Kreis Hildesheim - Mehr als zwei Jahre lang konnten Stadt und Landkreis Hildesheim sich nicht einigen, wie in Zukunft eine gemeinsame Trägerschaft für die durch Corona ins Schlingern geratene Volkshochschule aussehen könnte. Nun gibt es anscheinend den Durchbruch: Die Mehrheitsgruppen des Kreistages (SPD, Grüne, Linke, GUT und Die Partei) und des Stadtrates (SPD, Grüne, Linke, Die Partei) haben sich auf ein Modell verständigt, mit dem die Volkshochschule künftig komplett in die Trägerschaft der öffentlichen Hand übernommen wird.
Auf städtischer Seite ist bisher noch ein Verein dazwischengeschaltet. Dessen Anteile sollen nun die Stadt zu 52 Prozent und der Landkreis zu 48 Prozent übernehmen, so der von der Gruppen ausgehandelte Beschlussvorschlag. Dem müssen nun Kreistag und Stadtrat zustimmen. Da die Mehrheitsgruppen jeweils dahinterstehen, dürfte das aber nur eine Formalie sein.
Besonders die Rolle des Volkshochschul-Vereins war der großen Kreistags-Koalition aus SPD und CDU in der vergangenen Wahlperiode ein Dorn im Auge. Die Groko strebte erst an, die VHS mit dem Landkreis ganz zu übernehmen, und drohte dann in einer nächsten Eskalationsstufe, gleich eine eigene Volkshochschule zu gründen.
Interessenskonflikt zwischen Stadt und Kreis blieb
Dann führte die Kommunalwahl im Herbst 2021 zu neuen Mehrheitsverhältnissen. Der Interessenskonflikt zwischen Stadt und Kreis blieb, sogar parteiintern: Im Mai dieses Jahres bekräftigte der SPD-Stadtverband sein Ziel, die Stadt dürfe ihren Einfluss auf die Volkshochschule nicht verlieren. Nun also die Einigung – nach fast zweieinhalb Jahren Meinungsverschiedenheiten. Denn das Ringen um eine Lösung startete im Juni 2020, als die damalige VHS-Chefin Margitta Rudolph ankündigte, der Volkshochschule drohe im folgenden Herbst die Insolvenz. Seitdem suchte die Politik nach einer tragfähigen Basis für die Bildungseinrichtung.
Die aktuellen Pläne der Mehrheitsgruppen gehen über eine Neuordnung der VHS hinaus. Sie wollen, wie sie in einer Pressemitteilung betonen, die gesamte außerschulische Bildungslandschaft besser vernetzen und denken dabei an Kooperationen zwischen der Volkshochschule, den Musikschulen, den Bibliotheken, dem Medienzentrum und dem Schulbiologiezentrum. Das Ziel sei, „eine gleichberechtigte Teilhabe aller zu sichern und eine regionale Bildungsmarke zu entwickeln“. Das Ganze soll, auch in Zusammenarbeit mit den Kommunen, bis 2024 geschehen – der Weg dorthin bleibt aber in dem Antrag noch offen.
Zuschuss von 100.000 Euro
Das neue Träger-Konstrukt soll eine sichere Basis sein, auf der es dann gilt, neue Ideen zu entwickeln. Bisher sind der Landkreis über eine Holding und der Hildesheimer Volkshochschul-Verein zu gleichen Teilen Träger der Volkshochschule, der Kreis trägt aber den größten Teil der Kosten. Künftig soll der Landkreis die VHS zu 50 Prozent über die Holding und zu 24 Prozent direkt tragen. Der Stadt bleiben 26 Prozent. Sie soll die Einrichtung mit einem jährlichen Zuschuss von 100.000 Euro fördern – das sind etwa 200.0000 Euro weniger als der indirekte Zuschuss der Stadt über den Volkshochschul-Verein. Dieses Defizit übernimmt der Landkreis.
Der Verein verschwindet nicht in der Versenkung, er soll weiter einen von zwei städtischen Aufsichtsratssitzen besetzen. Wichtige Entscheidungen sollen dort mit einer Dreiviertelmehrheit getroffen werden – so bleibt der Einfluss der Stadt, den die Hildesheimer SPD gefährdet sah, erhalten.
