Fußball Regionalliga Nord

Eine Torjägerin als Linienrichterin, sechs Abschiede, ein Torrekord und neun Treffer beim Hildesheimer Abschied aus der Regionalliga

Hildesheim - Eigentlich hätte das abschließende Saisonspiel des VfV 06 Hildesheim zum Sommerkick werden können. Doch es war eine Menge drin. Zudem verabschiedeten die Borussen sechs Personen.

Erzielte den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer für den VfV 06 Hildesheim: Mohammad Baghdadi. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Da war eine Menge drin im vorerst letzten Regionalliga-Spiel des VfV Borussia 06 Hildesheim gegen den BW Lohne. Neben sechs Verabschiedungen, fielen neun Treffer, darunter zwei von Hildesheims Moritz Göttel der den bisherigen Rekord der Regionalliga Nord eingestellt hat, zudem wurde eine Torjägerin kurzerhand zur Linienrichterin.

Eigentlich hätte die Begegnung zwischen den Hildesheimern und den Lohnern im Friedrich-Ebert-Stadion vor knapp 300 Zuschauern zu einem müden Sommerkick werden können. Nach dem feststehenden Abstieg der Hildesheimer hatte die Partie nur statistischen Wert. Im Vordergrund standen auf Seiten der Borussen die Verabschiedungen von sechs Personen. Neben Cheftrainer Markus Unger, der unter der Woche bekanntgab, den Weg in die Oberliga nicht mitzugehen, nahmen die Hildesheimer auch Abschied von fünf Akteuren. Torwart Antonio Brandt und die Feldspieler Emre Aytun, Jarno Engler, Silas Steinwedel und auch Torjäger Moritz Göttel erhielten Abschiedspräsente. Von der Vereinsführung hieß es: „Wir verabschieden heute nur die Spieler, die uns bis Freitagabend mitgeteilt haben, den Verein zu verlassen.“

Göttels neuer Klub wohl ab Montag bekannt

Über den bevorstehenden Abgangs des Torjägers war bereits seit längerem spekuliert worden. Göttel sagte nach der Partie selbst: „Montag wird mein neuer Verein wohl feststehen.“ Während Engler nach HAZ-Informationen zurück zum MTV Wolfenbüttel wechseln könnte, sollen Steinwedel und Aytun wohl in der Regionalliga bleiben. Noch ohne neuen Verein ist Keeper Brandt.

Die vorerst letzten 90 Minuten auf Viertliganiveau für die Hildesheimer brauchten zunächst etwas Anlaufzeit. Nach etwas mehr als 20 Minuten zwang Mohammad Baghdadi Lohnes Torwart Jakob Sieve nach einem Freistoß zu einer Glanztat. Die Gäste hatten zuvor nur die Latte getroffen.

Lohne führt, Borussia kommt zurück

Besser machte es dann Bennet van den Berg, der vom Elfmeterpunkt zum 0:1 traf. Alexander Dikarev hatte zuvor einen Lohner im Strafraum zu Fall gebracht. Und es kam noch dicker: nach einem Ballverlust von Niklas Rauch staubte Jonas Burke aus kurzer Distanz sogar zum 0:2 (36.) ab. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Nur zwei Minuten nach dem 0:2 traf Baghdadi zum Anschluss, er war zuvor von Yusuf Akdas in Szene gesetzt worden. Mit dem Halbzeitpfiff traf Moritz Göttel sogar zum Ausgleich. Es war sein 23. Saisontreffer, den er nach einer Kopfballablage von Jarred Kambamba verwandelte.

Und Göttel sollte sogar noch den Torrekord der Regionalliga Nord von Rogier Krohne (BV Cloppenburg) einstellen. Per Handelfmeter traf er direkt nach Wiederanpfiff zum 3:2 und damit Saisontor Nummer 24.

Torjägerin hilft als Linienrichterin aus

Kurz darauf hatte eine Torjägerin ihren großen Auftritt. Weil Schiedsrichter Lasse Holst über Probleme klagte und das Match nicht weiterleiten konnte, gab es eine Durchsage im Stadion nach einer Person mit Schiedsrichter-Schein. Auf der Tribüne weilte die Hildesheimerin Elif Ciblak, im Besitz einer Lizenz. Kurzerhand marschierte sie auf den Platz und übernahm den Posten als Linienrichterin. Furkan Cevdet Vardar wurde dafür zum Hauptschiedsrichter. Ciblak sagte später: „Eigentlich wollte ich das nicht machen, das war mir ein bisschen zu viel.“ Doch Vater Turhan Ciblak und Schwester Dilara überreden die Fußballerin des VfV 06. Kurzerhand verschwindet sie mit dem Schiedsrichter-Team in der Kabine und zieht sich um. Fortan übernimmt die 16-jährige die Fahne an der Seitenlinie. „Bevor hier keiner hilft, habe ich mir gedacht bringe ich das schnell über die Runden“, ergänzt sie. Lob gab es später vom Kollegen Cevdet Vardar: „Das hat sie super gemacht, vielen Dank.“

In den verbleibenden 30 Minuten ging es dann torreich zu. Zunächst traf Hady El Saleh zum 4:2, doch die Lohner schlugen in den letzten zehn Minuten zurück. Drilon Demaj traf per Strafstoß zum 4:3, Jannik Zahmel zum 4:4 und in der 101. Minute gelang Thorsten Tönnies per Kopf sogar das 4:5. Hildesheims scheidender Trainer Markus Unger sagte nach Abpfiff nur: „Ein Spiegelbild unserer Saison.“

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