Hildesheim - Im Rat bahnt sich eine Mehrheit dafür an, die historische Brücke unter der Dammstraße wie von der Verwaltung vorgeschlagen wieder im Boden zu verschließen und danach – zumindest zunächst – zur früheren Verkehrsführung in dem Bereich zurückzukehren. Dieser Eindruck hat sich in einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses, des Finanzausschusses und des Ortsrates Stadtmitte/Neustadt abgezeichnet.
Zwar verzichteten die Politiker darauf, eine Beschlussempfehlung für den Rat abzugeben – die Fraktionen wollen sich zunächst intern mit den insgesamt vier Anträgen zu dem Thema befassen, von denen zwei erst kurz vor der Sitzung vorlagen. Doch CDU und Sprecher der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI machten deutlich, dem Vorschlag der Verwaltung zum weiteren Umgang mit der Brücke grundsätzlich folgen zu wollen.
CDU-Chef Münter findet, der Rat könne Verschließen verantworten
„Es gibt die klare Tendenz, die Brücke zuzumachen“, sagte SPD-Vertreter Tobias Eckardt. Er sei zwar ein Fan des Bauwerks. Doch Fachleute rieten dazu, dieses zu verschließen – auch wenn sich viele Menschen etwas anderes wünschten. Die Politiker könnten diese Entscheidung trotzdem verantworten, betonte CDU-Chef Münter. Denn sie müssten neben den verständlichen Wünschen, die Brücke sichtbar zu lassen, auch andere Kriterien wie die Erreichbarkeit der Innenstadt berücksichtigen.
Warum die Verwaltung das Versiegeln der Brücke empfiehlt, erläuterte Stadtbaurätin Andrea Döring: Ein Abbau und Wiederaufbau des Bauwerks an anderer Stelle scheide aus denkmalrechtlichen Gründen aus; das gleiche gelte für die Idee, auch die Nordseite freizulegen. Zwar sei es unter Umständen denkbar, die bereits geöffnete Südseite zugänglich zu machen. Doch Aufwand und Kosten wären hoch, „da gibt es viele Fragen“, sagte Döring.
Volker Weiß wirbt dafür, die Brücke zugänglich zu machen
Dennoch sei diese Variante bei der Expertenanhörung zu der Brücke nicht völlig ausgeschlossen worden, betonte FDP-Vertreter Volker Weiß. Er warb mit einem Antrag dafür, die Möglichkeit, das Bauwerk zugänglich zu machen, noch einmal genau von der Verwaltung prüfen zu lassen – das sei angesichts dessen Bedeutung geboten. Weiß ist Vorstandsmitglied der Altstadtgilde, die einen Vorschlag dazu vorgelegt hat. SPD-Ratsherr Marcus Krettek und Grünen-Vertreter Jens Schulte-Koch zeigten Verständnis für Weiß’ Wunsch, dessen eigener Fraktionskollege Michael Kriegel dagegen ging auf Abstand: Man müsse zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden, die Brücke sei im Boden am besten geschützt. Unabhängigen-Vertreter Erdinc Parlak machte sich für einen Bürgerentscheid zu der Frage stark, ob die Brücke zugänglich gemacht werden soll, stieß aber bei auf Ablehnung: Der Beschluss obliege dem Rat, erklärten CDU und Mehrheitsgruppe.
CDU und Mehrheitsgruppe streiten wieder über Verkehr
Gleichwohl lieferte sich diese erneut eine zum Teil scharfe Grundsatzdebatte zur Verkehrspolitik. Beim Blick auf konkrete Lösungen für die Dammstraße schienen die Positionen aber nicht unüberbrückbar. So zeigte sich Münter aufgeschlossen für den Wunsch der Mehrheitsgruppe, mit Wiederfreigabe der Dammstraße einen Pop-up-Radweg anzulegen: Es gehe darum, den Menschen ein Signal zu geben, dass man bereits jetzt an langfristigen Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger arbeite, sagte Tinka Dittrich (Grüne).
Die CDU wiederum will die Entscheidung über die Brücke nicht mit dem Wunsch der Verwaltung verknüpft sehen, den Durchgangsverkehr in der Kardinal-Bertram-Straße zu unterbinden, sobald diese 2024 umgebaut worden ist. Zudem drängen die Christdemokraten darauf, die Dammstraße auf jeden Fall noch 2023 freizugeben. Baudezernentin Döring will das nicht ausschließen, sich aber angesichts von Unwägbarkeiten bei den weiteren Arbeiten auch nicht auf einen Zeitpunkt festlegen. Sowohl CDU als auch SPD kündigten an, einen gemeinsamen Beschluss anzustreben – dies sei mit Blick auf die Bedeutung der Brücke wünschenswert.
