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„Hätten sie besser machen können“: Viel Unverständnis und Wut über Sperrung der Dammstraße

Hildesheim - Frustration, Ärger, aber mitunter auch Verständnis: Die Sperrung der Dammstraße in Hildesheim wirkt sich auf viele Hildesheimer aus. Ein Besuch vor Ort.

Hildesheim - Für Heike Mörder und ihre Kollegin Steffi Schmidt von der Landschlachterei Bartels hätte es kaum schlimmer kommen können. Die Stadt sperrte am Dienstag die Dammstraße wegen eines Hohlraums unter der Fahrbahn für den Durchgangsverkehr, viele Menschen glaubten aber, dass jetzt generell niemand mehr in die Straße dürfe – und in der Metzgerei blieben von heute auf morgen frische Steaks, Würstchen und Aufschnitt liegen. „Wir haben derzeit vielleicht noch die Hälfte unserer Kunden“, berichtet Heike Mörder, die die Filiale leitet, am Freitag.

Wir haben derzeit vielleicht noch die Hälfte unserer Kunden

Heike Mörder, Filialleiterin Landschlachterei Bartels

Am Tag zuvor, dem Himmelfahrtstag, hatte die Filiale sogar geöffnet, um den vielen Feierenden noch das Grillgut für den Feiertag zu liefern. „Aber dann kam kaum jemand“, sagt Mörder. Die Ware musste zurück in die Zentrale.

Unklarheiten über Verkehrssituation

Wie in der Landschlachterei warten nach der Sperrung zahlreiche Geschäftsinhaber und Mitarbeiter vergeblich auf Kunden. Anlieger und deren Besucher dürfen zwar von der Schuhstraße aus und aus der anderen Richtung der Schützenwiese kommend bis zur Baustelle fahren – aber viele wissen das eben nicht.

Andere wissen, dass Anlieger reinfahren dürfen – aber nicht, dass an der Kreuzung zur Johannisstraße trotzdem Schicht ist. Hier haben Fachleute während der Kanalsanierung ein altes Gewölbe samt Hohlraum freigelegt. Aus Sorge, die Straße könnte absacken, bleibt die Dammstraße vermutlich noch Wochen gesperrt. Auch der Ortsrat Stadtmitte will am Donnerstag in einer Sondersitzung über das Thema sprechen.

Unmut ist bei vielen groß

Der Unmut darüber ist bei vielen Menschen groß. Geschäftsleute beklagen, dass sie nicht informiert worden seien. Viele Anlieger – vor allem südlich der Dammstraße – fühlen sich abgehängt. „Das hätte die Stadt wirklich besser machen können“, findet eine Anwohnerin aus der Straße Kleine Venedig. Manche Touristen greifen zum Telefon, ehe sie zum Roemer- und Pelizaeus-Museum aufbrechen.

„Ich hatte heute schon mehrere Menschen am Telefon, die sich erkundigen wollten, wie sie zu uns kommen“, berichtet Mitarbeiter Jens Matuschek am Eingang des Museums. Sogar Busse können das RPM weiterhin ansteuern – allerdings nur aus Richtung Osten kommend.

Eine Mitarbeiterin des nahen Café Engelke will zwar weder ihren Namen nennen noch auf einem Foto zu sehen sein – ist aber trotzdem mächtig geladen. Die Auslage ist üppig gefüllt, aber die Kunden bleiben aus. Ein Großteil des Backwerks bleibt liegen. Eigentlich schließt die Bäckerei freitags um 17 Uhr. „Aber das hat heute keinen Zweck“, sagt die Frau. „Wir machen um 12 Uhr zu.“

Wir machen heute um 12 Uhr zu

Bäckereifachverkäuferin in Engelkes Stadtcafé

Die Stadt hatte schon am Mittwoch deutlich gemacht, dass es zu dieser Sperrung keine Alternative gebe. Bei vielen Anwohnern und Menschen, die die Dammstraße regelmäßig passieren, gärt es trotzdem. Die zeitgleiche Sperrung mit der Kardinal-Bertram-Straße sei eine Zumutung, meint etwa Carmen Hollemann. Vor allem deshalb, weil auch nirgends eine Umleitung ausgeschildert sei. „Ich bin 30 Minuten durch die Stadt gegurkt, um von außerhalb nach Hause und in meine Physiopraxis zu fahren“, ärgert sich Hollemann.

Katja Dammann, Inhaberin des Fahrradhauses Dammann, findet hingegen, dass die Stadt an dieser Stelle einen guten Job macht. Und das Geschäft sei nicht erst seit der Sperrung, sondern schon vorher wegen der Inflation und der spürbaren Kaufzurückhaltung der Kunden schwierig gewesen.

„Das ist alles nicht schön“, sagt Dammann. „Aber wenn man dann nach Osten schaut, relativiert es sich gleich wieder“, findet die Geschäftsfrau. Beim Krieg in der nahen Ukraine würden zeitgleich Menschen sterben. Vor diesem Hintergrund hält sie die eigenen Probleme in Hildesheim für überschaubar.

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