Hildesheim - Christopher Langheim ist Kfz-Meister. Als gelber Engel beim Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) hat er aber nicht nur mit Kraftfahrzeugen zu tun. „Ich habe auch schon mal an einem auftragsschwachen Tag eine 20-Meter-Yacht repariert.“ Zugegebenermaßen sei das dann doch eher eine Ausnahme gewesen. Was mittlerweile jedoch schon deutlich häufiger vorkommt, ist, dass Langheim mit seinem gelben Dienstwagen zu einem defekten Fahrrad ausrücken muss. Seit 2022 bietet der ADAC seinen Pannenservice nämlich auch für Fahrräder an. „Es hat eine ganze Weile gedauert, bis sich das rumgesprochen hat, aber seit diesem Jahr ist es wirklich spürbar“, sagt Langheim. Die Einsatzfahrzeuge der Pannenhelfer sind entsprechend aufgerüstet worden. „Wir haben jetzt immer Flickzeug dabei“, sagt Langheim. Außerdem einen Fahrrad-Montageständer, der mit wenigen Handgriffen auf der Anhängerkupplung des Autos angebracht werden kann.
Eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker hat der Kfz-Mechatroniker nicht abgeschlossen. „Wir haben aber alle einen Lehrgang bekommen.“ Es gehöre zur Kompetenz der gelben Engel, sich schnell in verschiedene Systeme einzuarbeiten, sagt Langheim. Bei bestimmten Defekten rät der ADAC den Havarierten dann aber auch, eine Fachwerkstatt aufzusuchen. „Wir flicken Schläuche und können abgesprungene oder gerissene Ketten reparieren.“ Auf weitere Reparaturleistungen hätten die Mitglieder keinen Anspruch. „Wir kommen natürlich trotzdem vorbei, und wenn wir etwas reparieren können, machen wir das auch“, versichert Langheim. Bei einer kaputten Schaltung sei das schon heikler. „Die können wir so einstellen, dass das Fahrrad wieder fährt, aber für die Feinjustierung schicken wir die Kunden dann doch lieber in die Werkstatt.“
Die häufigsten Fahrrad-Pannen
Die häufigste Pannenursache beim Fahrrad ist laut ADAC ein Reifenschaden. Der verursache bislang 69 Prozent der Fahrrad-Einsätze. In nur acht Prozent der Fälle eilen die gelben Engel zu einem Problem mit der Kette. „Wir helfen übrigens auch, wenn ein E-Bike-Akku leer ist“, betont ADAC-Sprecherin Alexandra Kruse. „Dann wird – wenn notwendig – vom Schadenort bis zur nächsten geeigneten Werkstatt abgeschleppt. Oder zu einem gewünschten, in gleicher Entfernung liegenden Ort.
Also im Grunde wie beim Auto. Das ist beim ADAC übrigens immer mit abgesichert. Eine vergünstigte Mitgliedschaft nur für Radfahrende gibt es nicht. Oder wie Kruse es ausdrückt: „Die Fahrrad-Pannenhilfe gehört zum großen ADAC Leistungsportfolio, das weit über die Pkw-Pannenhilfe hinaus geht.“ Da aber immer mehr Mitglieder auf das Fahrrad stiegen, habe sich der ADAC den veränderten Anforderungen einer sich rasant ändernden Mobilität stellen wollen. „Im Kern geht es darum, bei einer Panne die Weiterfahrt so schnell es geht zu ermöglichen.“ Egal, ob beim Auto, Fahrrad oder E-Bike. Gut zu wissen für alle, die im ADAC sind: „Minderjährige Kinder von Mitgliedern sind immer mitgeschützt.“
Das gehört noch zum Service
Aber wie lange muss ein Mitglied durchschnittlich warten, wenn es wegen einer Panne die Fahrradtour unterbrechen muss? „Wir kommen so schnell wie möglich zum Havaristen“, sagt Kruse. Wie schnell genau, das hänge unter Umständen auch vom aktuellen Pannenvolumen und vom Verkehrsgeschehen ab. Genauer will sich die ADAC-Sprecherin offenbar nicht festlegen. Dafür betont sie, dass die Straßenwachtfahrer bei Pannen mit Fahrrad, E-Bike, Pedelec und Fahrradanhänger rund um die Uhr helfen. Zum Service gehöre auch die Bergung von Gepäck oder Ladung. „Einzige Voraussetzung: der Einsatzort muss von den Pannenhelfern mit ihren Einsatzfahrzeugen im Rahmen der Straßenverkehrsordnung erreichbar sein.“
Wie viele Fahrrad-Einsätze des ADAC es im Landkreis Hildesheim bislang gegeben hat, ist laut Kruse nicht bezifferbar. Für den Einsatzbereich Hildesheim/Göttingen kann der ADAC aber mitteilen, dass es im vergangenen Jahr 118 solcher Einsätze gegeben hat. „Im ersten Halbjahr 2024 waren es 56.“ Bundesweit hätten die gelben Engel 2023 insgesamt 15.680 Fahrräder wieder flott gemacht, 749 davon in Niedersachsen. Christopher Langheim, der bis 2022 eigentlich nur mit Kraftfahrzeugen zu tun hatte – und einmal mit einer Yacht –, betrachtet die Aufgabenerweiterung wohlwollend. Ob er lieber Autos oder Fahrräder repariere, könne er nicht sagen. „Ich mag den Mix.“
