Als Symbol für Toleranz

Hildesheim soll schwule und lesbische Ampelfiguren bekommen

Hildesheim - An mehreren Fußgängerampeln in Hildesheim leuchten künftig aller Voraussicht nach statt der herkömmlichen Figuren unter anderem stilisierte schwule oder lesbische Paare – dafür hat sich jetzt ein Ausschuss ausgesprochen. Außerdem kamen auch zwei weitere Themen auf den Tisch.

In anderen Städten – hier ein Beispiel aus Wien – sind auf manchen Ampeln nicht die klassischen Männchen zu sehen, sondern homosexuelle Paare. Solche Symbole soll es künftig auch in der Schuhstraße und in der Kaiserstraße in Hildesheim geben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hildesheim - Wer am Huckup die Schuhstraße und am Almstor die Kaiserstraße überquert, sieht dabei aller Voraussicht nach künftig statt der herkömmlichen Ampelmännchen andere Symbole: Der Stadtentwicklungsausschuss hat empfohlen, die klassischen Scheiben durch „Ampelmenschen in vielfältigen und queeren Konstellationen der Liebe sowie das Transgender-Symbol“ zu ersetzen. Man könne damit ein Zeichen setzen, um die Toleranz gegenüber Diversität und queerem Leben zu fördern und diese sichtbar zu machen, sagte Grünen-Ratsfrau Julia Gebhardt, die den entsprechenden Antrag vortrug.

Der stammt von der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI. Die drei Partner haben darin auch hinterlegt, welche Figuren nach ihren Vorstellungen am Huckup und am Almstor, perspektivisch aber auch an anderen Fußgängerampeln, aufleuchten sollen: zum Beispiel „Frau/Frau, Mann/Mann und Frau/Mann – inklusive Schmetterlingen und Herzchen“. Letzteres ist zum Beispiel in Wien zu sehen.

Grüne wünschen sich „Zeichen für Liebe und queeres Leben“

Auch Hamburg, Flensburg, Frankfurt, Hannover, Marburg, Köln und andere Städten setzten auf diese Weise ein Zeichen für Liebe und queeres Leben, betonte Gebhardt. Hildesheim solle sich ihnen anschließen, um die Akzeptanz für verschiedene Lebensweisen zu schaffen.

Die Mehrheitsgruppe rechnet pro Ampelscheibe mit jeweils 60 Euro Kosten für Fertigung und Einbau, sie verweist dabei auf Erfahrungen der Stadt Göttingen. Hildesheim müsste daher für den Austausch in der Kaiserstraße und in der Schuhstraße insgesamt rund 800 Euro ausgeben, sagte Gebhardt.

Michael Körber: „Wir sollten Tiere als Symbole nehmen, das stört niemanden“

Bei dem AfD-Vertreter Michael Körber kam der Vorschlag nicht gut an: Er sei keineswegs schwulen- oder lesbenfeindlich, versicherte er. Doch der Antrag gehe ihm zu weit. „Wir sollten Tiere als Symbole nehmen, das stört niemanden.“ Die Stadt sollte die 800 Euro besser für andere Dinge ausgeben. „Wir sollten das ablehnen“, forderte Körber.

Mit der Haltung stand der AfD-Vertreter allein, SPD-Ratsherr Marcus Krettek widersprach ihm ausdrücklich: Hildesheim zeige mit den Symbolen, dass „wir wirklich weltoffen und tolerant sind“. CDU-Ratsherr Martin Eggers fragte zwar skeptisch bei der Verwaltung nach, ob die Kosten einschließlich des Arbeitsaufwandes nicht höher seien und ob die Verwaltung diesen angesichts ihrer Personallage überhaupt leisten könne. „Das kriegen wir schon hin“, erwiderte jedoch Baudezernentin Andrea Döring – allerdings nicht „zeitnah“, wie es die Mehrheitsgruppe fordert: Die Verwaltung müsse erst die Ampelumrüstung im Zuge der „Netzwiderstände“ erledigen (die für Herbst vorgesehen ist). Die endgültige Entscheidung über den Antrag der Mehrheitsgruppe fällt am 26. Juni der Rat.


Weitere Ausschussthemen

Wohnmobilplatz: In der Mehrheitsgruppe gibt es große Vorbehalte gegen den Vorentwurf der Stadt für die geplante Anlage am Vier Linden: Man sei zwar grundsätzlich für den Stellplatz, betonte Marcus Krettek für die SPD. Doch es gebe in einigen Punkten Gesprächsbedarf. So sei das Projekt mit 1,6 Millionen Euro zu teuer, sagte dessen Fraktionskollege Tobias Eckardt – schließlich habe der Rat ursprünglich nur 380 000 Euro vorgesehen. Die Stadt müsse den Entwurf auf jeden Fall abspecken. Grünen-Vertreter Thomas Kittel warf die Frage auf, ob die räumliche Aufteilung nicht zu eng sei und monierte, dass die Investition erst nach 17 Jahren refinanziert sei: „Ist das wirklich gut durchdacht?“ Und so verzichtete der Ausschuss auf Wunsch der Mehrheitsgruppe auf eine Beschlussempfehlung für den Rat. CDU-Ratsherr Martin Eggers missfiel dieser Kurs: Es sei Zeit, mit dem Thema endlich voranzukommen.

Hohnsenhof: Das Immobilienprojekt der Lüder-Gruppe an der Ecke Hohnsen/Renatastraße tritt in die nächste Phase ein: Einstimmig empfahl der Ausschuss, den Bebauungsplan für das Vorhaben öffentlich auszulegen. Der Beschluss war bereits für die vorherige Sitzung im Mai vorgesehen gewesen, aber auf Wunsch der Mehrheitsgruppe verschoben worden: Sie bezweifelte, dass die vorgesehenen Parkplätze reichen – die Verwaltung und Lüder haben sich mit Blick auf ein spezielles Mobilitätskonzept mit Car-Sharing-Angeboten, ÖPNV-Tickets und Lastenradverleih darauf verständigt, die Zahl der Stellplätze zu reduzieren. Lüder-Geschäftsführer Thomas Eisenburger gelang es nun in der Sitzung am Mittwochabend gemeinsam mit Planungsamtschefin Sandra Brouër, die Bedenken zu zerstreuen: Beide verwiesen auf die Möglichkeit, dass das Unternehmen bei Bedarf den ehemaligen Parkplatz des Städtischen Krankenhauses in der Renatastraße um mehrere Etage aufstocken könne.

Bei Lüder ist man angesichts der Erfahrungen mit dem benachbarten Studentenwohnheim Bude 12 sicher, dass viele der künftigen Hohnsenhof-Bewohner gar kein Auto haben, sondern mit dem Fahrrad und der Bahn unterwegs sind. Hintergrund: Die 130 Wohnungen, die neben Dienstleistern, Restaurants und Büros an der Ecke Hohnsen/Renatastraße entstehen sollen, sind ausschließlich für Studenten vorgesehen. „Wir weigern uns, Beton in die Erde zu treiben, um Autos unterbringen zu können, die es vielleicht gar nicht gibt“, erklärte Eisenburger. Der versicherte, im Hohnsenhof werde es einen Sozialwohnungsanteil von 20 Prozent zu geben, die Nettokaltmiete für ein möbliertes Zimmer würde bei einer N-Bank- Förderung 12 Euro pro Quadratmeter betragen. Nicht gerade wenig, fand Hamun Hirbod (PARTEI).

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