Hildesheim - Die jahrhundertealte Brücke, die etwa 1,50 Meter die unter der Dammstraße verläuft, ist mindestens 50 Meter lang: Das haben Suchbohrungen ergeben. Dadurch steige der Aufwand, das Bauwerk abzutragen, den Boden wieder aufzufüllen und die Fahrbahn zu erneuern, sagte Michael Ködding, Bereichsleiter der Stadtentwässerung (SEHi), am Mittwoch der HAZ. Das hat Folgen für die Sperrung der Dammstraße: Diese müsse voraussichtlich bis zum 20. Juni aufrechterhalten werden, kündigt die Stadt an.
Und es könnte durchaus noch länger dauern, erklärte SEHi-Vertreter Ködding. „Wir wissen nicht ganz genau, was uns da in der Erde erwartet.“ Die SEHi lässt in dem Bereich einen neuen Kanal bauen; Arbeiter waren dabei in der vergangenen Woche auf einen Hohlraum unter einem Gewölbe gestoßen. Das Unternehmen und die Stadt hatten die Dammstraße darauf gesperrt, weil deren Decke einstürzen könnte, wenn der Verkehr weiter darüber flösse. Ursprünglich hieß es, die Straße sei am 13. Juni wieder frei. „Das war aber nur eine Schätzung“, betont Rathaussprecher Helge Miethe.
Unterirdisches Bauwerk ziehtsich bis zur Innerste-Brücke
Das Gewölbe hat sich mittlerweile als Teil einer Bogenbrücke herausgestellt, die unter der Fahrbahn aus Richtung Moritzberg in Richtung Innenstadt verläuft (und damit quer zum neuen Kanal). Nach Angaben Köddings sind bis Mittwoch insgesamt fünf Gewölbe entdeckt worden, das Bauwerk ziehe sich bis zum östlichen Ende der Innerste-Brücke an der Bischofsmühle.
Um Nutzer der Parkgarage der Andreaspassage oder Anliegern aus dem Bereich Umwege zu ersparen, hat die Verwaltung das Linksabbiegeverbot aus der Kardinal-Bertram-Straße in die Schuhstraße aufgehoben. Die entsprechenden Verbotsschilder seien unkenntlich, das Ampelsignal zum Linksabbiegen wieder sichtbar gemacht worden, berichtete Rathaussprecher Miethe. Bislang mussten Autofahrer an der Ecke Kreuzstraße/Im Bohlweg wenden, um aus dem Bereich herauszukommen. Allerdings erfolge die Erlaubnis zum Abbiegen nur „temporär“, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung.
Stadt erlaubt das Linksabbiegen aus der Kardinal-Bertram-Straße
Damit fällt – wenn auch nur vorübergehend – das zweite von ursprünglich drei Abbiegeverboten in die Schuhstraße weg. Die Stadtverwaltung hatte diese Anfang 2018 eingeführt, um die Stickoxid-Belastung einzudämmen und damit eventuelle Fahrverbote zu verhindern. Diese sind aber längst vom Tisch, denn die Luftqualität hat sich verbessert. Daher dürfen Autofahrer und Autofahrerinnen bereits seit Anfang vergangenen Jahres wieder wieder aus der Wollenweberstraße in die Schuhstraße abbiegen. Da nun auch das Verbot in der Kardinal-Bertram-Straße gefallen ist, bleibt derzeit nur noch das Abbiegen vom Kläperhagen in die Schuhstraße untersagt. Der CDU-Politiker Dirk Bettels macht sich mit Blick auf die Sperrung der Dammstraße dafür stark, dass es als Nächstes fällt. Das Thema steht am Donnerstag im Ortsrat Stadtmitte auf der Tagesordnung.
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Der hatte jüngst vermehrte Kontrollen des Durchfahrtsverbotes der Kardinal-Bertram-Straße gefordert: Sie ist wegen einer weiteren SEHi-Baustelle nur für Busse und Anlieger geöffnet. Tatsächlich sind dort aber auch oft andere Autofahrer unterwegs, wie die Polizei immer wieder feststellt. Allein im Mai erwischten die Beamten bei insgesamt elf Kontrollen 245 Fahrer, die nichts in der Kardinal-Bertram-Straße zu suchen hatten. Der Verstoß gegen das Durchfahrtverbot kostet 50 Euro. Viele Fahrer hätten mit Unverständnis reagiert, sagt Polizeisprecher Jan Makowski – und manche erklärt, sie hätten gedacht, die Straße sei wegen der Dammstraßen-Sperrung wieder frei. „Doch das ist nicht so“, betont Makowski.
von Rainer Breda und Julia Haller
