Kreis Hildesheim - Am Donnerstag hat das Landesgesundheitsamt für den Kreis Hildesheim eine Sieben-Tage-Inzidenz von 57,3 ausgewiesen – mit minus 96 Corona-Infektionen. Schnell war klar, dass hier ein Fehler vorliegen muss. Das bestätigten sowohl das Landesgesundheitsamt als auch der Landkreis.
„Beim Landkreis Hildesheim kam es zu einem Update der Melde-Software, dadurch ist es vermutlich zu Fehlern bei der Übertragung der Corona-Zahlen gekommen“, sagte Holger Scharlach, Pressesprecher des Landesgesundheitsamt. Offenbar seien Fälle falsch klassifiziert worden und deshalb aus der Statistik herausgefallen. Am Folgetag werde das Landesgesundheitsamt voraussichtlich wieder einen richtigen Wert veröffentlichen.
Coronavirus im Kreis Hildesheim: Alle Informationen auf einen Blick
Kurze Zeit später gab Landkreis-Sprecherin Birgit Wilken gegenüber der HAZ an, dass ein erneutes Update durchgeführt werde – und die Fälle anschließend noch einmal an das Landesgesundheitsamt übermittelt werden. Das könne jedoch nicht dazu führen, dass die Infektionen doppelt gezählt werden, betonte die Sprecherin. Denn jeder Fall hat eine eigene ID. Wie lange die Prozedur dauert, konnte sie nicht sagen.
Die Hintergründe der Inzidenz-Berechnung
Doch wie funktioniert die Datenerfassung beim Landesgesundheitsamt überhaupt? Laut dessen Sprecher Scharlach erfolgt die Übermittlung, Auswertung und Aktualisierung der Daten der niedersächsischen Gesundheitsämter über ein IT-System. Dieses stelle sicher, dass sämtliche eingehende Meldedaten aus den Landkreisen nach dem gleichen Schema verarbeitet werden.
Innerhalb des gleichen Tages könne man Fehler wie den heutigen aus Hildesheim meist nicht kurzfristig berichtigen: „Aufgrund der Komplexität der Meldedaten“ sei eine händische Aktualisierung nicht möglich, so Scharlach. Deswegen erfolgt die Korrektur meist erst am Folgetag.
Auch der Software-Betreiber des Programms ÄSKULAB21.net, über das das Hildesheimer Gesundheitsamt seine Corona-Fälle meldet, bestätigt auf HAZ-Anfrage das Problem am Donnerstag bei der Übermittlung der Daten an die Landesbehörde. Ans Robert-Koch-Insitut (RKI) seien hingegen die richtigen Daten aus Hildesheim gesendet worden. Die Zahlen, die RKI und Landesgesundheitsamt für die Landkreise melden, unterscheiden sich allerdings häufig – das liegt an unterschiedlichen Erfassungszeitpunkten.
Wenige technische Probleme
Dem Sprecher zufolge kommen technische Pannen bei der Übermittlung von Meldedaten aus den Landkreisen nicht häufig vor. Die meisten Probleme ließen sich in Abstimmung mit den Landkreisen oder kreisfreien Städten innerhalb eines Tages lösen.
In Hildesheim erst vergangene Woche eine Panne
In Hildesheim gab es jedoch schon öfter Probleme: Zum Beispiel erst am vergangenen Mittwoch. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Inzidenz eigentlich wohl schon über die kritische 100er-Grenze gestiegen wäre, wurden vom Landesgesundheitsamt keine Neuinfektionen gemeldet – der Landkreis hingegen registrierte an diesem Tag 71 neue Corona-Fälle in Stadt und Landkreis.
Diese hohe Zahl an Neuinfektionen hat dazu beigetragen, dass der Kreis Hildesheim sich am Samstag offiziell zur Hochinzidenzkommune erklärt hat, nachdem die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 lag.
Inzidenz dürfte am Donnerstag bei knapp unter 100 liegen
Berechnet man den Inzidenzwert aufgrund der sechs vorliegenden, vom Landesgesundheitsamt gemeldeten täglichen Neuinfektionszahlen aus den vergangenen Tagen und der 49 aktuell vom Landkreis Hildesheim gemeldeten Fälle, so kommt man am Gründonnerstag auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 100. Der Wert liegt bei 98,9.
Die für den Inzidenzwert allein ausschlaggebenden Landeszahlen weichen aber häufig leicht von den Hildesheimer Zahlen ab, unter anderem wegen anderer Zählweisen und Meldezeitpunkte. Das könnte hier spürbare Folgen haben: Hätte das Land, das am Karfreitag die Zahlen nachmelden will, nur vier Fälle mehr registriert als das Kreisgesundheitsamt, läge der Wert für den Landkreis Hildesheim bereits wieder über der 100-er-Grenze: bei 100,3.
