Nordstemmen - Seit mehr als einem Jahr ist die Marienburg für den Besucherverkehr weitgehend geschlossen, doch die anstehenden Bauarbeiten dort lassen noch immer auf sich warten. Jetzt dringen SPD und Grüne im Landtag darauf, die Sanierung des Welfenschlosses bei Nordstemmen konsequent voranzutreiben. Dieses war als Kulisse der Amazon-Erfolgsserie „Maxton Hall“ zum Sehnsuchtsort für Fans aus aller Welt geworden.
Schon im Dezember hatte die CDU den zuständigen Kulturminister Falko Mohrs (SPD) kritisiert und gefordert, dass die Marienburg als touristisches Highlight auch während der Bauphase für Besucher erlebbar bleiben müsse. In dieselbe Kerbe schlagen nun auch SPD und Grüne.
Zugang von Teilen möglich machen
„Die Landesregierung soll während der Sanierung aktiv und fortlaufend prüfen, wie Teilbereiche des Schlosses trotz der Bauarbeiten gefahrlos für das Publikum zugänglich gemacht werden können“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Silke Lesemann. Außerdem solle das Schloss künftig verstärkt zum außerschulischen Lernort gemacht werden, um Schulklassen Geschichte zu vermitteln, fordert Lesemann, die selbst Historikerin ist.
„Unser Ziel ist es, Geschichte lebendig und zukunftsfähig zu machen“, sagt auch Eva Viehoff, kulturpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, „für den Tourismus hat die Marienburg einen hohen Stellenwert.“
27 Millionen Euro für Sanierung
In einem gemeinsamen Antrag fordern SPD und Grüne zudem, die Stiftung Schloss Marienburg als Eigentümerin des Gebäudes „im Rahmen der durch den Haushaltsplan vorgegebenen Möglichkeiten“ zu unterstützen. Bund und Land haben bereits mehr als 27 Millionen Euro für die Sanierung der Burg bereitgestellt.
Für die Stiftung liege eine große Herausforderung darin, ihre laufenden Kosten bis zum Abschluss der Bausanierung zu decken, heißt es in dem Papier: „Dabei ist sie auf Unterstützung durch das Land Niedersachsen angewiesen.“ Zugleich müsse die Stiftung prüfen, nutzbare Teile des Schlosses auch während der Bauphase öffentlich zugänglich zu machen und so Einnahmen zu erzielen. „Dabei sind kreative Konzepte zur Nutzung und Belebung des Schlosses gefragt“, erklären SPD und Grüne.
„Masterplan Marienburg 2030“
Sie fordern auch, den „Masterplan Marienburg 2030“ weiter voranzutreiben, um das museale Potenzial des Schlosses voll auszuschöpfen. Der vor fünf Jahren präsentierte Masterplan sieht vor, neben einem Museumskonzept auch einen konservatorischen Plan für die mehr als 20.000 Inventarstücke auf dem Schloss zu erstellen. Die Kulturstiftung der Länder unterstützt das Projekt finanziell.
Im September 2023 hatte die Region Hannover als Bauaufsichtsbehörde die wichtigsten Räume des Schlosses wegen vermeintlicher Einsturzgefahr für Besucher gesperrt. In der Folge waren immer wieder Zweifel daran laut geworden, ob die Entscheidung berechtigt war. Die Landtags-CDU fordert eine unabhängige Untersuchung, um zu klären, ob wirklich Einsturzgefahr besteht. Denn für Dreharbeiten an der Erfolgsserie „Maxton Hall“ waren im vergangenen Sommer Teile der Räume mit einer Ausnahmegenehmigung wieder freigegeben worden.
Im Stiftungsrat der Stiftung Schloss Marienburg gibt das Kulturministerium den Ton an. In den vergangenen Monaten hatte es diverse Konflikte und Querelen um das Schloss gegeben. Unter anderem kam es im September zur Abberufung des Stiftungsvorstands Ulrich von Jeinsen. Dieser erhob schwere Vorwürfe gegen das Kulturministerium, dem er gravierende Versäumnisse vorwarf. Im September hatte Minister Mohrs erklärt, er könne nicht verlässlich sagen, wann die seit Jahren geplanten Bauarbeiten beginnen würden.
Von Simon Benne
