Hildesheim - Am Freitag deutete es sich schon an, dass auch in Hildesheim die Regeln wieder schärfer werden. Am Samstag meldete das Landesgesundheitsamt für den Landkreis Hildesheim dann einen steigenden Inzidenzwert, der nun bei 109,5 liegt. Am dritten Tag in Folge liegt der Wert damit offiziell über der 100er-Marke. Eine Folge: Der Landkreis hat nun die „Notbremse“ gezogen – am Samstag hat er Hildesheim zur Hochinzidenzkommune erklärt, somit gelten ab Dienstag für den Einkauf im Einzelhandel wieder die Lockdown-Regeln (Click&Collect), die vorsichtige Öffnungsphase ist beendet.
Die zu erwartende Verschärfung fürs Einkaufen spiegelt sich am Samstagvormittag in der Innenstadt jedoch nicht wider. Die Fußgängerzone ist ebenso leer wie die meisten der geöffneten Läden. Liegt es am regnerisch-stürmischen Wetter, oder drückt das eine allgemeine Resignation und Einkaufsmüdigkeit aus? Im Textilhaus Kressmann stöbert Annette Evers mit ihrem Gatten durch die Abteilungen. Beide hatten sich schon vor längerer Zeit einen Termin reserviert. „Da passte dieses Wochenende eben gut bei uns“, sagt sie. Dass es möglicherweise eine der letzten Möglichkeiten für nicht absehbare Zeit sein könnte, hatte sie nicht im Blick.
Keine Interneteinkäufe
Aber eines dabei ist ihr doch wichtig: „Wir kaufen nicht über das Internet ein, wir nutzen den regionalen Einzelhandel.“ Durch ihr Einkaufsverhalten wolle sie den auch unterstützen. Das wird Inhaber Axel Kressmann sicherlich freuen, doch auch er klingt eher resigniert, wenn er über die vergangene kurze Phase der leichteren Lockerung spricht. „Wir können bis zu 90 Kunden bei uns aufnehmen, diese Zahl haben wir nie erreicht, der höchste Wert lag bei etwa 60“, sagt er .
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Auch an diesem Samstagvormittag könnten noch weitere 40 Kunden ins Geschäft, zeigt das Infodisplay im Eingangsbereich an. Dass die Ankündigung, es werde ab Dienstag wieder schärfere Einkaufsregeln geben, zu mehr Zuspruch führe, daran habe er nicht geglaubt, sagt Kressmann.
Höchste Auslastung nie erreicht
Wenige Meter weiter bei Adamski füllen gerade Carsten Beckmann und seine Schwester Kathrin Bode die Anmeldeformulare aus. „Wir sind extra gekommen, um noch schnell einzukaufen, bevor der Einzelhandel wieder dicht macht“, sagt er. Beide wollen ebenfalls die regionalen Geschäfte unterstützen. Und sie haben kaum Verständnis dafür, dass für sie so strenge Regeln gelten. „Der Wirtschaft geht es schlecht, aber mir ist nicht bekannt, dass Gastronomie oder Einzelhandel schuld daran sind, dass sich Infektionen weiter verbreiten“, sagt Beckmann.
An der Kasse steht Stefan Coers, Verkäufer bei Adamski, wie stets guter Laune, trotz der Corona-Situation: „Wir haben heute einen ganz normalen Tag unter diesen Bedingungen.“ Auch er registriert keinen Anstieg durch die Ankündigung, dass ab Dienstag es nur wieder möglich sein wird, zu bestellen und Waren abzuholen.
Kunden werden nachhaltiger
Nur Hans-Detlef Parsiegla äußert sich über die kurze Öffnungsphase optimistischer. Er ist heute im Verkauf in der Boutique 23 in der Osterstraße eingesprungen. „Die Menschen wollen die Ware anfassen, probieren, darüber mit Verkäufern reden“, sagt er. Das habe man in den vergangenen drei Wochen schon spüren können.
Die alte Shopping-Lust sei noch da – aber sie habe sich auch verändert, glaubt er: „Man guckt heute eher, was man noch im Kleiderschrank hat und kauft nicht gleich etwas Neues ein.“ Er ist fest davon überzeugt, dass sich die Menschen nach einem Jahr Pandemie als Kunden verändert haben: „Ich glaube, dass es stärker in Richtung Nachhaltigkeit gehen wird.“
Nachfrage bei den Baumärkten
Eher durchwachsen hat sich hingegen die Situation bei den Baumärkten abgezeichnet. Am Freitagnachmittag ging es im Obi-Markt beispielsweise moderat und eher ruhig zu. „Ich glaube, dass vielen noch nicht klar ist, dass sie in Kürze wahrscheinlich nicht mehr direkt im Markt einkaufen können, hat sich noch nicht rumgesprochen“, sagte eine Kundenberaterin.
Konrad Krüger, Chef mehrerer Hagebaumärkte, zeigte sich insgesamt zufrieden mit den Abläufen nach der Lockerung. Für ihn wäre es auch eine Option, Kunden mit einem nachgewiesenen Testergebnis einkaufen zu lassen. Sein stellvertretender Marktleiter für das Geschäft in Ochtersum, Stephan Schramme, meldete am Samstag jedenfalls eine hohe Kundenfrequenz: „Wir waren zeitweise voll ausgelastet.“ Er rechnet auch damit, dass sich das am Montag, dem vorerst letzten Direkteinkauftag, aber auch ersten Osterferientag, noch einmal fortsetzen könnte.
