habe die Entwicklung indes nicht: „Wir machen erst einmal so weiter wie geplant.“ Das Ministerium werde allerdings das weitere Vorgehen der Stadt beobachten, meint Döring.
Die Beschaffenheit des Baugrundes sei sehr schwierig
Die Dezernentin hat nach Ansicht des Mittelalter-Experten Dr. Blaich die Kosten in ihrer Varianten-Übersicht für das Zuschütten der Brücke und das Ertüchtigen der Fahrbahn zu niedrig angesetzt. Die Beschaffenheit des Baugrundes in der Dammstraße sei schwierig. Daher dürften zu den angesetzten zwei Millionen Euro weitere „immense Ausgaben“ dazukommen, ist der Wissenschaftler überzeugt.
Die Zuschütten-Variante ist im Rat populär, weil sie die günstigste aller fünf Vorschläge ist und der Verkehr am schnellsten wieder fließen könnte, wenn sich die Politiker für die Lösung entscheiden. So, wie die Lösung in der Döring-Liste steht, ist sie allerdings gar nicht umsetzbar: Die Stadt geht davon aus, dass das Bauwerk dabei zerstört würde – dies ist aber durch das Denkmalschutzgesetz verboten. Anders sähe die Sache aus, wenn die Behauptung des Ingenieurs Jürgen Götz zuträfe, die Brücke ließe sich auch zuschütten, ohne sie zu zerstören. Die Stadt lässt dies gerade erneut prüfen.
